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Trumps KI-Pakt und Europas KI-Verordnung: zwei Regelwerke, eine Branche

Sechs US-KI-Firmen haben am 29. und 30. September in Washington ein freiwilliges Sicherheitsdokument unterzeichnet. In Brüssel werden die Pflichten der KI-Verordnung dagegen immer strenger. Die Lücke zwischen beiden ist die eigentliche Geschichte.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 1. Oktober 20263 Min. LesezeitQuellen 12
Trumps KI-Pakt und Europas KI-Verordnung: zwei Regelwerke, eine Branche

Das Dokument heißt "White House Accord on Superintelligence", Untertitel: "Joint Commitment on Frontier Responsibilities". Meta, Google, OpenAI, Anthropic, Nvidia und xAI haben es unterzeichnet. Veröffentlicht wurde es auf Donald Trumps Truth-Social-Konto. The Register hat den Text gelesen und am 30. September berichtet: Er verpflichtet die Unterzeichner zu nichts, was durchsetzbar wäre.

Genannt werden vier "Ebenen von Kontrollen und Audits". Interne Kontrollen über Modelle in den Bereichen Cybersicherheit, biologische Sicherheit und chemische Bedrohungen. Ein internes Team, das diese Kontrollen prüft. Ein unabhängiger externer Prüfer. Ein Ausschuss des Verwaltungsrats, der die Berichte erhält. The Register merkt an: Der Text definiert nie, was "robust" bedeutet, er sagt nicht, wie oft Prüfer kontrollieren, und er legt keinen Rhythmus für Evaluierungen fest.

Strafen, oder das Fehlen derselben

Das deutsche Portal heise online hat das einseitige Papier ebenfalls am 1. Oktober geprüft und denselben Punkt deutlicher formuliert. Die Verben lauten "we believe" und "should", nicht "we will", hieß es dort. Die ersten beiden Ebenen beschreiben demnach Prozesse, die die KI-Firmen bereits angekündigt und teils schon betrieben hatten, während Organisationen weiterhin Opfer von Sicherheitsverletzungen werden. Die Schlusszeilen des Pakts lassen die Möglichkeit offen, dass es "may make sense to codify these steps into laws or regulations".

Vergleichen Sie das mit der Europäischen Union. Die KI-Verordnung ist Gesetzgebung, ihre Pflichten werden nach Risikokategorie gestaffelt eingeführt, und sie wird parallel zu separaten Kartell- und Datenteilungsanordnungen durchgesetzt. Google ficht eine EU-Anordnung an, Daten mit KI-Chatbot- und Suchkonkurrenten zu teilen. Das geht aus einer Berichterstattung hervor, die ET Enterprise AI am 29. September zusammengefasst hat. Hier kämpft ein Unternehmen gegen ein verbindliches Instrument, nicht gegen ein freiwilliges.

"We should spend more time making the rules and standards we have work at scale, and less time focusing on fears about theoretical risks or news reports from the Silicon Valley AI doomer bubble."

Das ist Alexandru Voica, Policy-Leiter beim britischen Unternehmen Synthesia. POLITICO zitiert ihn am 24. September in einem Beitrag über europäische Tech-Führungskräfte, die sich gegen Warnungen vor einer KI-Auslöschung aus den USA wehren.

Europas eigene Spaltungen

Auch Europa spricht nicht mit einer Stimme. POLITICO berichtete am 30. September, der KI-Minister Großbritanniens wolle, dass sich das Land auf den Aufbau der Technologie konzentriert statt auf ihre Regulierung. EUobserver meldete am selben Tag, die EU-Staaten würden aufgefordert, über die KI-Verordnung hinauszugehen, um Menschen vor missbräuchlicher Überwachung zu schützen. Beides steht im Dossier, und beides zeigt in verschiedene Richtungen.

Unterdessen treffen die Sicherheitsvorfälle weiter ein, die der Debatte ihre Dringlichkeit geben. Der Newsletter von MIT Technology Review vom 29. September vermerkte, dass OpenAI ein Modell, GPT-6.1 Astra, fallen ließ, weil es "didn't quite meet the bar". Er vermerkte auch, dass die IPO-Unterlagen von Anthropic warnen, KI könne die Menschheit bedrohen. Derselbe Newsletter hob hervor, dass Florida ein Gericht gebeten hat, OpenAI die Entwicklung neuer Modelle zu untersagen. Außerdem wird die von Anthropic behauptete "Entdeckung" in der Molekularbiologie von Biologen bestritten. Sie sagen, ein von Anthropic markiertes Muster sei bereits bekannt gewesen.

Der Bericht von The Register über den Pakt nennt ein weiteres Detail. Am Dienstag unterzeichnete Trump eine Durchführungsverordnung. Sie verpflichtet Bundesbehörden, den Begriff "Super Intelligence" und die Abkürzung "SI" statt "AI" zu verwenden. Der Name änderte sich. Die Pflichten nicht.

Diese Asymmetrie ist kommerziell bedeutsam. Die Prognose von Omdia für 2027, veröffentlicht am 30. September, ergab: 59 Prozent der Organisationen erwarten, dass die KI-Budgets im nächsten Jahr um 10 Prozent oder mehr steigen. Entscheidend dafür, was gekauft wird, ist der ROI, nicht die technische Überlegenheit. Anbieter, die in beide Märkte verkaufen, müssen den Papierkram Brüssels und das einseitige Papier Washingtons erfüllen. Nur eines davon hat eine Strafe.

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Quellen

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  1. 01Trump administration gets Big Tech to sign weak, non-binding, AI regulationsEN
  2. 02KI-Regeln: Trump und Tech-Riesen unterschreiben gemeinsame ErklärungDE
  3. 03Don't believe the doomers: Europe's tech industry slams AI panicEN
  4. 04The Download: climate tech companies to watch and AI's discovery problemEN
  5. 05Four forces set to reshape technology in 2027 - OmdiaEN
  6. 06Xi-Trump dinner puts US tech titans in spotlightEN
  7. 07Cerebras Systems' Andrew Feldman on whether AI can keep scalingEN
  8. 08Trane Technologies Demonstrates 800-Volt Direct Current ChillerEN
  9. 09Belgium's top-funded tech companies in H1 2026EN
  10. 10Advanced grid tech gets a $1.9B DOE boostEN
  11. 11Duke Energy wants to build a new gas plant. Regulators said not so fast.EN
  12. 12China tech faces fresh scrutiny as US blacklist bill introducedEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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