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Die Desinformation-Wirtschaft: 27 Operationen von PR-Firmen seit 2011

Seit 2011 wurden mindestens 27 Online-Desinformationskampagnen ganz oder teilweise PR- oder Marketingfirmen zugeschrieben. Allein 2019 fanden 19 dieser Fälle statt, wie eine Untersuchung von BuzzFeed News ergab. Dieser Wandel von staatlichen Trollfarmen zu kommerziellen Dienstleistern ist die stille strukturelle Veränderung, die ein Jahrzehnt der Forschung zu Online-Desinformation prägt.

Medien & InternetAnalyseLena BrandtVeröffentlicht: 28. September 20265 Min. LesezeitQuellen 3
Die Desinformation-Wirtschaft: 27 Operationen von PR-Firmen seit 2011

Seit 2011 wurden mindestens 27 Online-Desinformationskampagnen ganz oder teilweise PR- oder Marketingfirmen zugeschrieben. 19 davon fanden allein im Jahr 2019 statt. Diese Zahlen stammen aus einer Überprüfung von BuzzFeed News, die Plattform-Löschungen und Ermittlungen von Sicherheits- und Forschungsfirmen analysierte. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit Reporter, einer investigativen Nachrichtenseite in Taiwan, veröffentlicht.

Nathaniel Gleicher, Leiter der Cybersecurity-Politik bei Facebook, sagte gegenüber BuzzFeed News, dass die "Professionalisierung der Täuschung" eine wachsende Bedrohung darstelle. "Das breitere Konzept von Täuschung und Einflussoperationen gibt es schon seit einiger Zeit, aber in den letzten Jahren haben wir [...] Unternehmen gesehen, die ihr Geschäftsmodell im Wesentlichen um Täuschung herum aufgebaut haben", erklärte er.

Der klarste Einzelfall im Dossier ist Peng Kuan Chin, ein 32-Jähriger, der Reporter sein "Content Farm Automatic Collection System" zeigte. Server durchsuchten das Web nach chinesischen Artikeln und Beiträgen. Das System reorganisierte die Wörter in neuen Texten. Eine Reihe von Websites, die er kontrollierte, veröffentlichte diese, während Tausende gefälschte Social-Media-Konten sie in News-Feeds, Messaging-Apps und Suchergebnissen verbreiteten. "Ich habe dies zur Manipulation der öffentlichen Meinung entwickelt", sagte Peng. Seine Kunden seien Unternehmen, Marken, politische Parteien und Kandidaten in Asien. "Kunden haben Geld, und mich kümmert nicht, was sie kaufen."

Pengs Firma, Bravo-Idea, ist nicht allein. Die Archimedes Group, ein israelisches Unternehmen, baute Netzwerke aus Hunderten von Facebook-Seiten, Konten und Gruppen weltweit auf und prahlte auf ihrer Website, dass es "jedes Werkzeug nutzen und jeden Vorteil ausschöpfen werde, um die Realität nach den Wünschen unseres Kunden zu verändern", so der Bericht von BuzzFeed News. In Mali betrieb es eine gefälschte Fact-Checking-Seite, die vorgab, von lokalen Studenten betrieben zu werden. In Tunesien betrieb es eine Seite mit dem Titel "Stop a la Desinformation et aux Mensonges". In Nigeria betrieb es Seiten, die sowohl für als auch gegen den ehemaligen Vizepräsidenten Atiku Abubakar eintraten; Forscher vermuteten, dass die pro-Abubakar-Seite "wahrscheinlich dazu gedacht war, seine Unterstützer zu identifizieren, um sie später mit anti-Abubakar-Inhalten zu gezielt".

In der Ukraine beschäftigte das Unternehmen Pragmatico Dutzende junge, digital versierte Menschen, um positive Kommentare über Kunden auf gefälschten Facebook-Konten zu posten, so der Bericht. In Polen verwaltete Cat@Net Netzwerke aus gefälschten Twitter-Konten, die von Mitarbeitern mit Behinderungen von zu Hause aus betrieben wurden. Sie wurden eingestellt, weil die Agentur sie unter Marktniveau bezahlen konnte, während sie staatliche Subventionen bezogen. Recherchen von Investigate Europe ergaben zudem, dass Cat@Net Arbeit für eine der prominentesten PR-Agenturen Polens, Art-Media, erledigte. Das Unternehmen bestritt, mit Cat@Net zusammengearbeitet zu haben.

Das Geschäftsmodell ist nicht auf eine Region beschränkt. Ende Dezember entfernte Twitter mehr als 5.000 Konten, die laut dem Unternehmen Teil einer "bedeutenden staatlich unterstützten Informationsoperation" in Saudi-Arabien waren, durchgeführt von der Marketingfirma Smaat. Am selben Tag kündigte Facebook die Entfernung von Hunderten von Konten, Seiten und Gruppen an, die sich im Auftrag der georgischen Regierung an "ausländischer und staatlicher Einmischung" beteiligten. Facebook schrieb die Operation der Werbeagentur Panda in Georgien und der dortigen Regierungspartei zu. Ähnliche Löschungen und Untersuchungen betrafen Firmen in Israel, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Ukraine, Brasilien, Indonesien und Polen.

Cindy Otis, ehemalige CIA-Offizierin und Autorin von True or False: A CIA Analyst's Guide to Spotting Fake News, sagte gegenüber BuzzFeed News, dass Informationsoperationen von Staaten wie Russland und Iran "ein Handbuch für Einzelpersonen und Gruppen bereitgestellt haben, die finanziell motiviert sind, in diesen Bereich einzusteigen". Ermittler bei Plattformen, Sicherheitsfirmen und in der Geheimdienstgemeinschaft verbrächten "zunehmend mehr Zeit damit, sich die verfügbaren Desinformations-Dienstleistungen auf Bestellung anzuschauen", so Otis.

Nicht jeder Faden des Dossiers zeigt in dieselbe Richtung. Eine Studie von Bildungswissenschaftlern der UC Riverside und der USC, veröffentlicht in der Zeitschrift New Media & Society und von UCR News berichtet, stellte fest, dass schwarze und lateinamerikanische Teenager signifikant höhere digitale Lesefähigkeiten, wie das Erkennen von Online-Desinformation, berichten als ihre weißen Altersgenossen, insbesondere bei Inhalten im Zusammenhang mit Rasse und Ethnizität. "Diese Arbeit zeigt, dass Jugendliche mit Hautfarbe bereits in ausgefeilten Formen der digitalen Lesefähigkeit tätig sind", sagte Avriel Epps, Assistenzprofessorin an der School of Education der UC Riverside und Lead-Autorin. "Sie haben diese Fähigkeiten in vielen Fällen aus ihren Lebenserfahrungen entwickelt, Online-Rassismus zu navigieren, nicht unbedingt aus schulischer Unterweisung."

Die Studie stützte sich auf die National Survey of Critical Digital Literacy, ein longitudinales Projekt unter der Leitung von Brendesha Tynes von der University of Southern California, finanziert durch einen Lyle Spencer Award to Transform Education der Spencer Foundation. Mehr als 100 schwarze Jugendliche berichteten in Tagebüchern täglich, wie oft sie rassedigitale Inhalte analysierten, darauf reagierten oder ignorierten, zusammen mit vergleichbaren Zahlen lateinamerikanischer und weißer Gleichaltriger. Die Ergebnisse widersprechen einer Studie des Stanford History Education Group, nun Digital Inquiry Group, aus dem Jahr 2021, in der schwarze Schüler signifikant schlechter in der Analyse von realen digitalen Medien schnitten als andere ethnische Gruppen, obwohl diese Forschung Reaktionen im Zusammenhang mit Rasse oder Rassismus nicht untersuchte.

Skala ist die andere Konstante. CNN berichtete im November 2023, dass die chinesische Regierung die weltweit größte bekannte Online-Desinformationsoperation gebaut hat, bekannt als "Spamouflage" oder "Dragonbridge", und sie verwendet, um US-Bürger, Politiker und Unternehmen zu belästigen, dabei manchmal Gewalt gegen Ziele droht. Meta sagte im August, es habe im zweiten Quartal von 2023 allein einen Cluster von fast 8.000 Konten entfernt, die der Gruppe zugeschrieben wurden. Google sagte CNN, es habe in den letzten Jahren mehr als 100.000 zugehörige Konten geschlossen. X hat Hunderttausende von "staatlich unterstützten" oder "staatlich verbundenen" chinesischen Konten blockiert, so Unternehmensblogs.

Was das Dossier nicht klärt, ist, ob Plattformen Schritt halten können. Facebooks Gleicher rahmte das Problem als Geschäftsmodell, nicht als Taktik. Die Zählung von 27 zugeschriebenen Operationen durch BuzzFeed News, 19 davon in einem einzigen Jahr, deutet darauf hin, dass das Modell weiterhin verkauft wird.

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Quellen

3
  1. 01Disinformation For Hire: How A New Breed Of PR Firms Is Selling Lies OnlineEN
  2. 02Black and Latino teens show strong digital literacyEN
  3. 03China is using the world's largest known online disinformation operation to harass Americans, a CNN review findsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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