Anthropics IPO-Rechnung und Apples Stellenabbau zeigen, was Inferenz wirklich kostet
Anthropics IPO-Prospekt, den Reuters einsehen konnte und über den am 29. September berichtet wurde, stellt eine Infrastrukturrechnung von 518 Milliarden Dollar einem Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar für 2025 gegenüber. Apples neuer Vorstandschef baut derweil Stellen ab, weil die Speicherpreise drücken.

Zwei Geschichten kamen innerhalb eines Tages heraus. Sie beschreiben denselben Druck von zwei entgegengesetzten Enden. Anthropics Prospekt, den Reuters einsehen konnte, verpflichtet das Unternehmen in den kommenden Jahren zu 518 Milliarden Dollar an Cloud-, Rechen- und Infrastrukturverpflichtungen. Apple plant laut einem Bloomberg-Bericht vom Mittwoch kleinere Stellenstreichungen und Projektstreichungen unter dem neuen Vorstandschef John Ternus.
Anthropics Zahlen stehen in den Dokumenten, die Reuters geprüft hat: Der Umsatz wuchs 2025 um das Zwölffache auf fast 4,6 Milliarden Dollar. Operativ verlor das Unternehmen mehr als 8 Milliarden Dollar. Für Rechenleistung und Infrastruktur gab es im vergangenen Jahr 7,33 Milliarden Dollar aus, ein Dreifaches gegenüber 2024 und mehr als die Hälfte seiner gesamten Betriebsausgaben von 12,65 Milliarden Dollar. Zum 31. Dezember hatte es 20,28 Milliarden Dollar in Bargeld, Barmitteln und kurzfristigen Anlagen.
Der Verlust ist nicht vollständig in Bargeld geflossen.
Rund 34 Milliarden Dollar des fast 42 Milliarden Dollar hohen Nettoverlusts waren eine buchhalterische Belastung. Sie hängt am steigenden geschätzten Wert von Finanzierungen, die in Anthropic-Aktien umgewandelt werden könnten, und nicht an ausgegebenem Geld für den laufenden Betrieb. Zwei Kunden erzeugten im vergangenen Jahr fast ein Viertel des Umsatzes. Der Prospekt warnt, dass viele große Kunden nicht durch langfristige Verträge gebunden sind.
Speicher ist die bindende Beschränkung
Apples Problem ist gewöhnlicher und für Käufer von KI-Hardware lehrreicher. Das Unternehmen gab Ende Juli eine vorsichtige Umsatzprognose ab, weil es nicht genügend Speicherchips beschaffen konnte. Die Margen gerieten durch höhere Speicherpreise unter Druck. In seiner letzten Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen beschrieb der damalige Vorstandschef Tim Cook eine "100-Jahre-Flut bei den Speicherpreisen, mit exponentiellen Anstiegen der Speicherpreise". Yahoo Finance berichtete, Ternus wolle weitere Preissteigerungen im Jahr 2027 vermeiden, falls die Knappheit anhält.
Diese Knappheit hat eine Ursache: die Inferenz- und Trainingsnachfrage nach High-Bandwidth-Speicher und fortschrittlichem DRAM. Yahoo Finance merkt an, dass SK Hynix, Samsung Electronics und Micron ihre Premium-KI-Speicherkapazität für einen Großteil des Jahres 2026 weitgehend ausverkauft haben, während Nvidia, Microsoft, Amazon und Meta darum konkurrieren. Lieferanten erwarten eine angespannte Versorgung bis 2027.
Die Kosten für den Betrieb eines Modells sind also nicht nur eine Softwarefrage. Es ist eine Frage der Speicherzuweisung, und Apple bezahlt sie jetzt mit Personal.
Was das Token tatsächlich kostet
Artificial Analysis verglich Anthropics Claude Sonnet 5.5 mit seinem eigenen Index und stellte fest, dass das Modell 56 Punkte erreicht, zwei hinter Opus 5.5 bei maximalem Aufwand, bei identischen Listenpreisen wie Sonnet 5: 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Der Haken ist der Token-Verbrauch. Bei maximalem Aufwand verbrauchte das Modell etwa 193.000 Ausgabe-Token pro Aufgabe des Intelligence Index, der höchste Wert, den das Unternehmen je gemessen hat. Das liegt rund 60% über Opus 5.5 bei maximalem Aufwand und etwa beim Siebenfachen von GPT-6 Astra bei maximalem Aufwand. Die Kosten pro Aufgabe liegen bei fast 7,60 Dollar, rund 50% über Sonnet 5.
Niedrigere Preise pro Token bedeuten nicht automatisch günstigere Aufgaben, weshalb das Routing zu einer eigenen Disziplin geworden ist. Unblocked, das Agenten-Workloads betreibt, beschrieb, wie es seinen GLM 5.2-Verkehr zwischen Baseten, Fireworks und CoreWeave mit einem adaptiven Router verlagert. Der Router wählt pro Anfrage einen Anbieter nach gemessenen Kosten und gemessener Geschwindigkeit aus. Beim Round-Robin bediente Fireworks 51% der Aufgaben zu Preisen, die 25% über denen von Baseten lagen. Eine feste Reihenfolge drückte Baseten auf 98,5%. CoreWeave nannte Preise, die rund 45% unter denen von Baseten lagen, und das Unternehmen hatte keine Leistungsdaten, um es einzuordnen.
Die Abrechnungsseite hat ihre eigene Arithmetik. Flaviocopes berechnete, was 10.000 Dollar Monatsumsatz bei 200 Bestellungen zu je 50 Dollar kosten: Stripe nimmt 350 Dollar, Creem 470 Dollar, Paddle 600 Dollar und Gumroad 1.450 Dollar. Der Autor legt offen, dass Creem die Website sponsert, und gibt an, dass jede Gebühr am 29. September gegen die Preisseiten der Anbieter geprüft wurde.
Hardware-Anbieter jagen derselben Kurve hinterher
GMs Batterie-Joint-Venture Ultium Cells teilte am Dienstag mit, dass sein Werk in Spring Hill, Tennessee, das erste weltweit sein werde, das prismatische LMR-Zellen in Massenproduktion herstellt. Diese sollen laut Unternehmen bei vergleichbaren Kosten eine um 33% höhere Energiedichte als LFP liefern. Die Umrüstungen beginnen später in diesem Jahr und enden bis 2028, es entstehen 500 Arbeitsplätze, und das erste LMR-Fahrzeug wird 2028 erwartet.
MaxLinear brachte ein ähnliches Kostenargument für das Networking vor. Sein am 29. September angekündigter Puma-9-DOCSIS-Chip unterstützt DOCSIS 3.1, 3.1+ und 4.0 und soll die Kosten für Kundengeräte gegenüber seinem Vorgänger um 30% bis 50% senken. Zugleich fügt er Wi-Fi-8-Unterstützung und DDR5-Speicheroptionen hinzu, da die DDR4-Versorgung enger wird. Modems auf dieser Basis werden 2027 erwartet.
Zwei kleinere technische Notizen weisen in dieselbe Richtung. Bitdrift veröffentlichte blob-stream, eine Kafka-Alternative, die gebaut wurde, um Netzwerkverkehr zwischen Verfügbarkeitszonen und zustandslose Broker zu beseitigen. Das Argument: Kosten zwischen Verfügbarkeitszonen dominieren die Cloud-Streaming-Rechnungen. Radim Marek verglich PostgreSQL 19 REPACK (CONCURRENTLY) mit pg_repack und pg_squeeze auf einem Hetzner ccx33 und einem GCE n2-standard-4. Die Online-Neuschreibung erzeugte 18,8 GB WAL, gegenüber 33,5 GB bei pg_repack auf derselben Tabelle.
Nichts davon macht Inferenz billig. Es macht die Rechnung lesbar, was etwas anderes ist.
Quellen
10- 01Anthropic's IPO prospectus shows AI vision, surging costs: ReutersEN
- 02New Apple CEO John Ternus is reportedly planning layoffs as memory chip costs riseEN
- 03Sonnet 5.5 has the heaviest token use we've measured; pricing matches GPT-6 SolEN
- 04Routing LLM traffic across inference providers with TCP-style congestion controlEN
- 05What $10k a month in sales costs you on each payment providerEN
- 06GM's new EV battery tech will cut costs without sacrificing performance or rangeEN
- 07MaxLinear claims new 'Puma 9' DOCSIS chip is a big cost-cutterEN
- 08Announcing blob-stream: a Kafka alternative for no fuss, low cost high volume streamingEN
- 09What REPACK (CONCURRENTLY) costs while it runsEN
- 10Anthropic IPO prospectus reveals surging costs, $42B 2025 net loss: reportEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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