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Digitale Brieftasche d-you: 100 Tage vor dem Start wächst die Kritik

Am 2. Januar 2027 startet die staatliche Brieftasche d-you zunächst mit der Ausweisfunktion. Im Bundestag mehren sich Zweifel an Pseudonymität und Datensparsamkeit.

TechnologieNachrichtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 24. September 20264 Min. LesezeitQuellen 2
Digitale Brieftasche d-you: 100 Tage vor dem Start wächst die Kritik

In genau 100 Tagen, am 2. Januar 2027, soll die staatliche digitale Brieftasche d-you starten. Wie netzpolitik.org am 24. September 2026 berichtete, wird sie zunächst nur die Funktion des Personalausweises abbilden. Später sollen Führerschein und Lichtbildnachweis hinzukommen.

Was die Bundesregierung zusagt

Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) betonte in der Debatte, Sicherheit und Schutz der Daten seien Sache des Staates, die Entscheidung über die Nutzung liege bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die Daten sollen verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert werden, die Nutzung bleibt freiwillig.

Was Kritiker vermissen

Rebecca Lenhard (Grüne) kritisierte, dass zum Start weder Pseudonyme noch Zero-Knowledge-Proofs vorgesehen seien. Beide seien sowohl für die Altersverifikation als auch nach dem zugrunde liegenden EU-Recht eigentlich erforderlich.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert in einem Statement, pseudonymes Handeln zu ermöglichen, Daten nur selektiv weiterzugeben und eine datensparsame Altersverifikation von Anfang an bereitzustellen. Ohne diese Eigenschaften sei die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Einführung abgeneigt. Die Verbraucherschützer zielen damit auf genau die praktischen Anwendungsfälle, für die die Brieftasche besonders attraktiv wirken soll: Ausweiskontrolle, Altersnachweis, Nachweis von Berechtigungen.

Sonja Lemke (Die Linke) verwies auf eine Entscheidung des Bundesinnenministeriums vom Oktober 2024 zu signierten Credentials. Eine Signatur mache die ausgestellten Daten für Datenhandel und Identitätsdiebstahl wertvoll. Lemke erinnerte daran, dass BSI, Bundesdatenschutzbeauftragte und IT-Sicherheitsforschende vor dieser Architektur gewarnt hätten, und forderte eine Verschiebung des Starttermins.

Der Zeitplan

Die EU-Vorgaben setzen den rechtlichen Rahmen: Die Mitgliedstaaten müssen ihren Bürgerinnen und Bürgern eine Brieftasche bereitstellen, und die zugrunde liegende Verordnung sieht sowohl Pseudonyme als auch Zero-Knowledge-Proofs vor. In Deutschland beginnt das mit d-you – nach der Darstellung von netzpolitik.org allerdings deutlich kleiner als ursprünglich geplant. Der Bericht nennt neben Sicherheit und Datenschutz einen dritten offenen Punkt: die Vorbereitungen in den Kommunen.

In der Debatte fiel dazu ein Satz, der die Abwägung zusammenfasst. Wer Daten auf diese Weise schützen wolle, der lasse auch sein Fahrrad unangeschlossen draußen stehen, sagte Sonja Lemke mit Blick auf die signierten Daten. Ob die technischen Nachbesserungen bis zum 2. Januar umgesetzt werden können, ist damit weiter offen. Die Debatte im Bundestag zeigt vor allem eines: Der Streit verschiebt sich von der Frage, ob es die Brieftasche geben soll, zur Frage, wie viel Datensparsamkeit bis zum Start technisch erreichbar ist.

Pseudonyme, selektive Weitergabe, Altersverifikation ohne Datenspur – die Forderungen sind konkret, der Starttermin ist es auch.

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Quellen

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  1. 01netzpolitik.org: Bundestag debattiert über digitale Brieftasche – 100 Tage vor dem Start wächst die KritikDE
  2. 02netzpolitik.org: Themenschwerpunkt Digitale Identität und d-youDE

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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