Netzausbau trifft auf ein Datenproblem: Europas Rechenzentren sagen nicht, was sie verbrauchen
Die meisten großen Rechenzentren in den Niederlanden und in ganz Europa legen nicht offen, wie viel Strom und Wasser sie verbrauchen. Das ergab eine am 30. September veröffentlichte Untersuchung, die ein Jahr dauerte. Netzbetreiber rechnen damit, dass der Sektor bis 2030 10 bis 15 Prozent des niederländischen Stroms belegt.

Die Ergebnisse stammen vom Lighthouse Report, der mit Trouw und anderen europäischen Medien zusammengearbeitet hat. Ein Jahr lang berief sich das Team auf Informationsfreiheitsgesetze und bekam fast nichts zurück.
In den Niederlanden veröffentlichen weniger als ein Viertel der größeren Rechenzentren Zahlen zu Strom und Trinkwasser, berichtet NL Times. Die europäische Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet Standorte mit mindestens 500 Kilowatt installierter Leistung seit drei Jahren, Energie- und Wasserverbrauch zu melden. In der Praxis tun das wenige. Genau diese Lücke zwischen der Pflicht auf dem Papier und den Zahlen in den Akten wollte die Untersuchung messen. Die Lücke ist kein Rundungsfehler. Sie entscheidet, ob ein Netzplan auf Daten steht oder auf Annahmen.
Die Zahlen zeigen, warum das zählt. Die Dutch Datacenter Association zählte zum Ende des vergangenen Jahres 186 kommerzielle Rechenzentren mit 500 kW oder mehr. Die Netherlands Enterprise Agency, die die Daten für Brüssel sammelt, hat Unterlagen zu 104 von ihnen. Öffentliche Werte gibt es nur für den Stromverbrauch von 44 und den Wasserverbrauch von 47. RVO erklärte gegenüber Trouw, man habe weitere Daten zu einigen Standorten, wollte die Zahlen aber nicht herausgeben.
Anlagen entstehen schneller, als sie sich messen lassen
Der Verbrauch ist nicht marginal. Statistics Netherlands beziffert den Stromverbrauch niederländischer Rechenzentren für 2024 auf 5,1 Milliarden Kilowattstunden. Das sind 4,6 Prozent des nationalen Verbrauchs und fast doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Der Netzbetreiber TenneT rechnet bis 2030 mit 10 bis 15 Prozent, in einem Land, in dem Unternehmen, Institutionen und Wohnungsbauprojekte bereits auf Wartelisten für Anschlüsse stehen. Daten, die RVO im Sommer veröffentlichte, zeigten, dass allein das größte niederländische Rechenzentrum von Microsoft 1 Prozent des nationalen Stromverbrauchs ausmacht. Google, das zwei große Standorte in den Niederlanden betreibt, nennt die Zahl nicht.
Das Offenlegungsdefizit fällt in dieselbe Woche wie eine Reihe von Investitionsankündigungen, die davon ausgehen, dass die Nachfrage von Rechenzentren und Industrie weiter steigt. Am Mittwoch sollte US-Präsident Donald Trump rund 200 Milliarden Dollar südkoreanischer Investitionen in den Vereinigten Staaten vorstellen, darunter etwa 54 Milliarden Dollar für das lange verzögerte Alaska-LNG-Projekt, wie Bloomberg über Seeking Alpha berichtete. Schiffbau, LNG, Gaskraftwerke und Kernkraftwerke sind die genannten Ziele. Alle diese Projekte waren an Finanzierung und Verhandlungen gescheitert, nicht an der Technik.
Auf der Erzeugungsseite hat die Internationale Agentur für erneuerbare Energien erklärt, der globale Stromanteil müsse bis 2035 auf 35 Prozent des Endenergieverbrauchs steigen. Die Netzinvestitionen müssten sich dafür auf 1.000.000.000.000 Dollar pro Jahr verdoppeln, eine Zahl, die OilPrice.com am 30. September erneut aufgriff. Das ist der Umfang des Ausbaus. Die Messseite hält nicht mit, und beide stehen inzwischen offen gegeneinander.
Elektrifizierung des Verkehrs erhöht die Last, ungleich verteilt
Die Elektrifizierung von Fahrzeugen gehört zur selben Lastgeschichte, und die Geografie ist schief. CleanTechnica berichtete am 30. September, der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in den USA habe im ersten Halbjahr 2026 bei 5,9 Prozent gelegen, gegenüber 45 Prozent in China im August und 26 Prozent in Europa im Juli. Die USA könnten unter den großen Märkten Letzter werden, hieß es dort.
In Großbritannien hat der neue Range Rover Sport Electric eine Batterie mit 118,5 kWh und eine 800-Volt-Architektur. Er lädt mit 350 kW und schafft den Sprung von 10 auf 80 Prozent in 22 Minuten, wie InsideEVs und WIRED berichten. Toyota wiederum nimmt in Großbritannien Bestellungen für den Hilux BEV ab 42.170 Pfund vor Steuern an, mit einem 59,2-kWh-Akku und einer WLTP-Reichweite von bis zu 160 Meilen, meldet Electrek.
Jede dieser Flotten hängt an einem Netz, dessen Kapazität bereits umstritten ist. Der niederländische Fall ist das deutlichste Beispiel: Die Richtlinie existiert, die Meldepflicht existiert, und die Daten fehlen trotzdem. Auffällig ist auch, wo Quellen auseinandergehen: InsideEVs gibt die WLTP-Reichweite des Range Rover Sport Electric mit 378 Meilen an, WIRED berichtet von 374 Meilen.
Ein weiterer Druck lastet auf denselben Leitungen. Microsoft Research veröffentlichte am 30. September eine Machine-Learning-Pipeline, die geomagnetisch induzierte Ströme an 66.935 Umspannwerken im kontinentalen Teil der Vereinigten Staaten vorhersagt. Sie nutzt Sonnenwinddaten und lokale Bodenleitfähigkeit und will in Tests fast 80 Prozent der großen Weltraumwetterereignisse mit 30 bis 60 Minuten Vorwarnzeit erkannt haben. Das erinnert daran, dass das Netz mehr Last aufnehmen soll, während seinen Betreibern noch immer grundlegende Verbrauchsdaten der größten neuen Nutzer fehlen.
Quellen
11- 01Most data centers refusing to say how much water, electricity they useEN
- 02Trump set to unveil $200B South Korean U.S. investment planEN
- 03Can the World Hit 35% Electrification by 2035?EN
- 04Is The US Going To End DEAD LAST In Vehicle Electrification?EN
- 05Range Rover Sport Electric: Price, Specs, AvailabilityEN
- 06The Range Rover Sport Electric Is Here To Take On The Lucid GravityEN
- 07Toyota dropped a 1,675 lb caravan on its electric truck, and it drove off unfazedEN
- 08Forecasting space weather risks on power gridsEN
- 09Tesla patents 'Electric Fan Car' with 4 ducted fans ahead of Roadster revealEN
- 10So You Think You Could Be an Electrician?EN
- 11Flydubai B38M, first officer under investigation for suspected suicide attemptEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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