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Blue Origins 10-Milliarden-Runde, ein Kernkraft-Startup und ein Fusions-Pilotreaktor

Blue Origin sammelt erstmals Geld von außen ein. CEO Dave Limp sagte am Dienstag, die Runde sei "überzeichnet" und noch nicht geschlossen. Seit der Gründung vor 26 Jahren hat allein Jeff Bezos das Unternehmen finanziert.

WirtschaftAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 30. September 20267 Min. LesezeitQuellen 4
Blue Origins 10-Milliarden-Runde, ein Kernkraft-Startup und ein Fusions-Pilotreaktor

Die erste Finanzierungsrunde von Blue Origin mit externen Geldgebern ist "überzeichnet" und noch nicht abgeschlossen. Das sagte CEO Dave Limp am Dienstag auf dem Tech-Gipfel "Hello, America" der Trump-Regierung in Washington, D.C., wie CNBC berichtet. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat allein Jeff Bezos das Unternehmen finanziert.

In der vergangenen Woche meldete das Wall Street Journal, das Unternehmen habe bereits 10 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 140 Milliarden Dollar eingesammelt. Bezos steuerte laut WSJ 2 Milliarden Dollar davon bei und hat seit der Gründung 30 Milliarden Dollar investiert. Limp bestätigte weder die endgültigen Zahlen noch die Höhe von Bezos' Investitionen.

"Ich bin erstaunt, wie sehr die Investorengemeinschaft den Weltraum umarmt", sagte Limp laut CNBC auf dem Gipfel. "Sie wissen, dass der Weltraum gewissermaßen unendlich ist und welche Möglichkeiten darin liegen, kommerzielle Dinge ins All zu bringen. Das belegt den Rückenwind, den diese Runde hat." Der CEO fügte hinzu: "Ich bin fest davon überzeugt, dass dies die beste Investition sein wird, die Jeff je gemacht hat. Nebenbei bemerkt hat er einige gute in seiner Bilanz."

Die Rückkehr von New Glenn ist der kurzfristige Test

Limp sagte außerdem, der Plan sehe weiterhin vor, dass New Glenn noch vor Ende dieses Jahres wieder fliegt. Ende Mai hatte eine verheerende Explosion auf Blue Origins Startrampe in Cape Canaveral großen Schaden angerichtet. Laut CNBC arbeiten 1.000 Menschen an der Rampe, 500 in der Tagschicht und 500 in der Nachtschicht. Das Unternehmen arbeitet rund um die Uhr, um diesen Zeitplan zu halten.

Die Bilanz der Rakete ist gemischt. New Glenn erreichte bei seinem ersten Flug Anfang des vergangenen Jahres die Umlaufbahn und landete den Booster beim zweiten Einsatz im Herbst. Bei einer dritten Mission im April landete der Booster zwar, doch die Nutzlast, ein Satellit von AST SpaceMobile, wurde in der falschen Umlaufbahn ausgesetzt und ging verloren. Danach folgte die Explosion im Mai.

Die Satellitenpläne von Blue Origin geben Investoren einen klareren Blick darauf, wohin das Unternehmen steuert. TeraWave, im Januar vorgestellt, ist ein Kommunikationssatellitendienst für Unternehmen, Rechenzentren und Regierungsstellen statt für Privatkunden. Er soll mehr als 5.400 Satelliten im niedrigen Erdorbit umfassen. Project Sunrise, im März bekannt gegeben, würde rund 56.000 Satelliten einsetzen, die künstliche Intelligenz aus dem All betreiben können.

Die orbitalen Rechenzentren sind laut Limp für einen sonnensynchronen Orbit gedacht, in dem die Solarenergie konstant ist, und sollen mit New Glenn starten. Sie hätten kaum Kommunikationsfähigkeit und würden stattdessen in TeraWave eingebunden, um Ergebnisse zur Erde zurückzusenden, sagte er. Das Unternehmen peilt eine Startfrequenz an, die von Hunderten auf Tausende Missionen pro Jahr steigt. "Unsere Mission im Unternehmen ist es, eine Wirtschaft im Weltraum zu schaffen und Millionen von Menschen im Weltraum arbeiten und leben zu lassen", sagte Limp. "Das ist die 100-Jahre-Vision, aber sie erlaubt uns, die Schwerindustrie vom Planeten zu holen und diesen Planeten in einen Park zu verwandeln."

Andernorts fließt Kapital in Weltmodelle und Reaktoren

Blue Origins Runde ist nicht das größte Kapitalereignis in diesem Dossier. AMD und World Labs teilten am 29. September mit, dass AMD das Unternehmen für Weltmodelle bis Ende des Jahres übernehmen wird, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. Der Wert der Transaktion liegt bei 8,2 Milliarden Dollar, wie Ars Technica berichtet. World Labs wurde 2024 von der Computer-Vision-Forscherin Fei-Fei Li gemeinsam mit Justin Johnson, Christoph Lassner und Ben Mildenhall gegründet und sammelte 230 Millionen Dollar ein, teilweise von AMD.

Das erste öffentlich nutzbare Werkzeug des Unternehmens, Marble, erzeugt kleine 3D-Räume mit Gauß-Splats, die sich als 3D-Assets für Filmproduktion und Spieleentwicklung exportieren lassen. Seitdem hat es weitere Modelle und Werkzeuge vorgestellt, etwa Atlas. Ein Anwendungsfall, der hohe Investitionen rechtfertigt, ist laut Ars Technica die Erzeugung synthetischer Daten für das Training von Robotern, ein Feld, in dem Nvidia klar führt. AMD hat eigene KI-Modelle entwickelt, darunter Micro-World, aber keinen Stack, der mit Nvidias Cosmos und verwandten Anwendungen konkurriert.

Im Zuge des Geschäfts wird Fei-Fei Li Executive Vice President und Chief Scientist bei AMD. Johnson und Mildenhall führen das World Labs-Team weiter, das zu AMD stößt und dort eine Organisation für Spitzenforschung bildet, wie World Labs bei der Ankündigung des Deals mitteilte. AMDs eigene Übernahmeankündigung stellte die Robotik in den Mittelpunkt: Die Expertise von World Labs gebe AMD einen tieferen Einblick, wie sich Workloads entwickeln, und helfe, künftige Technologie-Roadmaps zu gestalten.

Die Transaktion ist klein neben den Zahlen, die rund um OpenAI berichtet werden. Das Unternehmen verhandelt laut Bloomberg und TechCrunch über eine Runde von 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 1,4 Billionen Dollar. Reuters und Fortune berichteten, das KI-Wohnungs-Startup EliseAI sei in einer von a16z und Bessemer angeführten Runde mit 4 Milliarden Dollar bewertet worden. Das indische Startup-Nachrichtenportal indianstartupnews.com meldete, das Physical-AI-Unternehmen SiMa.ai habe in einer Series C 150 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,45 Milliarden Dollar eingesammelt. Diese Berichte stammen nicht aus den Volltextquellen des Dossiers und sind nur als Kontext aufgeführt.

Kernkraft und Fusion ziehen öffentliches Geld und öffentliches Land an

Valar Atomics plant nach eigenen Angaben "Project Beehive" auf mehr als 9.500 Acres Land, das das Bureau of Land Management bei Price im US-Bundesstaat Utah verwaltet. Das geht aus Dokumenten hervor, die NPR exklusiv einsehen konnte. Die Anlage soll Rechenzentren und rund 456 kleine Kernreaktoren umfassen, dazu eine Einrichtung zur Herstellung von Kernbrennstoff und weitere zur Lagerung radioaktiver Abfälle. Das steht in einem Vorschlag des Unternehmens an die Bundesaufsicht.

Zusammengenommen würden die Reaktoren rund 9,6 Gigawatt Leistung für die Rechenzentren erzeugen und mehr Wärme für andere industrielle Anwendungen. NPR merkte an, dass der gesamte Bundesstaat Utah im Durchschnitt nur rund 4 Gigawatt Strom erzeugt, während die Spitzenkapazität im Sommer etwa 10 Gigawatt erreichen kann. Der Zeitplan des Projekts sieht vor, dass der nichtnukleare Bau bereits Ende dieses Jahres beginnt und die ersten Reaktoren irgendwann 2028 ans Netz gehen. Valar hat zudem rund 650 Acres Staatsland für dasselbe Projekt beantragt, wie aus staatlichen Unterlagen hervorgeht. Die Salt Lake Tribune berichtete in der vergangenen Woche zuerst über die Nutzung des Staatslands, aber nicht über die größere geplante Nutzung von Bundesland.

Das Projekt hat bei lokalen Aktivisten Alarm ausgelöst. "Es ist besorgniserregend zu sehen, dass die Trump-Regierung mit Unterstützung des Staates Utah dies auf einer beträchtlichen Fläche öffentlichen Landes vorantreibt", sagte Neal Clark, Wildlands-Direktor der Southern Utah Wilderness Alliance, laut NPR. Lexi Tuddenham, Geschäftsführerin der Healthy Environment Alliance of Utah, sagte NPR, "die Koalition der Menschen, die sich um diese Dinge sorgen, geht völlig über politische Lager hinweg". Ihr vorrangiges Ziel sei derzeit, das Bewusstsein zu schärfen. Das Utah-Büro des Bureau of Land Management bestätigte NPR den Eingang eines Antrags des Unternehmens und erklärte, man prüfe ihn auf Vollständigkeit. Die Öffentlichkeit werde im Verfahren nach dem National Environmental Policy Act aussagekräftige Möglichkeiten zur Stellungnahme erhalten. Valar erklärte in einer Stellungnahme, kein Bau beginne vor Genehmigungen und Zulassungen, und die internen Ziele gäben das Tempo vor.

In Japan rechnet Helical Fusion damit, 2027 mit vorläufigen Einschaltversuchen an seinem Demonstrations-Fusionsreaktor zu beginnen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit, wie die Asahi Shimbun berichtet. Das Unternehmen entwickelt Helix HARUKA, nach eigener Darstellung Japans ersten integrierten Pilotreaktor nach dem Helix-Ansatz. Der Bau der ersten Spiralspule auf dem Gelände des National Institute for Fusion Science in Toki in Zentraljapan begann Anfang dieses Jahres und ist weitgehend abgeschlossen. Dadurch konnte das Unternehmen die Anlage für die Medien öffnen.

Helical Fusion schloss 2025 einen Leistungstest einer Hochtemperatur-Supraleiterspule ab. Dabei wurde das Magnetfeld im Inneren eines Fusionsgeräts nachgebildet und ein stabiler Stromfluss unter Supraleiterbedingungen erreicht. Nach Angaben des Unternehmens war das ein Weltrekord. Gelingen die Tests der ersten Stufe, will das Unternehmen eine zweite Spule und weitere Hauptkomponenten installieren, darunter einen Flüssigmetall-Wandblanket. Um 2030 sollen dann die Einschaltversuche der fertigen integrierten Anlage folgen. Auf HARUKA soll HELIX KANATA folgen, ein größerer Reaktor mit einer Nettoleistung von 50 MW; in den 2030er Jahren sollen die Investitionen in vollem Umfang beginnen. CEO Takaya Taguchi sagte vor Journalisten, das Unternehmen wolle frühestens in den 2040er Jahren ein kommerzielles Kraftwerk bauen. Kosten, Sicherheit und Bautempo blieben jedoch Hürden. Japans Regierung hat die Fusionsenergie als eines von 17 strategischen Feldern eingestuft und will bis zum Geschäftsjahr 2040 3,1 Billionen Yen (19,7 Milliarden Dollar) aus öffentlichen und privaten Mitteln investieren, wie aus dem Asahi-Bericht hervorgeht.

Der rote Faden durch diese Geschichten ist kein einzelner Sektor, sondern ein Finanzierungsumfeld, das Weltraum, Weltmodelle, Kernspaltung und Fusion inzwischen als in großem Maßstab investierbar behandelt. In mehreren Fällen sind öffentliches Land, öffentliches Geld oder öffentliche Aufsichtsbehörden im Spiel. Blue Origins Runde ist der jüngste Datenpunkt und der am wenigsten geklärte: überzeichnet, nicht geschlossen und weiterhin ohne bestätigte endgültige Zahlen.

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Quellen

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  1. 01Blue Origin's first outside funding round is 'oversubscribed' and not closed yet, CEO saysEN
  2. 02AMD acquires World Labs AI startup, upping the ante against NvidiaEN
  3. 03Startup Wants to Build Nuclear-Powered Data Center on Public Land in UtahEN
  4. 04Japan's fusion energy startup to begin power-on tests at pilot reactor in 2027EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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