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Abwärme von Rechenzentren hebt die Temperatur von Siedlungen messbar an

Messungen an vier Standorten in Arizona ergaben auf der windabgewandten Seite 0,7 bis 0,9 Grad Celsius mehr. Simulationen nennen 2,5 bis 5 Grad. Die Regeln zur Wärmenutzung bleiben in der EU milde.

TechnologieNachrichtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 26. September 20266 Min. LesezeitQuellen 3
Abwärme von Rechenzentren hebt die Temperatur von Siedlungen messbar an

Beim Streit um Rechenzentren für künstliche Intelligenz geht es meist um Strom, Wasser und Fläche. Immer häufiger kommt ein vierter Punkt hinzu: die Wärme, die solche Anlagen an die Umgebung abgeben. heise online beschreibt unter Berufung auf Analysen der Agentur Bloomberg erste Untersuchungen. Sie deuten darauf hin, dass die Ansammlung großer Rechenleistung benachbarte Siedlungen messbar erwärmt.

Die konkreteste Messung stammt aus einer Arbeit des Geografen David Sailor von der Arizona State University. Sein Team fuhr mit Sensoren auf Fahrzeugen um vier Rechenzentren bei Phoenix, darunter eine große Anlage des Betreibers CyrusOne. Auf der windabgewandten Seite der Gebäude lag die Temperatur im Mittel um 0,7 bis 0,9 Grad höher. Der Unterschied reichte von etwa 90 Metern bis zu einem halben Kilometer. Die Autoren schränken selbst ein, dass die Stichprobe mit vier Standorten und drei Messtagen klein und schwer zu verallgemeinern ist.

Größere Effekte ergeben Simulationen des Beratungsunternehmens EOLIOS, dessen Kunden überwiegend europäische Firmen sind. Ein Rechenzentrum mit 50 bis 100 MW Leistung könnte bei bestimmten Windverhältnissen die Temperatur im Umkreis von bis zu 150 Metern um 2,5 bis 5 Grad erhöhen. Das sind modellierte Werte und damit nicht direkt mit den Messungen vergleichbar. Bei Anlagen im Gigawattbereich kann der Umfang des Problems jedoch deutlich größer sein.

Wie viel Wärme in der Umgebung bleibt

Nach Berechnungen von Bloomberg erzeugt ein einzelnes Rechenzentrum mit einer Leistungsaufnahme von über 50 MW so viel Wärme wie der Bedarf von rund 54 000 Haushalten. Praktisch die gesamte elektrische Energie wird am Ende zu Abwärme. Hinzu kommt die Konzentration: Der Marktbeobachter DC Byte gibt an, dass 41 Prozent der amerikanischen Rechenzentren in Clustern von mindestens drei Anlagen im Umkreis eines Kilometers stehen.

Das italienische Portal CorCom berichtet von einem parallelen Trend auf der Versorgungsseite. Racks im Megawattbereich erzwingen den Übergang zu Gleichstromsystemen. Sie begrenzen Verluste und sollen einen Wirkungsgrad von bis zu 98 Prozent ermöglichen. Entscheidend werden Transformatoren mit Festkörpertechnik. Der Autor des Textes, SolarEdge-Mitgründer Meir Adest, nennt die Prognose von über 100 GW neuer Rechenzentrumsleistung für KI weltweit in den Jahren 2026 bis 2030.

Wer schon reguliert, wer erst fragt

Bei der Nutzung von Abwärme liegen Deutschland und Frankreich vor den Vereinigten Staaten. Beide Länder verpflichten Betreiber, Wärme an öffentliche und private Abnehmer abzugeben. Die Europäische Union verlangt bisher weniger: Ab einer Leistung von einem Megawatt muss nur geprüft werden, ob eine Wärmerückgewinnung überhaupt machbar ist. In den USA gibt es praktisch keine vergleichbaren Vorschriften.

Beispiele für die Nutzung gibt es bereits. Die Amazon-Zentrale in Seattle wird mit Wärme aus einem benachbarten Rechenzentrum geheizt. Das finnische Microsoft-Rechenzentrum, das 2027 starten soll, könnte nach vollständigem Ausbau etwa 40 Prozent des Wärmebedarfs von 250 000 Haushalten und Firmen in der Region decken. Allein in Deutschland sollen über 25 Milliarden Euro in einen plötzlichen Boom neuer KI-Rechenzentren fließen.

Kommunen lassen sich Zeit

Der lokale Druck schlägt sich in Vorschriften nieder. Wie Data Center Dynamics berichtet, stimmte der Rat des Loudoun County in Virginia am 18. September mit 7 zu 1 für ein zwölfmonatiges Moratorium für neue Bauanträge. Die Grafschaft ist das Herz der Branche, dort stehen Hunderte Anlagen mit einer Gesamtleistung im Gigawattbereich. Durchgesetzt hatte den Antrag Juli E. Briskman. Sie verwies auf eine nötige Verschnaufpause für die Überprüfung der Regeln. Kristen Umstattd war dagegen, Caleb Kershner enthielt sich. Ein dauerhaftes Verbot galt als unvereinbar mit dem Recht des Staates Virginia. Die Mitarbeiter der Grafschaft sollen am 20. Oktober mit einer förmlichen Beschlussvorlage für das Moratorium in den Rat zurückkehren.

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Quellen

3
  1. 01heise: KI-Rechenzentren – Abwärme heizt angrenzende Wohngebiete aufDE
  2. 02CorCom: Data center ed energia, l'AI riscrive le regoleIT
  3. 03Data Center Dynamics: Loudoun County votes to pause new applicationsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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