EU-Aufseher: Für die Cloud-Abhängigkeit der Banken zahlen die Kunden
Der gemeinsame Bericht von Eba, Eiopa und Esma vom 23. September zeigt, wie stark der Finanzsektor von ICT-Anbietern außerhalb der EU abhängt. Rund 80 Prozent der untersuchten Banken nennen die Beziehungen zu IT-Dienstleistern als Hauptrisiko.

Eine Bank kann solides Kapital haben und im Kerngeschäft trotzdem von einer Infrastruktur abhängen, die irgendwo anders betrieben wird. Das italienische Portal CorCom beschreibt den Herbstbericht über die Risiken des EU-Finanzsystems. Veröffentlicht hat ihn der gemeinsame Ausschuss der Aufseher Eba, Eiopa und Esma am 23. September.
Das Dokument nennt die wichtigsten Schwachstellen: technologische Abhängigkeiten von Unternehmen mit Sitz außerhalb der Union, wandelnde Cyberbedrohungen mit Unterstützung durch künstliche Intelligenz und Risiken im Privatkreditgeschäft. Es geht nicht nur darum, welche Dienste eine Bank einkauft. Es geht auch darum, ob sie weiter arbeiten kann, wenn ein Anbieter ausfällt oder in politische Entscheidungen gerät, die in einer anderen Jurisdiktion fallen.
Wer die größte Unruhe auslöst
In der Eba-Umfrage zur Abhängigkeit von Stellen außerhalb der EU und außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums nannten die Institute am häufigsten IT-Dienstleister. Rund 80 Prozent der Befragten hielten diese Beziehungen für die wichtigste kritische Abhängigkeit. An zweiter Stelle standen Zahlungslösungen, die etwa 60 Prozent der Banken angaben. Die Aufseher betonen, dass es sich um Einschätzungen der befragten Institute handelt und nicht um eine Messung des Marktanteils der Anbieter.
Ein separates Problem ist die Konzentration. Wenn viele Banken dieselbe Infrastruktur nutzen, trifft ein Ausfall bei einem Anbieter sie alle im selben Moment. Deshalb schaut die Aufsicht heute weiter als auf das Risiko einer einzelnen Bank und betrachtet die gemeinsamen technologischen Beziehungen des gesamten Sektors. In den Empfehlungen tauchen die Beobachtung dieser Abhängigkeiten, Belastungstests für Krisenszenarien, Kontrollen und die Koordinierung im Rahmen der EU-Verordnung Dora zur operativen Resilienz des Finanzsektors auf.
Souveränität als Produkt
Der regulatorische Druck wurde sofort zum Verkaufsargument. Die französische Le Monde Informatique beschreibt den Abschluss der Fusion des kanadischen Cohere mit dem deutschen Aleph Alpha. Die endgültige Vereinbarung wurde am 16. September unterzeichnet. Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Cohere mit Sitzen in Toronto und Berlin auftreten. Der Wert des zusammengeführten Unternehmens wird auf rund 20 Milliarden Dollar geschätzt, die Cohere-Aktionäre sollen etwa 90 Prozent der Anteile halten. Die Transaktion wartet noch auf die Zustimmung der Regulierer, der Abschluss ist für 2026 geplant. Ilhan Scheer, heute Mitgeschäftsführer von Aleph Alpha, soll operativer Direktor werden, Samuel Weinbach Forschungschef.
Die Redaktion weist dabei auf ein Missverhältnis hin. Der wiederkehrende Umsatz von Cohere stieg von rund 62 Millionen Dollar Ende 2024 auf 240 Millionen im Jahr 2025. Aleph Alpha hatte dagegen begrenzte Erlöse und hohe Verluste und hatte zuvor die Entwicklung von Spitzenmodellen zugunsten von Integrationssoftware aufgegeben. Ein Teil der Beobachter spricht deshalb von einer Übernahme, die als Fusion getarnt ist.
Für den Adressaten ist die Schlussfolgerung doppelt. Für ein Finanzinstitut ist die Frage „Wo steht der Server“ keine Buchhaltungsfrage mehr, sondern Teil des Risikomanagements. Für Anbieter von Alternativen zu den amerikanischen Hyperscalern ist „Souveränität“ heute das stärkste Verkaufsargument und zugleich das am schwersten zu haltende. Denn es verlangt gleichzeitig Skalierung und Gewinn.
Quellen
2- 01CorCom: Cloud e banche, l'allarme delle autorità di vigilanza UEIT
- 02Le Monde Informatique: Cohere et Aleph Alpha, une fusion pour une IA souveraineFR
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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