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US-Chip-Exportkontrollen: Deepseek und Huawei bauen einen Softwaregraben um Ascend

Deepseek hat am 30. September Open-Source-Programmierwerkzeuge für Huaweis Ascend-Chips veröffentlicht. Der Schritt zielt auf die Softwarelücke, die Nvidias Plattform CUDA an der Spitze hält. Die Veröffentlichung kam einen Tag, nachdem Präsident Trump und führende KI-Manager im Weißen Haus freiwillige Sicherheitsauflagen unterzeichnet hatten.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 30. September 20266 Min. LesezeitQuellen 5
US-Chip-Exportkontrollen: Deepseek und Huawei bauen einen Softwaregraben um Ascend

Deepseek hat am 30. September Open-Source-Programmierwerkzeuge für Huaweis KI-Chips der Ascend-Reihe veröffentlicht. Das geht aus einem Beitrag auf dem offiziellen WeChat-Kanal des Unternehmens hervor. Im Mittelpunkt steht TileLang, eine Programmiersprache, die nach Angaben des Unternehmens einfacher zu handhaben ist als Nvidias Softwareplattform CUDA. Reuters berichtete über die Veröffentlichung, The Decoder griff sie am selben Tag auf.

Das ist die neueste Front im Chipstreit zwischen den USA und China, und es geht nicht um Silizium. Es geht um die Softwareschicht, die entscheidet, welche Chips Entwickler tatsächlich nutzen können.

Was Deepseek tatsächlich ausgeliefert hat

Das Paket enthält Bibliotheken für Berechnungen und für den Datentransport zwischen Chips, alle als Open Source veröffentlicht. Deepseek erklärte, Huawei habe die Arbeit "voll unterstützt". Die beiden Unternehmen optimierten außerdem einen Superknoten, einen Verbund aus 128 Ascend-950-Chips. TileLang wurde ursprünglich von Forschern der Peking-Universität entwickelt. Deepseek nutzt es seit etwa einem Jahr und hat es zunächst auf älteren Nvidia-Chips erprobt. Laut der New York Times ist es inzwischen das wichtigste Werkzeug des Unternehmens für seine Arbeit an künstlicher allgemeiner Intelligenz.

Deepseeks Argument ist einfach: Wer ein unabhängiges Software-Ökosystem für KI-Chips aufbauen will, braucht zuerst eine universelle Sprache, die leicht zu programmieren ist und trotzdem die volle Leistung aus der Hardware holt. Aus Sicht des Unternehmens bietet TileLang ein einfacheres Programmiermodell als CUDA.

Das ist wichtig, weil Nvidias Vormachtstellung nicht allein aus dem Chipdesign stammt. Sie ruht auch auf geschätzt vier Millionen Entwicklern weltweit, die mit CUDA arbeiten. Dieses Ökosystem ist der Graben, den Rivalen wie AMD nicht überqueren konnten, selbst als ihre Hardware auf dem Papier genauso stark aussah.

Huaweis Lücke und die Chips dahinter

Bislang waren chinesische Modellentwickler wie Z.ai und Moonshot AI schneller als die Chiphersteller des Landes, berichtet die NYT. Huawei will diese Lücke schließen. Zwei Wochen vor Deepseeks Ankündigung stellte das Unternehmen neue KI-Prozessoren und Superknoten-Systeme vor und erklärte, sie würden im kommenden Jahr breit für das Modelltraining eingesetzt.

Huawei räumt zudem ein, die Nachfrage im eigenen Land nicht bedienen zu können, und will deshalb weniger Chips ins Ausland verkaufen. Mit Blick auf die US-Exportkontrollen sagte Eric Xu, der derzeit rotierende Vorsitzende von Huawei, das Unternehmen könne keine Zukunft akzeptieren, die davon abhängt, ob andere bereit sind, China Chips zu verkaufen.

In China kommt der Druck nicht nur von außen. Eine Woche Recherche in Peking und Shanghai des Investors David Cheng, veröffentlicht am 30. September in seinem Newsletter Earned Intuition, beschrieb eine Jugendarbeitslosigkeit von 17,9 Prozent im Juli, Einzelhandelsumsätze im Juli 0,6 Prozent über dem Vorjahr gegenüber erwarteten 1,5 Prozent und einen Immobiliencrash, der den Konsum weiter belastet. Cheng schrieb, KI sei "der einzige Motor der chinesischen Wirtschaft, der läuft", gestützt auf staatlich subventionierten Strom, beschleunigte Börsengänge und Preiskämpfe, die der Staat duldet.

Wenn du nicht ins Ausland gehst, war das ganze Schinden umsonst. Involution ohne Export ist verschwendete Mühe.

Diesen Satz hörte Cheng auf seiner Reise. Er fasst die Exportlogik hinter Werkzeugen wie TileLang zusammen. Wenn chinesische Chips nicht in großem Umfang ins Ausland verkauft werden können, muss chinesische Software sie im Inland nutzbar und für Käufer attraktiv machen, die die USA nicht erreichen.

Wie viel vom CUDA-Graben bleibt

Das Forschungsunternehmen SemiAnalysis prüft diese Frage. Nach der Untersuchung von Jalapeño, OpenAIs Inferenzchip, nannten die Analysten den CUDA-Graben "potenziell tot", weil OpenAI neue Modelle so schnell auf eigener Hardware zum Laufen bringt. Jalapeño schlug Nvidias Blackwell bei der Leistung pro Watt in den meisten getesteten Szenarien. Laut SemiAnalysis halfen OpenAI-Modelle auch beim Entwurf des Chips, und diese Modelle laufen auf Nvidia-GPUs.

Die Analysten fügten eigene Einschränkungen hinzu. Sie testeten nur Szenarien, die relativ leicht zu optimieren sind, mit etwa 8.000 Eingabe-Tokens und 1.000 Ausgabe-Tokens. AgentX, ein Benchmark dafür, wie KI-Agenten mehrstufige Aufgaben bewältigen, haben sie noch nicht laufen lassen. Genau dort fand SemiAnalysis im August Nvidia deutlich vorn. Mit AMDs aktuellem Software-Stack wäre Nvidia pro Token weiterhin günstiger, selbst wenn AMD seine Hardware verschenkte. Die Autoren sehen Nvidias dauerhaften Vorteil nicht im Silizium selbst. Sie sehen ihn in der Software, die viele Chips zu einem System verbindet.

Huaweis Chips waren nicht Teil des AgentX-Vergleichs. In einer früheren Analyse zu DeepSeek V4 wies SemiAnalysis jedoch darauf hin, dass Huaweis Software-Stack CANN der einzige neben CUDA war, der das Modell am ersten Tag unterstützte.

Der politische Hintergrund

All das geschieht, während Washington debattiert, wie streng die Hardware beschränkt werden soll. Am 29. September unterzeichneten Präsident Trump und die Chefs der größten US-KI-Unternehmen nach einem Mittagessen im Weißen Haus eine Reihe freiwilliger Sicherheitsstandards, wie CBS News berichtete. "Es ist fast wie eine Verfassung, in gewisser Weise", sagte Trump, flankiert von Elon Musk von SpaceX, Mark Zuckerberg von Meta, Dario Amodei von Anthropic, Jensen Huang von Nvidia, Greg Brockman von OpenAI und Sundar Pichai von Google.

Die einseitige Vereinbarung verpflichtet die Unternehmen auf "vier Kontroll- und Prüfebenen", darunter interne Bewertungen, Audits durch eine externe Firma und Überprüfungen durch den Vorstand jedes Unternehmens. Auf die Frage, ob die Vereinbarung bindend sei, sagte Trump: "Ich denke, sie ist moralisch bindend." Er sagte außerdem, er wolle innerhalb von drei oder vier Tagen einen "KI-Zaren" benennen, und unterzeichnete eine Executive Order, die die Bundesregierung anweist, den Begriff "Super Intelligence" statt künstliche Intelligenz zu verwenden.

Der demokratische Senator Mark Warner aus Virginia zeigte sich wenig beeindruckt. In einer Erklärung nach dem Treffen forderte er den Kongress auf, verbindliche Regeln für Tests, Bewertung und Meldung von Vorfällen bei den fortgeschrittensten KI-Modellen zu verabschieden. "Die Unternehmen, die die mächtigsten KI-Systeme bauen, warnen uns, dass die Technologie schneller voranschreitet als unsere Schutzmaßnahmen", sagte Warner. "Die Antwort des Präsidenten? Sie umzubenennen und den Unternehmen, die sie entwickeln, zu sagen, sie sollen sich selbst regulieren."

Trump hat strengere KI-Regulierung nicht unterstützt und gewarnt, eine landesweite Verlangsamung könnte der US-Wirtschaft schaden und Chinas Techbranche aufholen lassen. Diese Darstellung passt schlecht zu Deepseeks und Huaweis Veröffentlichung, die genau der Versuch ist, die bereits verhängten Exportkontrollen zu umgehen.

Europa bewegt sich in eine andere Richtung, bei einer anderen Sache. Der EU-Rat drängt darauf, der Polizei zu erlauben, Internetfirmen die Durchsuchung privater Kommunikation in "Teilen eines Dienstes" für eine bestimmte Zeit anzuordnen, statt einen Durchsuchungsbeschluss für einen konkreten Verdächtigen zu verlangen. Das geht aus einer geleakten Ratsnotiz vom 18. September hervor, über die Reclaim The Net am 30. September berichtete. Der sechste und möglicherweise letzte Trilog zum Gesetz Chat Control 2.0 ist für Dienstag, den 29. September, angesetzt. Der frühere Piratenpartei-Abgeordnete Patrick Breyer nannte den Vorschlag "Massenüberwachung unter anderem Namen", und der Rechtsdienst des Rates selbst hat früher erklärt, die Durchsuchung eines ganzen Dienstes oder von Teilen davon werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als "allgemeine und unterschiedslose" Überwachung eingestuft und sei damit rechtswidrig.

Was zu beobachten ist

Zwei Dinge entscheiden, ob die Veröffentlichung von Deepseek und Huawei das Bild der Exportkontrollen verändert. Erstens, ob TileLang Entwickler außerhalb Chinas anzieht. Eine Open-Source-Sprache wird nur dann zum Graben, wenn Menschen darauf aufbauen, und CUDAs vier Millionen Entwickler werden nicht ohne Grund wechseln, der den Kontakt mit Produktionslast übersteht.

Zweitens, ob Washington mit strengeren Software- oder Dienstleistungsbeschränkungen statt mit mehr Hardwareregeln antwortet. Die aktuelle Debatte im Kongress hat sich laut Berichten von Lawfare und anderen auf Open-Weight-Modelle und Chip-Exportkontrollen konzentriert. Ein glaubwürdiger chinesischer Software-Stack für heimische Chips ist eine andere Art von Problem, und es ist nicht klar, ob das bestehende Instrumentarium darauf antwortet.

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Quellen

5
  1. 01China's AI industry closes ranks as Deepseek ships open-source software for Huawei's Ascend chipsEN
  2. 02Involution Without Export Is Wasted EffortEN
  3. 03Trump and major AI executives sign "morally binding" voluntary controlsEN
  4. 04EU Council Advances Chat Control 2.0 Scanning ProposalEN
  5. 05OpenAI and Synopsys team up to build an AI model that designs chips like a seasoned engineerEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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