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Weißes Haus stoppt Modelle für London. KI-Tests werden zum Hebel

Washington hat OpenAI und Anthropic gebeten, neue Modelle für das britische Institut für KI-Sicherheit zurückzuhalten. Anthropic gibt Claude Mythos 5.1 nicht mehr außerhalb der USA heraus, und London muss sich vor dem Parlament erklären.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 26. September 20266 Min. LesezeitQuellen 3
Weißes Haus stoppt Modelle für London. KI-Tests werden zum Hebel

Der Zugang zu Frontier-Modellen ist ein Instrument der Außenpolitik geworden. Wie das US-Portal Politico berichtete, hat das Weiße Haus OpenAI und Anthropic gebeten, neue Modelle nicht mehr an das britische Institut für KI-Sicherheit weiterzugeben, bis die Vereinigten Staaten ihre eigene Bewertung abgeschlossen haben. Die Aufforderung kam aus dem Büro des Nationalen Direktors für Cybersicherheit.

Ein Unternehmen zwischen zwei Regierungen

Das britische Institut (AI Safety Institute) gehört zu den bestfinanzierten staatlichen Testzentren der Welt. Bisher bekam es Modelle früher zu sehen als andere. Dass es nun hinter Washington in der Warteschlange steht, bringt die Firmen in eine schwierige Lage. Eine Absage kostet sie die Beziehung zu London, eine Zusage den Unmut der amerikanischen Regierung. Ein hoher US-Beamter sagt, die Politik sei klar: erst die amerikanische Bewertung, dann die Weitergabe an Partner.

Anthropic scheint dem zuzustimmen. Das Unternehmen hat dem britischen Institut das Modell Claude Mythos 5.1 nicht übergeben und mitgeteilt, es sei „nur für ausgewählte amerikanische Institutionen" verfügbar. Zugleich kündigte es an, sich mit der US-Regierung über eine Ausweitung des Zugangs abzustimmen. Der Leiter des britischen Instituts, Henry de Zoete, bestätigte in einem Schreiben an den Parlamentsausschuss, dass er keinen Zugang zu den Modellen von Anthropic hat. Er betonte aber, dass das Institut bei einem Teil der Modelle weiter früher Zugang erhält. OpenAI etwa hat ihm GPT-6 Astra vor der offiziellen Premiere zum Testen übergeben.

Wer die Standards schreibt

Der Streit hat einen zweiten, institutionellen Hintergrund. OpenAI argumentiert, das amerikanische Zentrum für KI-Standards und Innovation (CAISI) sollte die internationalen Standards für die Überwachung von Entwicklung und Sicherheit von KI anführen. Dabei sollte es mit nationalen Instituten zusammenarbeiten, darunter dem britischen. CAISI ist allerdings eine unfertige Institution. Sie hat keinen ständigen Leiter, und mehrere Dutzend technische Mitarbeiter sollen einen ununterbrochenen Strom neuer Modelle bewerten. Kongress und Weißes Haus bemühen sich um mehr Mittel für sie.

Europa betrachtet diesen Streit mit Distanz, aber nicht ohne Folgen. London verliert die Position des privilegierten Gutachters. Frankreich hat die September-Erklärung zur Stärkung der Aufsicht über Frontier-Systeme nicht unterzeichnet, Deutschland und Spanien dagegen schon. Zugleich bereitet OpenAI für den 29. September auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco die Präsentation des Modells GPT-6 Cyber vor. Es ist das vierte Modell des Unternehmens in diesem Jahr für Cybersicherheitsaufgaben und wird im Rahmen des Programms Daybreak mit zwei Zugangsstufen bereitgestellt. Regulierung, Tests und Standardisierung werden damit zu einem einzigen Feld des Wettbewerbs. Auf ihm sind Modelle zugleich Produkt und Verhandlungsmasse.

Der Mechanismus des Drucks ist subtil. Washington verbietet die Zusammenarbeit mit London nicht formell, sondern bittet die Firmen, neue Modelle bis zur eigenen Bewertung zurückzuhalten. Die Wirkung ist dieselbe. Das testende Institut ist nicht mehr der erste Gutachter, und der britische Premierminister muss telefonisch eingreifen, um Erklärungen zu erhalten. Das Vertrauen eines Verbündeten erweist sich als Ressource, die sich genauso steuern lässt wie der Zugang zu Chips.

Standards werden damit zur nächsten Exportware. Wer ein Modell am frühesten testet, prägt die technischen Anforderungen für den gesamten Markt. Wer aus diesem Kreislauf ausgeschlossen ist, bekommt fertige Normen. In diesem Streit hat die Europäische Union einen Vorteil in Form eigenen Rechts. Ihre Fähigkeit, Frontier-Modelle zu testen, ist aber weiterhin geringer als der Umfang des Kreislaufs, den sie bewerten will.

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Quellen

3
  1. 01白宫要求OpenAI等暂缓向英国测试机构提供新模型ZH
  2. 02Appel à renforcer le contrôle de l'IA: la France non signataireFR
  3. 03消息称 OpenAI 将在数日内预览网络安全专用模型 GPT-6 CyberZH

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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