Speicher kostet pro Quadratmillimeter mehr als Logik. Der Patentkrieg um DDR5 und HBM
Ein Quadratmillimeter DRAM-Wafer in der 1b-Technologie kostet 54 Prozent mehr als ein N2-Wafer bei TSMC. Dazu verklagt Netlist Speicherhersteller und die Firmen, die ihre Produkte in die USA einführen.

Die koreanische Analysefirma Kernel Insight hat nachgerechnet: Ein Quadratmillimeter DRAM-Wafer in der 1b-Technologie kostet 0,654 Dollar, ein Quadratmillimeter im N2-Prozess bei TSMC 0,424 Dollar. Speicher ist damit pro Fläche 54 Prozent teurer als die fortschrittlichste Logik. Dabei ist er einfacher aufgebaut und braucht weder Mehrfachbelichtung noch Lithografie im extremen Ultraviolett. Das kehrt das normale Verhältnis um.
Der Grund ist struktureller Natur, nicht technischer. Die Nachfrage nach KI-Servern saugt die Produktionskapazitäten auf. Wie das chinesische Portal 钛媒体 berichtet, verbraucht ein KI-Server 8 bis 10 Mal mehr DRAM als ein herkömmlicher Server und mehr als dreimal so viel NAND. Samsung, SK hynix und Micron haben über 70 Prozent der neuen Kapazitäten in fortschrittlichen Prozessen auf Produkte mit höherer Marge verlagert, also auf HBM und Serverspeicher. Dem Consumer-DDR5 fehlen diese Kapazitäten. Die 1b-Technologie dient auch der Produktion der Basis von HBM3E-Stapeln für KI-Beschleuniger.
Das Ergebnis sind Preise, die nicht zur Norm zurückkehren wollen. Der Chef von SK hynix wiederholt, dass die KI-Branche ohne Speicher nicht existiert. Der Acer-Vorsitzende Chen Wei prognostiziert, dass die Preise bis Mitte 2027 steigen werden. Die Knappheit werde aber nicht bis 2030 anhalten.
Auf der anderen Seite steht eine Nachfrage, die schneller verschwinden kann, als sie entstanden ist. DeepSeek hat zur Premiere von V4.1-Flash bekannt gegeben, dass die neue Architektur und die Kompression des Kontext-Caches den Bedarf an HBM auf ein Viertel und an SSD auf ein Achtel der früheren Werte senken. Für die Speicheranbieter ist das eine Warnung: Ein Teil der aktuellen Nachfrage ergibt sich aus der Ineffizienz der Modelle, nicht aus der Zahl der Anfragen.
Ins Spiel kommt auch das Recht. Am 23. September eröffnete die amerikanische Kommission ITC das Verfahren 337-TA-1523 zu DRAM-Speichern und Produkten, die sie enthalten. Den Antrag stellte Netlist und nannte Micron, Hewlett Packard Enterprise, Lenovo und Supermicro. Die Firma hat eine Geschichte von Siegen: SK hynix zahlte ihr 2021 40 Mio. Dollar. Eine Jury sprach Samsung 2023 303 Mio. Dollar zu und ein Jahr später 118 Mio. Von Micron kamen 445 Mio. im Jahr 2024. Netlist hatte bereits früher wegen DDR5- und HBM-Modulen geklagt. Seit Juli läuft das Verfahren 337-TA-1511, in dem Nvidia, Broadcom und Google zu den Beklagten gehören. Jeder dieser Fälle verursacht Kosten, die früher oder später in den Speicherpreis einfließen.
Der Patentkrieg ist der zweite, weniger sichtbare Mechanismus, der die Preise treibt. Weitere Vergleiche und Urteile, gerechnet in Hunderten Millionen Dollar, werden in die Betriebskosten eingerechnet. Diese landen früher oder später in der Preisliste für Endkunden. Zusammen mit der angespannten Produktionsbilanz bedeutet das: Über die Verfügbarkeit von Modulen entscheidet nicht nur die Nachfrage der Rechenzentren, sondern auch das rechtliche Risiko. Für den Käufer von KI-Servern ist das ein weiteres Argument, langfristige Verträge zu unterzeichnen und Lieferungen zu sichern, bevor die Preise wieder steigen.
Quellen
3Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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