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Verlage setzen auf KI, Leser finden in Büchern Hände mit sechs Fingern

Chinas Verlagsbranche hat eine Plattform bekommen, die Routinearbeit um mehr als 80 Prozent senken soll. Gleichzeitig entpuppte sich in einem Fotoleitfaden die Hälfte der Abbildungen als maschinell erzeugt, mit anatomischen Fehlern.

WirtschaftAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 20. September 20266 Min. LesezeitQuellen 3
Verlage setzen auf KI, Leser finden in Büchern Hände mit sechs Fingern

Am 8. Januar 2026 öffnete in Peking die Buchmesse. Noch vor dem Start stellte das Unternehmen Guomai Culture die Plattform „Welt des Buches“ vor, ein Werkzeug für Verlage, das auf künstlicher Intelligenz beruht. Zur Präsentation gehörte eine Konferenz über Digitalisierungstrends der Branche, mit Vertretern von Verlagsgruppen, Chefredakteuren und Wissenschaftlern. Die Redaktion der Branchenzeitschrift《出版人》fasste die Veränderung in einem Satz zusammen: KI solle die Inhalte nicht ersetzen, sondern die Art neu schreiben, in der Inhalte produziert, geprüft, verbreitet und monetarisiert werden. Die Vertreterin der Plattform, Cai Yuru, sprach von „Sicherheit liefern“ und nicht von einer einfachen Dienstleistung.

80 Prozent weniger Routinearbeit

Die konkrete Zahl ist hier wichtig, denn die Verlagsbranche kommuniziert selten Zahlen. Das Redaktionsmodul der Plattform soll wiederkehrende Tätigkeiten um mehr als 80 Prozent verringern. Das gesamte System deckt den Weg von der Themenwahl über Redaktion und Gestaltung bis zu Marketing und Videoproduktion ab. Das Modul für die Themenwahl liefert Daten statt Vermutungen, das Redaktionsmodul übernimmt Routinearbeiten, das Marketingmodul enthält eine Datenbank mit Internetautoren samt fertigen Kontaktvorlagen, und das Gestaltungsmodul erzeugt Varianten von Umschlägen und Layouts in mehreren Stilen. Geplant sind außerdem Übertragungen, die von digitalen Avataren moderiert werden, sowie eine dreistufige redaktionelle Online-Prüfung von Texten. Dasselbe Werkzeug soll den Verlagszyklus verkürzen und die Qualität der Inhalte heben.

Der Verlagsriese setzt auf Agenten

Ebenso konkret plant der größte chinesische Verlag. Am 6. Januar 2026 stellte die Gruppe CITIC Press auf einer Partnerkonferenz vier Prioritäten für das Jahr vor, darunter Produkte auf Basis von KI. In der Lese-App des Verlags sollen ein „Buchagent“ und ein „Autorenagent“ erscheinen, also Assistenten, die ein Gespräch über einen Titel führen und den Kontakt zum Urheber unterstützen. Das Unternehmen kündigte sieben große Verlagsreihen an, ein Programm zum Aufbau von hundert „lesenden Firmen“ sowie die Übergabe von Buchbeständen an dreißig Schulen. Die neuen Vorschriften zur Leseförderung traten am 1. Februar 2026 in Kraft und machten das Lesen zur öffentlichen Politik. Die Verlage erhielten damit ein klares Signal, dass der Staat diesen Markt stützen wird.

Die andere Seite der Automatisierung

Der Optimismus bekommt jedoch eine harte Korrektur. Im Januar 2026 löste die Entdeckung Empörung aus, dass in einem Porträtfotografie-Leitfaden fast die Hälfte der Abbildungen in einem Generator entstanden war und ein Teil der Bilder anatomische Fehler aufwies: Hände mit sechs Fingern, Füße mit sechs Fingern, verschwommene Gesichter und unnatürliche Lichtübergänge. Kritiker schrieben, in einem Lehrbuch der Porträtfotografie gehe es nicht um schöne Grafik, sondern um die Vermittlung realer Erfahrung mit Model, Licht und Bildausschnitt. Das Lernen an falschen Beispielen verderbe daher die Wahrnehmung des Lesers und untergrabe das Vertrauen in die gesamte Branche. Als Gegenmittel nennen sie die Pflichtprüfung von AIGC-Inhalten in Verlagen und Bildung, die Einbindung der Kennzeichnungskonformität in den Redaktionsprozess sowie die persönliche Verantwortung bei Verstößen. Die chinesischen Vorschriften zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten gelten seit September 2025 und verlangen die Auszeichnung solcher Materialien. Das Problem liegt also nicht im Fehlen einer Regel, sondern in ihrer Durchsetzung. Und darin, dass sich die Ersparnis durch Automatisierung am leichtesten in der Buchhaltung zeigt und am schwersten in der Qualität eines Buches.

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Quellen

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  1. 01AI如何深度重构出版业?“书世界智能出版平台”在京发布 (封面新闻 / 新浪新闻)ZH
  2. 02别让AI消解出版业的真实底色 (上观新闻 / 网易)ZH
  3. 03中信出版总经理段甲强发布2026年重点项目 (腾讯新闻)ZH

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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