DeepSeek veröffentlicht Huawei-Chip-Tools als Open Source, während US-Exportkontrollen Chinas KI-Stack einengen
DeepSeek hat am 30. September Open-Source-Programmierwerkzeuge für Huaweis Ascend-Chips veröffentlicht. Das ist das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass Chinas KI-Branche einen Software-Stack aufbauen will, der nicht von Nvidias CUDA abhängt.

DeepSeek veröffentlichte die Werkzeuge auf dem offiziellen WeChat-Kanal des Unternehmens. Reuters berichtete darüber, THE DECODER folgte am 30. September. Kernstück ist TileLang, eine Programmiersprache, die nach Darstellung von DeepSeek einfacher zu handhaben ist als CUDA, Nvidias Softwareplattform. Das Paket enthält außerdem Bibliotheken für Berechnungen und für den Datentransfer zwischen Chips. DeepSeek stellt alles als Open Source bereit.
Das ist der Nachrichtenaufhänger. Der Rest ist Kontext. Der Kontext ist eine Lieferkette, die unter Druck umgebaut wird.
Huawei habe die Arbeit "voll und ganz unterstützt", heißt es in demselben Bericht. Die beiden Unternehmen optimierten zudem einen Supernode, einen Verbund aus 128 Ascend-950-Chips. TileLang wurde ursprünglich von Forschern der Peking-Universität entwickelt, DeepSeek nutzt die Sprache seit etwa einem Jahr. Zuerst testete das Unternehmen sie auf älteren Nvidia-Chips. Inzwischen ist sie das wichtigste Werkzeug für die Arbeit an künstlicher allgemeiner Intelligenz, berichtet die New York Times, zitiert nach THE DECODER.
Warum eine Sprache mehr zählt als ein Chip
Nvidias Vormachtstellung ruht nicht allein auf dem Silizium. Der Bericht von THE DECODER beziffert die CUDA-Entwicklerbasis weltweit auf geschätzt vier Millionen Menschen. Diesen Graben haben Rivalen wie AMD nicht überquert, selbst als ihre Hardware auf dem Papier konkurrenzfähig aussah. Eine Programmiersprache, die aus Huaweis Ascend-Chips die volle Leistung herausholt und zugleich leichter zu lernen ist als CUDA, greift genau diesen Graben an.
Auch auf der Hardwareseite ist Huawei vorangekommen. Zwei Wochen vor DeepSeeks Ankündigung stellte das Unternehmen neue KI-Prozessoren und Supernode-Systeme vor. Sie sollten im kommenden Jahr breit für das Training von Modellen eingesetzt werden, berichtete THE DECODER. Huawei räumt zudem ein, die Nachfrage im eigenen Land nicht bedienen zu können, und will deshalb weniger Chips ins Ausland verkaufen. Der derzeit rotierende Vorsitzende Eric Xu sagte, das Unternehmen könne eine Zukunft nicht akzeptieren, die davon abhänge, ob andere bereit seien, Chips nach China zu verkaufen. Das ist eine Anspielung auf die US-Exportkontrollen.
Die Softwareseite ist das schwierigere Problem. Chinesische Modellbauer wie Z.ai und Moonshot AI sind schneller vorangekommen als die Chiphersteller des Landes, berichtet die NYT. Huawei will diesen Abstand schließen. Ob TileLang das schafft, hängt von der Verbreitung ab, nicht von der Ankündigung.
"If you don't go overseas, all that grinding was for nothing."
Der Satz stammt von David Cheng, einem Investor bei DCM. Er schrieb ihn am 30. September auf seinem Substack Earned Intuition, nach einer Woche in Peking und Shanghai. Den chinesischen Ausdruck gibt er als "wenn du nicht ins Ausland gehst, war die ganze Mühe umsonst" wieder. Überall hörte er die Kurzformel für die Spirale nach innen: Anstrengung, die zunimmt, ohne Gewinn zu bringen. Hunderte Labore unterbieten sich gegenseitig beim Preis, werben sich gegenseitig die Forscher ab, liefern monatlich und laufen auf einem Laufband, das echte Ingenieursleistung hervorbringt und fast keinen Profit.
Chengs Essay ist das nützlichste Gegengewicht zur amerikanischen Deutung, weil er die Binnenwirtschaft beschreibt, der die Chips eigentlich dienen sollen. Die Jugendarbeitslosigkeit lag im Juli bei 17,9 Prozent, schreibt er. Die Einzelhandelsumsätze im Juli stiegen um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet worden war 1,5 Prozent. Didi-Fahrer, viele von ihnen Absolventen der besten Universitäten des Landes, sind das sichtbare Symptom. In dieser Lage ist KI der einzige Sektor, von dem der Staat entschieden hat, dass er funktionieren muss. Er stützt ihn mit subventioniertem Strom, beschleunigten Börsengängen und offener Ermunterung zum Preiskampf. Der Export ist der einzige Mechanismus, der die Mühe in Geld verwandelt.
Der Graben auf dem Prüfstand
Wie viel von CUDAas Vorsprung bleibt, ist inzwischen eine empirische Frage. Das Forschungsunternehmen SemiAnalysis testete Jalapeño, OpenAIs Inferenzchip, und nannte den CUDA-Graben "potenziell tot", berichtet THE DECODER, weil OpenAI neue Modelle so schnell auf eigener Hardware zum Laufen bringt. Jalapeño schlug Nvidias Blackwell bei der Leistung pro Watt in den meisten getesteten Szenarien. OpenAI-Modelle halfen zudem, den Chip zu entwerfen, und diese Modelle laufen auf Nvidia-GPUs.
Die Analysten fügten eigene Einschränkungen hinzu: Sie testeten nur Szenarien, die relativ leicht zu optimieren sind, mit etwa 8.000 Eingabe-Tokens und 1.000 Ausgabe-Tokens. AgentX, ein Benchmark dafür, wie KI-Agenten mehrstufige Aufgaben bewältigen, haben sie noch nicht laufen lassen. Genau dort hatte SemiAnalysis im August Nvidia weit vorn gesehen. Mit AMDs aktuellem Software-Stack käme Nvidia pro Token noch immer billiger weg, selbst wenn AMD seine Hardware verschenkte. Der bleibende Vorteil, argumentieren die Autoren, liegt nicht im Silizium, sondern in der Software, die viele Chips zu einem System verbindet.
Huaweis Chips waren nicht Teil des AgentX-Vergleichs. In einer früheren Analyse zu DeepSeek V4 merkte SemiAnalysis jedoch an, dass Huaweis CANN-Software-Stack der einzige neben CUDA war, der das Modell vom ersten Tag an unterstützte. Das ist ein Punkt für Huawei und eine Erinnerung daran, dass sich der Vergleich ständig verschiebt.
Am selben Tag, an dem DeepSeek seine Werkzeuge veröffentlichte, kündigten OpenAI und Synopsys eine mehrjährige Partnerschaft an, um GPT-Synopsys zu bauen, ein Modell für den Chipentwurf, das OpenAIs KI mit den EDA-Werkzeugen von Synopsys verbindet, berichtete THE DECODER am 30. September. OpenAI lizenziert die EDA-Werkzeuge. Das Modell soll auf OpenAIs Infrastruktur laufen. Kundendaten werden nicht für das Training verwendet und verschlüsselt gespeichert, so beide Unternehmen. Erste Tests mit Halbleiterkunden laufen bereits, und die beiden Firmen wollen das Produkt gemeinsam vermarkten und Erlöse teilen.
Synopsys-CEO Sassine Ghazi sagt, KI könne den Entwurfsprozess deutlich beschleunigen. OpenAI-Mitgründer Greg Brockman beschreibt die Partnerschaft als Weg zu besseren Chips und besserer KI. OpenAI arbeitet bereits mit Broadcom an Chips, die speziell für den Betrieb von KI-Modellen gebaut sind. Der kürzlich vorgestellte Jalapeno-Chip gilt als sehr konkurrenzfähig gegenüber ähnlichen spezialisierten Chips.
Stellt man die beiden Ankündigungen nebeneinander, wird die Form des Wettbewerbs klar. Das eine Lager versucht, den Chipentwurf mit einem Frontier-Modell zu automatisieren. Das andere versucht, eine heimische Chipfamilie programmierbar zu machen, ohne die Software des Platzhirsches. Beides sind Antworten auf dieselbe Einschränkung: die Exportkontrollen, die begrenzen, was China kaufen kann, und die strategische Sorge in Washington, dass diese Kontrollen nicht ausreichen werden.
Politik auf beiden Seiten des Pazifiks
Die politische Ebene bewegte sich am 29. September, als Präsident Trump und die Chefs der größten US-KI-Unternehmen im Weißen Haus eine Reihe freiwilliger Sicherheitsstandards unterzeichneten, berichtete CBS News. "Es ist fast wie eine Verfassung, auf gewisse Weise", sagte Trump, flankiert von Elon Musk von SpaceX, Mark Zuckerberg von Meta, Dario Amodei von Anthropic, Jensen Huang von Nvidia, Greg Brockman von OpenAI und Sundar Pichai von Google. Auf die Frage, ob die Vereinbarung bindend sei, sagte Trump: "Ich halte sie für moralisch bindend."
Die Unternehmen verpflichteten sich zu "vier Kontroll- und Prüfebenen", darunter interne Bewertungen, Prüfungen durch eine externe Firma und Kontrollen durch den Vorstand jedes Unternehmens, heißt es in einer einseitigen Vereinbarung, die Trump auf Truth Social veröffentlichte. Sie vereinbarten zudem, sich regelmäßig zu treffen, um Standards und bewährte Verfahren festzulegen. Trump sagte, er wolle innerhalb von drei oder vier Tagen einen "KI-Zaren" ernennen, und unterzeichnete eine Anordnung, die die Bundesregierung anweist, den Begriff "Super Intelligence" statt künstliche Intelligenz zu verwenden.
Der demokratische Senator Mark Warner aus Virginia zeigte sich unbeeindruckt. "Die Unternehmen, die die mächtigsten KI-Systeme bauen, warnen uns, dass die Technologie schneller voranschreitet als unsere Schutzmaßnahmen", sagte er in einer Erklärung. "Die Antwort des Präsidenten? Sie umzubenennen und den Unternehmen, die sie entwickeln, zu sagen, sie sollen sich selbst regulieren."
In Europa geht der parallele Streit um das Scannen privater Nachrichten. Der EU-Rat drängt auf die Verordnung Chat Control 2.0, damit die Polizei Internetfirmen anweisen kann, Kommunikation in "Teilen eines Dienstes" für einen bestimmten Zeitraum zu scannen, statt einen Durchsuchungsbeschluss für einen konkreten Verdächtigen zu erwirken, berichtet Reclaim The Net am 30. September unter Berufung auf eine durchgesickerte Ratsnote vom 18. September. Die Note war für einen sechsten Trilog am Dienstag, dem 29. September, vorbereitet worden. Der frühere EU-Abgeordnete Patrick Breyer nannte sie "Massenüberwachung unter anderem Namen" und sagte, der Vorschlag würde in der Praxis jeden Nutzer in der EU erfassen. Der Rechtsdienst des Rates hat früher erklärt, das Scannen eines ganzen Dienstes oder von Teilen davon werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als allgemein und unterschiedslos und damit rechtswidrig eingestuft.
Nichts davon klärt die Chipfrage. Aber es setzt die Bedingungen. Die USA setzen auf freiwillige Selbstkontrolle der Konzerne und auf Exportkontrollen. China setzt auf staatlich gestützte Spirale nach innen und Open-Source-Umwege. DeepSeeks TileLang-Veröffentlichung ist der jüngste Zug in der zweiten Strategie, und es ist die Art von Zug, die schwer rückgängig zu machen ist, wenn Entwickler erst einmal damit arbeiten.
Quellen
5- 01China's AI industry closes ranks as Deepseek ships open-source software for Huawei's Ascend chipsEN
- 02OpenAI and Synopsys team up to build an AI model that designs chips like a seasoned engineerEN
- 03Involution Without Export Is Wasted EffortEN
- 04Trump and major AI executives sign "morally binding" voluntary controlsEN
- 05EU Council Advances Chat Control 2.0 Scanning ProposalEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.