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UNESCO plant globale Regeln gegen Desinformation, Umfrage zeigt 85 Prozent besorgt

Mehr als 85 Prozent der Menschen sorgen sich um die Wirkung von Desinformation im Netz, 87 Prozent sagen, sie habe dem politischen Leben ihres Landes bereits geschadet. Das ergibt eine Umfrage des Instituts Ipsos im Auftrag von UNESCO. Die Organisation legte am Montag einen Katalog mit sieben Grundsätzen zur Regulierung vor.

Medien & InternetNachrichtLena BrandtVeröffentlicht: 28. September 20263 Min. LesezeitQuellen 3
UNESCO plant globale Regeln gegen Desinformation, Umfrage zeigt 85 Prozent besorgt

Die Umfrage erfasste 8.000 Menschen in 16 Ländern, in denen nationale Wahlen anstehen, mit zusammen 2,5 Milliarden Wahlberechtigten. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos führte sie für UNESCO durch, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen. Bei der Vorstellung sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay vor Journalisten, Falschinformationen und Hassrede im Netz stellten "große Risiken für den sozialen Zusammenhalt, den Frieden und die Stabilität" dar.

Die Zahlen sind eindeutig. 56 Prozent der Internetnutzer beziehen Nachrichten vor allem über soziale Medien, vor dem Fernsehen mit 44 Prozent und Nachrichtenseiten mit 29 Prozent. Das Vertrauen in das, was sie dort finden, ist geringer als in ältere Medien: 50 Prozent für soziale Plattformen gegenüber 66 Prozent für das Fernsehen, 63 Prozent für das Radio und 57 Prozent für Nachrichtenwebsites und Apps.

68 Prozent nannten soziale Medien als den Ort, an dem sich Falschnachrichten am stärksten verbreiten, vor Messaging-Apps mit 38 Prozent. UNESCO nannte diese Überzeugung "in allen Ländern, Altersgruppen, sozialen Schichten und politischen Lagern überwältigend verbreitet".

Wahlkampfdruck und was Regulierer fordern

Die Sorge spitzt sich vor Abstimmungen zu. 89 Prozent wünschen staatliche und regulatorische Eingriffe während des Wahlkampfs, 91 Prozent erwarten, dass Plattformen wachsamer sind, wenn es direkt um Demokratie geht. Auch Hassrede wurde als weit verbreitet gemeldet: 67 Prozent gaben an, sie online gesehen zu haben, bei den Unter-35-Jährigen stieg der Wert auf 74 Prozent. 88 Prozent sagten, Regierungen und Aufsichtsbehörden müssten beide Probleme angehen, 90 Prozent wollten, dass die Plattformen handeln.

Der Plan von UNESCO stützt sich auf sieben Grundsätze. Unabhängige, gut ausgestattete öffentliche Aufsichtsbehörden sollten überall eingerichtet werden und als Netzwerk zusammenarbeiten, erklärte die Organisation. So sollen digitale Unternehmen keine Lücken zwischen nationalen Regeln ausnutzen können. Plattformen müssten Inhalte wirksam und in großem Umfang moderieren, in allen Regionen und Sprachen, und "rechenschaftspflichtig und transparent sein, was Algorithmen angeht, die zu oft auf maximale Interaktion auf Kosten verlässlicher Informationen ausgerichtet sind". Strengere Maßnahmen, darunter Risikobewertungen, das Kennzeichnen von Inhalten und mehr Transparenz bei politischer Werbung, sollen während Wahlen und in Krisen wie bewaffneten Konflikten und Katastrophen gelten.

Guilherme Canela de Souza Godoi, bei UNESCO Leiter der Sektion für Meinungsfreiheit, sagte, mehr als 50 Länder regulierten soziale Medien bereits, oft aber nicht im Einklang mit internationalen Normen für Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Die Leitlinien seien "eine starke Blaupause auf Grundlage eines Menschenrechtsansatzes, gedacht, um Regierungen und Aufsichtsbehörden zu informieren und anzuregen", und mehrere afrikanische und lateinamerikanische Länder hätten Interesse bekundet. UNESCO teilte mit, eine große Plattform habe dem 194 Mitglieder zählenden Gremium gesagt, sie bevorzuge einen einheitlichen globalen Rahmen gegenüber einem Flickenteppich nationaler und regionaler Systeme. Für 2024 ist eine Weltkonferenz der Regulierungsbehörden geplant. Die Konsultation hinter dem Plan brachte mehr als 10.000 Beiträge aus 134 Ländern über 18 Monate zusammen, was UNESCO als beispiellos im UN-System bezeichnete.

Mathieu Gallard von Ipsos sagte, die Sorge ziehe sich durch jede erfasste Kategorie: "Die Menschen sind sehr besorgt über Desinformation, in jedem Land und jeder sozialen Gruppe, ob jung oder alt, ob gebildet oder nicht, ob ländlich oder städtisch. Besonders besorgt sind sie während Wahlen, und sie wollen, dass alle Akteure dagegen vorgehen."

Die Blaupause trifft auf ein dichtes Feld. Forscher und Journalisten haben koordinierte Netzwerke dokumentiert, von russischen "Trollfabrik"-Aktionen bis zu prochinesischen und proindischen Kampagnen, dazu wirtschaftlich motivierte Operationen wie das Netz von Seiten, das während der US-Wahl 2016 von Teenagern in einer kleinen mazedonischen Stadt betrieben wurde, so ein Leitfaden von Exposing the Invisible. NewsGuard berichtete über ein Netzwerk von 125 unzuverlässigen, KI-generierten Nachrichtenseiten.

Andere Berichte zeigen, wie schnell solches Material gewaltsam werden kann. Nachdem im Juli in Southport drei Mädchen getötet worden waren, verbreitete sich auf X ein falscher Name des Angreifers. Hannah Rose vom Institute for Strategic Dialogue sagte gegenüber CNBC, er habe am folgenden Nachmittag allein auf der Plattform mehr als 30.000 Erwähnungen gehabt. Die Polizei erklärte, der Verdächtige sei in Großbritannien geboren, dennoch folgten tagelange Ausschreitungen. Während der britische Online Safety Act noch auf sein Inkrafttreten wartet, hat die Aufsichtsbehörde Ofcom den Plattformen gesagt, sie sollten nicht darauf warten.

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Quellen

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  1. 0185% of people worry about online disinformation, global survey findsEN
  2. 02How to Track Online Disinformation NetworksEN
  3. 03Online disinformation sparked a wave of far-right violence in the UKEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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