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China lieferte im ersten Halbjahr 77,9 Prozent aller humanoiden Roboter

China hat im ersten Halbjahr 2026 mehr als 19.000 humanoide Roboter ausgeliefert. Das sind 77,9 Prozent der rund 25.000 Einheiten, die weltweit abgesetzt wurden. Die Zahlen schreibt TechNode am 29. September dem Marktforscher IDC zu.

TechnologieErklärtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 29. September 20265 Min. LesezeitQuellen 5
China lieferte im ersten Halbjahr 77,9 Prozent aller humanoiden Roboter

China hat im ersten Halbjahr 2026 mehr als 19.000 humanoide Roboter ausgeliefert, das sind 77,9 Prozent der weltweiten Auslieferungen. Die Zahlen schreibt TechNode am 29. September dem Marktforscher IDC zu. Weltweit wurden fast 25.000 Einheiten abgesetzt, ein Plus von 432,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2030 hob IDC seine Prognose auf mehr als 750.000 Einheiten an, berichtete TechNode unter Berufung auf IT Home.

So sieht der Boom aus: ein Land, ein halbes Jahr, eine Prognose, die den Markt in vier Jahren etwa verdreißigfacht. Es ist zugleich die Zahl, an der sich jede Aussage über eine humanoide Roboterfabrik messen lassen muss.

Das Gegengewicht ist das, was heute tatsächlich in den Fabriken steht. Die International Federation of Robotics, zitiert in der Fertigungserhebung von The Robot Report vom 29. September, meldet eine Verdopplung der Installationen von Industrierobotern im Jahrzehnt bis 2024. Die Roboterdichte, also die Zahl der Roboter pro 10.000 Beschäftigten, steigt weiter, an der Spitze Südkorea, Singapur, Deutschland und Japan. Humanoide sind in diesem Bestand ein Rundungsfehler. The Robot Report urteilt deutlich: Das Interesse an Humanoiden ist groß, doch sie stehen erst am Anfang kommerzieller Erprobungen, und andere Bauformen sind bereits verfügbar.

In der Fabrik geht es weiter um Sensorik und Training

Die Lücke zwischen einer Auslieferungszahl und einem funktionierenden Roboter zeigt sich in der unspektakulären Ebene: Kraft- und Drehmomentsensorik. ForceN stellt Kraft-Drehmoment-Sensoren für Roboterhandgelenke und andere Gelenke her und hat Sensorsysteme für chirurgische, Logistik- und humanoide Roboter geliefert. Auf der RoboBusiness 2026 hält das Unternehmen einen Crashkurs zu diesem Thema, berichtete The Robot Report am 29. September. Gründer und CEO Robert Brooks spricht am 20. Oktober um 14:15 Uhr PT in Santa Clara, Kalifornien. Die Sitzung soll zeigen, wie sich Kraft- und Drehmomentsensoren in Humanoiden einsetzen und wie sie sich vor Beschädigung schützen lassen. Grundlage sind drei Jahre Arbeit mit dem, was das Unternehmen als viele der weltweit führenden Humanoid-Unternehmen bezeichnet.

Die Einordnung in diesem Artikel sollte man wörtlich nehmen: Ohne Kraft-Drehmoment-Sensoren sind Roboter blind dafür, wie viel Druck sie bei der Arbeit ausüben. Ein Humanoide, der nichts fühlt, zerdrückt ein Bauteil, lässt ein Werkzeug fallen oder bleibt bei einer Aufgabe stehen, für die ein Zweifingergreifer nie gebaut wurde.

Das Training ist die andere Hälfte des Problems, und hier sind die Messungen unübersichtlicher. Ein am 29. September von fig.inc veröffentlichter technischer Bericht bewertete Frontier-Modelle wie Astra und Opus 5.5 über Web-Automatisierung und physische Aufgaben hinweg, darunter Manipulation, Montage, industrielle Abläufe und Fahren. Das zentrale Ergebnis nennen die Autoren ungleichmäßige Leistung. Es gibt keinen klaren Spitzenreiter: In jedem getesteten Modellpaar löste das schwächer bewertete Modell Aufgaben, an denen das besser bewertete scheiterte. Dieselbe Unebenheit zeigte sich in den physischen Bereichen, wo Modelle mit höheren Durchschnittswerten in jeder Domäne bei einigen Aufgabenkategorien trotzdem schlechter abschnitten. Die Autoren veröffentlichten RIDGE, einen Datensatz mit Ergebnissen auf Item-Ebene und Modellausgaben aus fünf Domänen.

Das ist wichtig für jeden, der einen universell einsetzbaren Fabrikhumanoiden verspricht. Schwankt die Kompetenz von Aufgabe zu Aufgabe so stark, sagt eine einzelne Benchmark-Zahl einem Werksleiter fast nichts darüber, ob der Roboter die konkrete Arbeit an der Linie bewältigt.

Fünf Millionen Roboter, Tausende davon humanoide

Der installierte Bestand relativiert die Begeisterung. Jüngste Schlagzeilen, die FLASH24 hier nicht als geprüfte Fakten behandelt, beziffern den weltweiten Bestand an Fabrikrobotern auf mehr als fünf Millionen, von denen nur Tausende humanoide sind. Die Erhebung von The Robot Report ergänzt eine Nachfragezahl: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragswert für Roboter um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die Association for Advancing Automation. Sie merkte an, dass steigende Aufträge in nicht-automobilen Sektoren die Rückgänge bei Automobilherstellern ausgeglichen haben.

Ein Auftragswertwachstum von 6,6 Prozent bei einem Wachstum der Humanoid-Auslieferungen von 432,1 Prozent ist kein Widerspruch. Es ist der Unterschied zwischen einem Markt und einem Pilotprojekt.

Deshalb geht der interessanteste Humanoide, der diese Woche ausgeliefert wird, gar nicht in eine Fabrik. Flourish, ein Start-up mit Standorten in San Francisco und Paris, eröffnet den Verkauf für Flourish One, einen fahrbaren Haushaltsroboter im Humanoid-Stil für 3.555 Dollar. Frühe Nutzer bringen ihm neue Hausarbeiten in weniger als 30 Minuten nur mit einem Smartphone bei, berichtete The Robot Report am 29. September. Die erste Charge umfasst 50 handgebaute Einheiten, und das Unternehmen hofft, vor Weihnachten auszuliefern.

"Ich habe alles in meinem Computer automatisiert. ... Aber als ich nach Hause kam, war der schmerzhafteste Teil meines Lebens immer noch da", sagte Gründer Antoine Marcel dem Robot Report.

Marcels Argument für das Zuhause statt der Fabrik: Jeder Haushalt ist eigen, deshalb trainiert Flourish pro Aufgabe und pro Haushalt nach, statt auf ein Generalistenmodell zu warten. Der Roboter hat zwei Arme mit je 1,5 kg (4 lb.) Nutzlast, einen Akku für 12 Stunden Armbetrieb, einen kleinen Lidar nahe dem Boden an der Basis und Kameras an den Handgelenken der Zweifingergreifer. Angetrieben wird er von einem Raspberry Pi, Training und höhere Inferenz laufen auf Cloud-GPUs, was laut Unternehmen die Materialkosten niedrig hält.

Die Grenzen werden klar benannt. Der Roboter ist nicht wasserdicht und wird in seiner ersten Generation weder Geschirr spülen noch den Hund waschen. Seine Geschicklichkeit ist begrenzt: Aufräumen, Müll und einfache Reinigung wie das Abwischen eines Tisches, aber keine filigrane Montage. Beim Anlernen kommen die inertialen Messeinheiten des Telefons zum Einsatz. Der Nutzer bewegt das Telefon, als führe er die Aufgabe aus, während der Roboter die Bewegung nachvollzieht.

Stellt man beide Bilder nebeneinander, beantwortet sich die Fabrikfrage derzeit von selbst. Chinas mehr als 19.000 Einheiten und IDCs Prognose von 750.000 Einheiten für 2030 beschreiben eine Fertigungsbasis, die schnell skaliert. Die Erhebung von The Robot Report beschreibt Fabriken, in denen Humanoide noch erprobt werden und in denen Integration und Kapitalrendite schwierig bleiben. In ForceNs Sitzung geht es darum, einen Sensor nicht zu beschädigen. Im Bericht von fig.inc geht es um Modelle, die unvorhersehbar versagen. Bei Flourish geht es um eine Charge von 50 Einheiten, die nicht nass werden darf.

Nichts davon macht die IDC-Zahl falsch. Es macht sie zu einer Auslieferungszahl, nicht zu einer Installationszahl, und in diesem Unterschied werden die nächsten zwei Jahre der Humanoid-Versprechen entschieden.

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Quellen

5
  1. 01China accounts for 77.9% of global humanoid robot shipments in H1, IDC saysEN
  2. 02ForceN to give a crash course on force and torque sensing for humanoids at RoboBusinessEN
  3. 03Meet Flourish One, the Raspberry Pi-powered humanoid built for busy parentsEN
  4. 04State of Robots in ManufacturingEN
  5. 05Astra, Opus 5.5, and other Frontier Models Demonstrate Jagged Performance Across SoTA Agentic Tasks from Web Browsing to RoboticsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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