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Rechenzentren heizen Wohnsiedlungen auf: Abwärme ist längst ein lokales Problem

Messungen rund um Rechenzentren bei Phoenix ergaben 0,7 bis 0,9 Grad höhere Temperaturen. In den USA sind Dutzende Projekte auf den Widerstand von Anwohnern gestoßen, das Loudoun County hat neue Anträge gestoppt.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 26. September 20266 Min. LesezeitQuellen 3
Rechenzentren heizen Wohnsiedlungen auf: Abwärme ist längst ein lokales Problem

Abwärme aus Rechenzentren ist keine technische Frage mehr, sondern ein Problem der Raumplanung. Die Agentur Bloomberg beschrieb unter Berufung auf Untersuchungen und Simulationen, dass KI-Rechenzentren so viel Wärme abgeben, dass die Temperatur in benachbarten Wohnvierteln messbar steigt. In heißen Regionen verstärkt das die städtische Wärmeinsel.

Was die Messungen zeigen

Ein Team unter Leitung des Geografen David Sailor von der Arizona State University sammelte Daten mit Sensoren an Fahrzeugen bei vier Rechenzentren in der Nähe von Phoenix, darunter eine große Anlage des Betreibers CyrusOne. Auf der Lee-Seite maßen die Forscher im Mittel 0,7 bis 0,9 Grad höhere Temperaturen. Nachweisbar war der Effekt in einer Entfernung von etwa 90 Metern bis zu einem halben Kilometer. Die Autoren selbst räumen ein, dass die Stichprobe mit vier Standorten und drei Messtagen klein ist. Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse bleibt damit offen.

Simulationen der internationalen Beratungsfirma EOLIOS kommen auf größere Effekte: Ein Rechenzentrum mit 50 bis 100 MW könnte unter bestimmten Windbedingungen die Temperatur im Umkreis von bis zu 150 Metern um 2,5 bis 5 Grad erhöhen.

Der politische Preis

Im zweiten Quartal 2026 wurden allein in den Vereinigten Staaten rund 45 Rechenzentrumsprojekte wegen des Widerstands von Anwohnern gestoppt oder verzögert, der Gesamtwert dieser Investitionen erreichte 68 Milliarden Dollar.

Diese Zahlen nennt die Forschungsstelle Data Center Watch, zitiert im chinesischen Portal Guancha. Der Autor der Analyse weist auf die geografische Verteilung hin: Die Untersuchung von 46 Projekten, gegen die es 2024 bis 2026 Proteste gab, ergab, dass zwei Drittel davon in von Republikanern kontrollierten Countys lagen. Der Investitionswert in republikanischen Countys war 3,4-mal höher als in demokratischen. Der Grund ist nüchtern: billiges Land, niedrige Energiepreise, lockerere Umweltauflagen. Texas verlagerte die Aufsicht über Rechenzentren auf die Ebene des Bundesstaates und entzog den Kommunen die Zuständigkeit.

Der lokale Widerstand schlägt sich in Verwaltungsentscheidungen nieder. Am 18. September stimmte der Rat des Loudoun County in Virginia, der größten Ansammlung von Rechenzentren weltweit, dafür, die Prüfung neuer Bauanträge auszusetzen. Für die Betreiber heißt das: Das größte Risiko eines Projekts ist nicht mehr die Verfügbarkeit von Chips, sondern die Zustimmung der örtlichen Gemeinschaft.

Die Schlussfolgerung für Europa fällt vorsichtig aus. Polen zieht Investitionen in Rechenzentren an, doch Abwärme und Netzbelastung werden dort als Streit über Strom- und Wasserrechnungen zurückkehren. Wer die Wärmeabnahme einplant und sie mit der Gemeinde schon in der Projektphase abstimmt, vermeidet die Blockade im Genehmigungsverfahren.

Das politische Gewicht des Widerstands verteilt sich ungleichmäßig. Die Analyse von Carbon Direct über 46 umstrittene Projekte für KI-Rechenzentren zwischen Januar 2024 und Mai 2026 zeigte, dass zwei Drittel davon in von Republikanern kontrollierten Countys liegen. Die Investitionen in solchen Countys waren 3,4-mal höher als in demokratischen. In Texas wurden die Vorschriften für Rechenzentren auf die Ebene des Bundesstaates verlagert. Von neun Gesetzen der Bundesstaaten, die ihren Bau fördern, passierten alle außer dem in Minnesota Legislativen, die von Republikanern kontrolliert werden.

Dazu kommen lokale und symbolische Aspekte. Im Loudoun County in Virginia, das als Welthauptstadt der Rechenzentren gilt, stimmte der County-Rat am 18. September für einen Stopp der Prüfung neuer Anträge. Der Widerstand ist also keine Bewegung einer Partei oder einer Region. Er ist eine Reaktion auf konkrete Folgen: Lärm, Wasserverbrauch, belegte Flächen und steigende Temperaturen in der unmittelbaren Nachbarschaft.

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Quellen

3
  1. 01KI-Rechenzentren: Abwärme heizt angrenzende Wohngebiete aufDE
  2. 02MAGA选民是如何把自己坑到数据中心旁边的ZH
  3. 03Virginia's Loudoun County board votes to pause new data center applicationsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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