Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Berliner Verhaltensscanner: Polizei will KI mit Echtdaten trainieren

Berlins Polizei erprobt KI-gestützte Videoüberwachung. Ein neues Polizeigesetz erlaubt die Weiterverarbeitung echter Daten zum Testen und Trainieren – auch bei privaten Firmen.

TechnologieNachrichtLena BrandtVeröffentlicht: 15. September 20265 Min. LesezeitQuellen 2
Berliner Verhaltensscanner: Polizei will KI mit Echtdaten trainieren

Berlin treibt die KI-gestützte Videoüberwachung voran. Wie netzpolitik.org am 7. September 2026 berichtete, wurde das Leistungsverzeichnis des „Projekts zur Erprobung KI-gestützter Videotechnik“ öffentlich – im Umfeld eines IT-Angriffs auf die Berliner Verwaltung, bei dem laut den Autorinnen und Autoren rund 1,5 Millionen Dateien abgeflossen waren.

Was die Verhaltensscanner leisten sollen

Vorgesehen sind feste und mobile Kamerasysteme sowie Drohnen. Das System erfasst nach der Beschreibung alles, was sich rund um zu schützende Objekte bewegt, und soll anschließend Alarm auslösen, wenn Gegenstände oder Bewegungsmuster auffallen. Ein Polizeibeamter oder eine Polizeibeamtin prüft den Treffer anschließend – die Software entscheidet also nicht allein, aber sie sortiert vor.

Genau in dieser Vorauswahl liegt das Konfliktfeld: Verhaltensscanner greifen auf Merkmale zurück, die aus der Ferne erfassbar sind, und produzieren Trefferlisten für Menschen, die am Ende entscheiden. Fehlerquoten und systematische Verzerrungen sind damit kein nachgelagertes Betriebsproblem, sondern Bestandteil der Technik selbst.

Neues Gesetz, neue Datenwege

Der zweite Baustein folgt gut eine Woche später. Am 15. September 2026 berichtete netzpolitik.org über die Novelle des Polizeigesetzes. Darin finden sich Regeln, wonach personenbezogene Daten weiterverarbeitet werden dürfen, um KI-Systeme zu testen oder zu trainieren. Eine Kleine Anfrage der Linken zielte auf die Frage, ob dabei nicht-anonymisierte Daten an private Unternehmen fließen. Aus der Antwort geht hervor, dass wirksam beziehungsweise irreversibel anonymisierte Datenbestände übermittelt werden – es sei denn, eine Anonymisierung steht den Zwecken der Testung oder des Trainings entgegen. Als Beispiel für die beteiligten Firmen nennt der Bericht die Staige GmbH, die dem Umfeld von Adesso SE zugerechnet wird.

Die Einordnung

Damit verschiebt sich die Frage. Nicht mehr die Erprobung an sich steht im Zentrum, sondern die Datenbasis: Bilder aus dem öffentlichen Raum, die während des Betriebs anfallen, können zu Trainingsmaterial werden. Wer die Archive der Überwachung einmal angelegt hat, entscheidet möglicherweise später, wie viel davon in Modellen weiterlebt.

Was bislang offen ist, betrifft die Bewertung: Wie oft und in welchen Situationen das System tatsächlich Alarm auslöst, ob die Kameras nur an Schutzobjekten wie Botschaften oder Gerichten hängen oder auch offene Plätze erfassen, und welche Löschfristen für Trainingsdaten gelten. Für die Debatte um Verhältnismäßigkeit sind diese Zahlen wesentlich – ohne sie bleibt die Bewertung der Technik derzeit bei den Absichtserklärungen des Leistungsverzeichnisses.

Der Polizist entscheidet am Ende, das System wählt vorher aus – und lernt künftig möglicherweise aus Bildern aus genau diesem Betrieb.

Kommentare 0

Quellen

2
  1. 01netzpolitik.org: Kameras und Drohnen in Berlin – Was Verhaltensscanner erkennen sollenDE
  2. 02netzpolitik.org: KI-Training – Berliner Verhaltensscanner sollen Privatfirmen mit Echtdaten fütternDE

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.