Europas Nachtzugkarte wächst schneller als die Tunnel darunter
Europäische Bahnbetreiber haben mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 neue direkte Nachtverbindungen zwischen Städten eröffnet, die tagsüber keine direkte Anbindung hatten, wie The Guardian berichtet. Die Megatunnel, die den nächsten Verkehrsstrom tragen sollen, liegen im Durchschnitt 17 Jahre hinter dem Zeitplan.

Warschau rückt München näher. Berlin kommt Paris näher. Aachen rückt Salzburg näher. Diese drei Stadt-Paare bekamen im Zuge eines einzigen Fahrplanwechsels direkte Nachtzüge, wie The Guardian am 14. Dezember 2024 berichtete. Keines von ihnen hatte zuvor eine direkte Tagsüber-Alternative.
Die Mechanik ist banal: Jeden Dezember schreiben die Bahnbetreiber in Europa ihre Fahrpläne neu. Die Folgen sind es nicht. Der nach Warschau fahrende Zug, der am Abend des 10. Dezember 2024 München verließ, war die erste direkte Abfahrt von Bayern nach Polen seit 2010, wie die Zeitung anmerkte. Paris und Berlin bekamen eine Nachtherbindung zurück, die Anfang der Pandemie gekappt wurde, als der Russland-Eisenbahn-Verkehr von Paris über Berlin nach Moskau zum letzten Mal fuhr.
Neue Routen, alte Gleise
Die Wiederbelebung der Nachtzüge ist real und messbar. Dresden bekam Liegewagen-Verbindungen nach Budapest, Wien und Graz. Alle drei hatten bereits Tagsüber-Züge. Salzburg und Krakau wurden durch einen Euronight-Schlafwagen verbunden, der fast 10 Stunden dauert. Sogar in Frankreich, wo Le Monde 2016 den Nachtzug für tot erklärt hatte, bekamen Béziers und Montpellier direkte Nachtverbindungen nach Paris. Die Preise beginnen bei 19 Euro für einen Sitzplatz und 29 Euro für eine Koje.
Nicht jede Änderung ist eine Ergänzung. Aarhus verlor seine zweimal täglich verkehrenden Direktzüge nach Hamburg. Als Kompensation gibt es einen Anschlussverkehr alle zwei Stunden, der in Kolding umsteigt und, laut The Guardian, die Reisenden schneller ans Ziel bringt. Nürnberg ging von fünf täglichen Direktzügen in die Tschechische Republik auf null.
„All diese neuen Züge in Europa schaffen echtes Interesse bei Byway. Wir können jetzt Urlaubsziele kombinieren, für die es zuvor keine direkten Züge gab“, sagte Cat Jones, CEO des flugfreien Anbieters Byway Travel.
Jones hob den Schlafwagen von Salzburg nach Krakau als Chance für Reisende hervor, zwei sehr unterschiedliche Städte zu kombinieren. Das ist die kommerzielle Logik: Nachtzüge müssen den Tagsüber-Schienenverkehr nicht in der Geschwindigkeit schlagen, sondern nur darin, dass sie die Reise als Unterkunft verkaufen.
Die Tunnel sind die Engstelle
An der Oberfläche wird das Netz Route für Route neu aufgespannt. Darunter kämpfen die Projekte, die den Verkehr tragen sollen. CNN berichtete am 26. Mai 2026, dass der Europäische Rechnungshof im Januar feststellte, dass die Kosten für die Fertigstellung von acht großen Projekten des trans-europäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) im Durchschnitt um 82 % über den ursprünglichen Schätzungen lagen. Bei fünf Projekten betrug die durchschnittliche Verzögerung 17 Jahre.
Die EU wird ihre Frist für 2030 zur Fertigstellung des Kernnetzes TEN-T verfehlen. Das ist ein Plan zum Upgrade von 10.850 Meilen Eisenbahnkorridoren. Die Vorzeigeprojekte sind noch in Bewegung. Der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz wurde 2016 für 11.300.000.000 US-Dollar eröffnet und verkürzte die Fahrzeit von Zürich nach Mailand von vier auf zweieinhalb Stunden. Seine Doppelschächte liegen an der tiefsten Stelle mehr als 7.500 Fuß unter den alpinen Gipfeln. Österreich, Frankreich und Italien bauen die nächste Generation von Basistunneln. Dänemark arbeitet an einer Schienen-Fachstraße unter der Ostsee nach Deutschland, die Anfang der 2030er Jahre fertig sein soll.
- Gotthard-Basistunnel: 35 Meilen, eröffnet Juni 2016, 11.300.000.000 US-Dollar.
- TEN-T-Kernnetz: 10.850 Meilen Korridore, Frist 2030, jetzt unerreichbar.
- Acht große TEN-T-Projekte: Kosten im Schnitt um 82 % gestiegen, fünf Projekte im Schnitt 17 Jahre verzögert.
Nick Brooks, Generalsekretär des Bahnbetreiber-Lobbyverbands ALLRAIL, sagte gegenüber CNN: „Megaprojekte wie der Brenner-Basistunnel, Lyon-Turin und die Fehmarn Belt können Game-Change für den europäischen Schienenverkehr sein.“ Die Wortwahl ist seine, nicht die der Rechnungsprüfer.
Es gibt eine zweite Front, die sich von den Alpen entfernt. Die kroatische Regierung bestätigte, dass sie den kostenlosen öffentlichen Schienenverkehr für Kinder, Schüler, Vollzeitstudenten, Rentner und Bürger über 65 beibehalten wird, wie Croatia Week berichtet. Ab dem 1. Januar 2026 wird er auf Inhaber einer Nationalen oder Europäischen Behindertenkarte ausgeweitet, die für Bahnfahrten qualifiziert sind. Berechtigte Bewohner der Gespanschaft Istrien können den Direktzug von Pula nach Zagreb jetzt kostenlos nutzen, obwohl die Route durch Slowenien führt. Diese Züge, die am 20. Juni 2025 wieder eingeführt wurden, fahren freitags ab Zagreb und sonntags ab Pula.
Mittlerweile hält sich das ältere, günstigere Ende der Tradition anderswo. NPR berichtete am 17. Februar 2025, dass das illegale und gefährliche Springen in fahrende Züge in den Vereinigten Staaten von Content-Createurs mit GoPros vermarktet wird. James Payne der Federal Railroad Administration sagte gegenüber NPR, dass Grenzübertretungen, Verletzungen und Todesfälle seit 2014 stetig zunehmen. Die Nachahmung über soziale Medien sei ein wachsendes Problem. Ein beliebter Train-Hopping-YouTuber, James „Stobe the Hobo“ Stobie, starb 2017 bei einem scheinbaren Eisenbahnunfall.
Der Kontrast ist die Geschichte. Europa fügt Liegewagen-Verbindungen schneller hinzu, als es die Tunnel hinzufügt, die es ihnen ermöglichen würden, mit Geschwindigkeit zu fahren. Und die Zahlen der Rechnungsprüfer deuten darauf hin, dass sich diese Lücke bis 2030 nicht schließen wird.
Quellen
4- 01Night trains and border crossings: Europe's best new rail routesEN
- 02The audacious underground mega tunnels redrawing the railway map of EuropeEN
- 03Croatia extends free train travel to more groupsEN
- 04Train hoppers ride the rails across AmericaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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