Titan-Bug, DMDC-Leak und eine Strafe in New Jersey: Risiken für Rechenzentren verlassen die IT-Ebene
Ein 16 Jahre alter Forscher verschaffte sich mit einem selbst gebauten KI-Hackbot Administratorzugang zu einem Analyse-Dienst von Microsoft, in dem schätzungsweise 17,3 Billionen Datenzeilen liegen. Der Bericht von The Register vom 30. September ist eine von mehreren Enthüllungen dieser Woche. Sie zeigen: Risiken für Rechenzentren enden nicht mehr im Serverraum. Sie reichen bis zu Genehmigungen, Umweltbehörden und Personalakten.

Beim Titan-Fehler war vor allem entscheidend, was fehlte. Laut The Register vom 30. September prüfte der Dienst den Inhalt eines JSON Web Token, also Mandant, Zielgruppe, App-ID und Nutzer. Die Signatur des Tokens kontrollierte er nie. Der Forscher Faav kam mit einem selbst entwickelten KI-Werkzeug namens Antares über einen Azure-Cloud-Services-Host in die API und konnte SQL ohne gültige Zugangsdaten abschicken. Microsoft hat die API inzwischen abgeriegelt und eine Prämie von 5.000 Dollar gezahlt.
In Faavs eigenem Blog, aus dem The Register zitiert, heißt es zu dem Moment, als der Zugang stand: "It was 2 AM." Er schrieb außerdem, er habe den Beitrag auf Bitte von Microsoft hin überarbeitet und dabei Abschnitte und Zahlen gestrichen. In der Erklärung, die Microsoft für diesen Blog bereitstellte, hieß es, die Offenlegung habe "helped us to better protect our customers by hardening our services."
Strom und Kühlung rücken nach vorn
Am selben Tag kamen zwei Infrastrukturmeldungen hinzu, die nichts mit Software zu tun hatten. Data Center Knowledge berichtete über eine Strafe von 1,07 Millionen Dollar, die das New Jersey Department of Environmental Protection gegen einen Betreiber namens DataOne in Vineland verhängt habe. Der Staat wirft dem Unternehmen vor, 62 Erdgasgeneratoren ohne die nötigen Genehmigungen installiert und betrieben zu haben. Ein Vertreter des Staates habe die Maßnahme am 22. September angekündigt, so das Portal. DataOne bestreitet die Feststellung zu den temporären Generatoren, will laut New Jersey Monitor aber Luftgenehmigungen beantragen.
"AI data centers are increasingly becoming power plants as well as computing facilities", sagte Abhijit Sunil, Senior-Analyst bei Forrester, zu Data Center Knowledge. Er ergänzte, KI-Infrastruktur "can now be deployed faster than traditional permitting and inspection processes were designed to oversee." Im selben Bericht sagte Luis Fernandes von IDC, eine weltweite Betreiberumfrage zähle Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu den wichtigsten Prioritäten bei Resilienz und Nachhaltigkeit. Die beiden Darstellungen widersprechen sich nicht, sie rahmen das Problem aber unterschiedlich: Die eine behandelt die Stromerzeugung vor Ort als Compliance-Risiko, die andere als Beschaffungsfrage.
Transparenz lässt sich unterdessen immer schwerer messen, nicht leichter. POLITICO berichtete am 30. September, Lighthouse Reports habe unter der Aarhus-Konvention Beschwerde eingelegt und werfe der Europäischen Kommission vor, den Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren der öffentlichen Kontrolle zu entziehen. Die von POLITICO zitierten Zahlen der Kommission beziffern Europas Rechenzentren für 2025 auf 20,7 Terawattstunden Strom, etwa so viel wie Kroatien verbraucht, und auf mehr als 8 Millionen Kubikmeter Wasser. Das sind 26 Prozent mehr Strom und 52 Prozent mehr Wasser als 2024. Die Summen stammen aus unvollständigen Daten und werden nur als Gesamtwert veröffentlicht.
NL Times meldete am selben Tag, dass weniger als ein Viertel der größeren niederländischen Rechenzentren Angaben zu Strom und Trinkwasser veröffentlicht. Die Netherlands Enterprise Agency hat nur Daten zu 104 der 186 gewerblichen Anlagen mit mindestens 500 kW Leistung, die der Branchenverband Dutch Datacenter Association Ende vergangenen Jahres gezählt hat. Öffentliche Zahlen gibt es zum Stromverbrauch von 44 dieser Anlagen und zum Wasserverbrauch von 47.
"Taking pressure off the grid doesn't eliminate an environmental cost." Abhijit Sunil, Forrester, zu Data Center Knowledge
Im Rack teilt sich der Kühlungsstapel und wächst
Auf der Hardwareseite zerfällt dasselbe Problem in Schichten. SUNON nutzte seine Vorschau zum OCP Global Summit, um ein Portfolio für Flüssigkühlung auf drei Ebenen zu ordnen: Chip, Server und Rack, berichtet TechEdge AI. Die Veranstaltung läuft vom 12. bis 15. Oktober in San Jose. Derselbe Artikel zitiert Gartner mit einer Prognose von 565 Terawattstunden Stromverbrauch für Rechenzentren im Jahr 2026, 26 Prozent mehr als 2025. KI-optimierte Server sollen in diesem Jahr 31 Prozent davon ausmachen und 2027 herkömmliche Server überholen. Die IEA-Zahl im selben Text hat einen anderen Bezugsrahmen: etwa 415 TWh im Jahr 2024, rund 1,5 Prozent des weltweiten Stroms.
Upsite Technologies macht einen verwandten Punkt dazu, wo die Wärme tatsächlich sitzt. In der Analyse heißt es, Cold-Plate-Konstruktionen blieben nicht mehr auf GPUs beschränkt, weil der Netzwerk-Silizium rundherum inzwischen so heiß läuft, dass er Flüssigkühlung braucht. Broadcoms Tomahawk 6 unterstützt bis zu 102,4 Tb/s Switching-Kapazität auf einem einzigen Chip, und Ciscos Silicon One G300 bietet 102,4 Tbps mit 200 Gbps SerDes. Nvidias Vera-Rubin-Plattform, so derselbe Text, soll die Inferenzkosten pro Token gegenüber Blackwell um bis zu 10 Mal senken.
Zur Data Center World Asia in Singapur am 29. und 30. September brachten die Anbieter Produktzahlen mit. Midea Building Technologies zeigt laut Thermal Control Magazine eine Magnetic CDU, die den Platzbedarf nach eigenen Angaben um bis zu 70 Prozent senkt und unter geeigneten Bedingungen einen System-PUE unter 1,2 ermöglicht. Dazu kommen ein luftgekühlter magnetgelagerter Zentrifugalkühler mit COP bis 5,4 und eine industrielle CDU mit 2,6 MW. Das mit Keppel verbundene Projekt Gui'an soll bis zu 7.654 Stunden freie Kühlung im Jahr bei stabil unter 1,2 liegendem PUE erreichen. LG Electronics beschrieb in einem eigenen Beitrag ein Portfolio "Chip-to-Chiller" mit vorgefertigten hydronischen Lösungen, luftgekühlten Zentrifugalkühlern, von Nvidia qualifizierten Coolant Distribution Units, Immersionskühlung und Fan Wall Units.
Das sind Marketingzahlen der Unternehmen selbst, und so sollte man sie lesen. Unabhängige Vergleichswerte fallen weniger günstig aus. Data Center List kommt unter Rückgriff auf die Uptime-Institute-Umfrage von 2024 auf einen durchschnittlichen PUE von 1,56 über alle berichtenden Anlagen, gegenüber 1,09 bei Google und 1,17 bei Microsoft über die gesamte Flotte. Derselbe Datensatz erfasst 6.125 Anlagen in 183 Ländern, von denen 72 Angaben zur Kapazität machen: 29,00 GW offengelegte IT-Kapazität plus 7,27 GW geschätzt für 843 weitere Standorte. Bei branchenüblichem PUE deutet das auf rund 45,23 GW Gesamtleistungsaufnahme hin.
Die Warteschlange im Netz und die Frage, wer zahlt
Texas liefert den härtesten Test dafür, wer die Kosten trägt. Inside Climate News berichtete am 30. September, Verwaltungsrichter der Public Utilities Commission of Texas hätten festgestellt, El Paso Electric habe Alternativen zu einer Erdgasanlage mit 366 Megawatt namens McCloud nicht ausreichend geprüft. Die Anlage soll Metas 10 Milliarden Dollar teures Rechenzentrum mit 1 Gigawatt im Nordosten von El Paso versorgen. Die Richter empfahlen eine Genehmigung nur unter der Bedingung, dass das Versorgungsunternehmen keine Kapital- und Betriebskosten auf die Tarifkunden abwälzt. Andernfalls empfahlen sie eine Ablehnung. Die fünf Kommissare haben noch keinen Termin für eine Abstimmung angesetzt.
Die Details im Antrag sind konkret. El Paso Electric beantragte im Dezember, die Anlage aus 813 modularen Erdgasgeneratoren von Enchanted Rock zu bauen, jeder mit 450 Kilowatt, zu geschätzten Kosten von 499 Millionen Dollar. Fünf Jahre lang soll die Anlage ausschließlich Meta versorgen, bevor sie an das weitere Übertragungsnetz angeschlossen wird. Die Richter schrieben, Wurldwide, eine im Antrag genannte Tochtergesellschaft von Meta, habe das Verfahren vorangetrieben. "We're disappointed", sagte Verónica Carbajal von der Sembrando Esperanza Coalition, die Stellungnahmen von mehr als 1.000 Menschen gegen den Antrag eingereicht hatte.
Missouri zeigt dasselbe Muster im Versorgungsmaßstab. CleanTechnica berichtete am 29. September, Ameren Missouri habe bei der Missouri Public Service Commission einen langfristigen Plan eingereicht. Er sieht bis 2032 zusätzliche 5.400 MW Gas vor, eine Steigerung um 1.700 MW. Er verzögert Kohlekraftwerksschließungen einschließlich Sioux bis 2035 und zweier Labadie-Blöcke um sechs Jahre bis 2042. Die Solarinvestitionen vor 2030 kürzt er um 900 MW auf 1.300 MW, neue Windkraft vor 2030 entfällt. Jenn DeRose vom Sierra Club sagte, Ameren und die Technologiekonzerne "gambling with the future of humanity as they power data centers with coal and gas."
Die steuerliche Behandlung ist die andere Seite derselben Rechnung. The Decoder berichtete am 30. September unter Berufung auf die New York Times, Meta habe 2025 durch eine Bundesforschungsgutschrift 3,9 Milliarden Dollar gespart. Das Unternehmen stufte KI-Rechenzentren als Pilotmodelle und Nvidia-Chips als Versuchsmaterial ein. 2024 waren es 2 Milliarden Dollar, 2023 noch 700 Millionen Dollar. In eigenen SEC-Unterlagen warnt Meta, die Ersparnisse könnten angefochten werden. Die Rückstellung für unsichere Steuerpositionen sei um 45 Prozent auf 18,74 Milliarden Dollar gestiegen, so der Bericht.
Auch das Sicherheitsrisiko blieb nicht innerhalb des Perimeters. TechCrunch berichtete am 30. September, das Defense Manpower Data Center informiere Millionen aktiver und ehemaliger Soldaten, dass persönliche Daten einschließlich Sozialversicherungsnummern über mehrere Monate zwischen Oktober 2025 und Mitte Juli 2026 über eine Schwachstelle in der Dateifreigabe abgegriffen worden seien. Ein Vertreter des Pentagon nannte laut CNN und Federal News Network die Zahl von etwa 2,8 Millionen lebenden Menschen und knapp 300.000 Verstorbenen. Die Datensätze waren nicht verschlüsselt. Das US-Militär hatte im März 1,3 Millionen aktive Soldaten.
Zusammengenommen deuten die Offenlegungen dieser Woche auf eine einzige operative Realität: Die Grenze für KI-Kapazität ist längst nicht mehr nur Silizium. Sie ist eine Genehmigung, eine Signaturprüfung, ein Token, ein Umspannwerk, ein Wasserzähler und eine Steuererklärung. Nichts davon steht im Rack. Alles davon entscheidet heute, ob das Rack läuft.
Quellen
14- 0116-year-old researcher found a Microsoft bug, got admin access to databases with 17.3 trillion rowsEN
- 02Data Center On-Site Power Brings Pollution Risks Closer to HomeEN
- 03EU accused of hiding environmental impact of data centersEN
- 04Most data centers refusing to say how much water, electricity they useEN
- 05SUNON Liquid Cooling Targets AI Data Center GrowthEN
- 06AI Chip Innovation Is Reshaping Data Center CoolingEN
- 07Midea to Showcase Integrated Power-Cooling Architecture at Data Centre World Asia 2026EN
- 08LG Electronics Showcases "Chip-To-Chiller" Cooling Solutions at Data Center World Asia 2026EN
- 09How Much Power Does a Data Center Use?EN
- 10Texas Electric Utility Only Considered Gas to Power $10B Meta Data CenterEN
- 11Ameren Missouri Proposes Pollution-Heavy Future to Power Data CentersEN
- 12Meta dodges billions in US taxes by calling its AI data centers experimentsEN
- 13Hackers stole millions of US military personnel records during months-long data breachEN
- 14AI Data Centers Make Power, Cooling Critical to ScalingEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.