Chip-Exportkontrollen ziehen sich um einen Markt zusammen, den Huawei nach eigenen Angaben inzwischen anführt
Eric Xu, rotierender Vorsitzender von Huawei, behauptete diese Woche, die Ascend-NPUs des Konzerns hätten Nvidia beim Marktanteil in China überholt. Das US-Exportregime, das Peking in die Selbstversorgung getrieben hat, wirft weiterhin die Frage auf, wie beschränkte Chips nach China gelangen.

Die Behauptung stammt aus einer Mitteilung im Frage-Antwort-Stil, über die The Register am 30. September berichtete. Von außen lässt sie sich nicht überprüfen, und Xu räumte das selbst ein. „Es ist ziemlich schwer, Daten zum Marktanteil von Nvidia in China zu erheben, aber nach den Daten, die wir gesammelt haben, hat Ascend Nvidia überholt“, sagte er. Dieser Vorbehalt zählt. Die Zahl ist die ganze Geschichte. Stimmt sie, dann hat das Exportkontrollregime in rund achtzehn Monaten Nvidias wichtigsten Wachstumsmarkt außerhalb der USA in ein Problem der heimischen Lieferkette verwandelt.
Der politische Zeitplan ist unbestritten. Im April 2025 verhängte das US-Handelsministerium neue Lizenzauflagen für die China-Varianten der Beschleuniger von Nvidia und AMD. Im Sommer kehrte es davon ab und einigte sich später auf eine Vereinbarung, nach der ein Prozentsatz bestimmter China-Lieferungen von Chips abgeführt wird, berichtete The Register. Gegen Ende des vergangenen Jahres kündigte die Trump-Regierung an, Nvidia dürfe erstmals leistungsfähigere Teile der H200-Serie an zugelassene chinesische Kunden verkaufen. Aus der Bilanzkonferenz zum zweiten Quartal von Nvidia ging hervor, dass H200-Lieferungen in die Region weniger als 1 Prozent der Umsätze im Rechenzentrumsgeschäft ausmachten.
Selbstversorgung als Politik, nicht als Slogan
Xu sagt offen, warum. „Auch wenn unsere Chips weniger fortgeschritten sein mögen, ist ihre Versorgung zumindest gesichert, sodass man sich nicht Tag für Tag Sorgen um die Chipversorgung machen muss“, sagte er. „Für die chinesische Regierung, für die heimische Industrie und für Huawei geht der Weg zweifellos dahin, die vollständige Selbstversorgung bei Chips und in der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette voranzutreiben.“
Huawei untermauert das mit Hardware in einem Umfang, der sich schwer abtun lässt. Laut The Register setzt das Unternehmen derzeit einen Atlas 950 SuperCluster mit 256.000 Karten ein. Seine neuere Architektur soll Training und Inferenz für Modelle mit mehreren Billionen Parametern unterstützen und auf bis zu eine Million NPUs skalieren. Auf dem Papier liegen Huaweis Beschleuniger weiter hinter Nvidia und AMD zurück. In der Praxis, so das Argument, gleichen Umfang und garantierte Lieferung das Defizit aus.
Die Software ist die andere Hälfte des Problems, und hier hat sich das Bild schnell bewegt. DeepSeek veröffentlichte gemeinsam mit Huawei Open-Source-Programmierwerkzeuge für Ascend-Chips. Kernstück ist TileLang, eine Sprache, die einfacher zu handhaben sein soll als Nvidias CUDA-Plattform, berichtete The Decoder am 30. September unter Berufung auf Reuters.
„Die erste Hürde, auf die Ascend stößt, ist eigentlich nicht die Hardware selbst“, sagte Liao Heng, Chefwissenschaftler von Huaweis HiSilicon. „Es ist in erster Linie die Hürde des Ökosystems, denn vor zwei Jahren gab es für Ascend noch eine gewaltige Softwarebarriere.“
Liao verweist damit direkt auf den CUDA-Graben, jene rund vier Millionen Entwickler, die Nvidia über mehr als ein Jahrzehnt angesammelt hat. Dieser Graben ist nicht auf China beschränkt, aber Peking hat am meisten Geld ausgegeben, um ihn zu überqueren. Laut The Decoder sagt DeepSeek, TileLang biete ein einfacheres Programmiermodell als CUDA, sei ursprünglich von Forschern der Peking-Universität entwickelt worden und bereits auf älteren Nvidia-Chips getestet. Die New York Times berichtet, es sei inzwischen DeepSeeks wichtigstes Werkzeug für seine AGI-Arbeit.
Unabhängige Analysen legen nahe, dass der Graben zumindest bröckelt. SemiAnalysis nannte den CUDA-Graben nach Tests von OpenAIs Inferenzchip Jalapeño „potenziell tot“, weil OpenAI neue Modelle so schnell auf eigener Hardware zum Laufen bringt. Jalapeño schlug Nvidias Blackwell bei der Leistung pro Watt in den meisten getesteten Szenarien. Die Analysten machten Einschränkungen: Sie testeten relativ leicht zu optimierende Szenarien mit etwa 8.000 Eingabe- und 1.000 Ausgabe-Token und führten AgentX nicht aus, den Benchmark für mehrstufige Agentenaufgaben. Ihr Fazit lautet nicht, dass Nvidias Silizium seinen Vorsprung verloren hat. Sein dauerhafter Vorteil liegt in der Software, die viele Chips zu einem System verbindet.
Das Durchsetzungsproblem darunter
All das wäre eine geradlinige Geschichte darüber, wie Industriepolitik wie beabsichtigt wirkt, wenn nicht beschränktes US-Silizium weiterhin in chinesischen Designs auftauchen würde. Am 24. September berichtete Tom's Hardware, Dylan Patel, Leiter von SemiAnalysis, habe eine Untersuchung wegen Landesverrats gegen AMD gefordert. Zuvor hatte er festgestellt, dass Chinas Puzhi Electronic Technology ein System per Crowdfunding finanziert, das auf AMDs Zynq UltraScale+ XCZU47DR RFSoC aufbaut, einer US-exportkontrollierten Dual-Use-Komponente.
Patels Beschwerde betraf den Preis ebenso wie die Herkunft. „Der US-Listenpreis für diesen Chip liegt bei 36.000 Dollar, bei 4.000 bis 5.000 Dollar für US-Firmen bei Abnahme großer Mengen, aber in China wird er gegenüber Crowdfunding-Kampagnen für 1.000 Dollar angeboten“, schrieb er auf X. „AMD muss wegen Landesverrats untersucht werden.“
AMD bestritt, die Chips direkt in die beschränkte Region verkauft oder geliefert zu haben. „AMD verpflichtet sich zur vollständigen Einhaltung aller US-amerikanischen und globalen Exportvorschriften und hat eine klare Richtlinie, die von unseren Distributoren, Wiederverkäufern und Kunden dasselbe verlangt“, sagte ein Sprecher zu Tom's Hardware. „Jede Lieferung in beschränkte Regionen ist ein direkter Verstoß gegen unsere Richtlinie. Dieser aktuelle Fall steht in keinem Zusammenhang mit direkten Verkäufen oder Lieferungen von AMD. Wir untersuchen alle Verdachtsfälle von Umlenkung, und wenn wir einen Rechtsverstoß feststellen, melden wir ihn den zuständigen Behörden und beenden jedes Geschäft mit dem Unternehmen.“
Das technische Detail ist wichtig, um zu verstehen, warum diese Komponentenklasse sensibel ist. Tom's Hardware berichtete, der Zynq UltraScale+ XCZU47DR vereine vier Allzweck-Arm-Kerne, zwei Echtzeitkerne vom Typ Cortex-R5F, ein FPGA mit 930.000 Gattern und DSP-Engines mit 4.272 DSP-Slices sowie acht 14-Bit-ADCs mit bis zu 5 GSPS und acht 14-Bit-DACs mit bis zu 9,85 GSPS. Geräte dieser Familie werden für softwaredefinierte Funkgeräte, Radar- und Phased-Array-Systeme, Satellitenkommunikation und elektronische Testgeräte verwendet. Puzhi positioniert seine Systeme für „berufliche Entwickler“ und „fortgeschrittene Forscher an Universitäten“.
Es gibt keine öffentlichen Belege dafür, dass AMD in diesem konkreten Fall direkt nach China verkauft hat, und das Unternehmen bestätigte gegenüber Tom's Hardware nicht ausdrücklich, eine Untersuchung dieses Falls eingeleitet zu haben. Was der Vorgang zeigt, ist enger und unangenehmer: Exportkontrollen regeln den Verkaufspunkt, und Dual-Use-Silizium kann danach über Drittkanäle weiterwandern. Genau diese Lücke haben Beamte unter zwei Regierungen zu schließen versucht, mit gemischten Ergebnissen.
Designwerkzeuge werden zur nächsten umkämpften Ebene
Während die Durchsetzungsdebatte weiterläuft, wird die Designseite der Branche durch KI-Partnerschaften umgeordnet, die ganz außerhalb der Exportkontrollfrage stehen. Am 30. September kündigten OpenAI und Synopsys eine mehrjährige strategische Partnerschaft an, um ein spezialisiertes Chipdesign-Modell namens GPT-Synopsys zu bauen, berichtete The Decoder. OpenAI lizenziert für das Projekt die EDA-Werkzeuge von Synopsys. Das erklärte Ziel ist ein Modell, das über Chipdesign und Verifikation reasoning betreiben und die Synopsys-Werkzeuge direkt bedienen kann, wobei Ingenieure Ziele vorgeben und Ergebnisse freigeben. Beide Unternehmen erklären, Kundendaten würden nicht zum Training verwendet und verschlüsselt gespeichert, und erste Tests mit Halbleiterkunden liefen bereits.
Der breitere Werkzeugmarkt bewegt sich in dieselbe Richtung. Die AI Chip Design Week von Tom's Hardware, die vom 28. September bis 2. Oktober läuft, stellt fest, dass Cadence, Synopsys und Siemens inzwischen alle agentische KI für Chipdesign anbieten, überwiegend auf Nvidias Stack aufgebaut, mit unterschiedlichen Autonomieversprechen. Synopsys stellte sieben AgentEngineer-Agenten auf seiner neuen Autopilot-Plattform vor, deren allgemeine Verfügbarkeit für Ende 2026 geplant ist.
Nichts davon löst die Exportkontrollfrage, und es könnte sie erschweren. Wenn KI-gestützte Designwerkzeuge die Zeit und das Fachwissen verringern, die für den Bau komplexer Chips nötig sind, sinkt die praktische Eintrittsbarriere für alle, auch für die chinesischen Firmen, die Washington bremsen wollte. Huaweis eigene Lage bleibt indes durch Kapazität begrenzt, nicht durch Politik. „Wir haben nicht genug Kapazität, um die Nachfrage in China zu befriedigen“, sagte Xu. „Wir haben keine Pläne, den internationalen Markt in vollem Umfang auszubauen.“
Das ist womöglich die treffendste Beschreibung dessen, wo das Kontrollregime nach achtzehn Monaten voller Kehrtwenden angekommen ist: Es hat Chinas heimische Chipindustrie nicht gestoppt, und es hat Nvidias Position dort ebenso wenig erhalten. Es hat einen Markt hervorgebracht, in dem Versorgungssicherheit und nicht Leistung das Verkaufsargument ist, und in dem Durchsetzungsfälle, die noch auftauchen, über Crowdfunding-Seiten statt über Unternehmensmeldungen an die Öffentlichkeit kommen.
Quellen
5- 01Huawei boss claims homegrown AI chip sales top Nvidia in ChinaEN
- 02China's AI industry closes ranks as Deepseek ships open-source software for Huawei's Ascend chipsEN
- 03OpenAI and Synopsys team up to build an AI model that designs chips like a seasoned engineerEN
- 04Leading semiconductor analyst says AMD should be investigated for 'treason' over availability of restricted chips in China, AMD blames diversion of export-contrEN
- 05AI Chip Design WeekEN
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Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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