Zwei Bomben und ein Stern: China 1964 bis 1970 und 173 Kilogramm im Orbit
Am 16. Oktober 1964 explodierte über Lop Nur die Bombe 596. China wurde damit die fünfte Atommacht. Sechs Jahre später, am 24. April 1970, startete von Jiuquan der Satellit Dongfanghong 1.

„Zwei Bomben und ein Stern" ist die chinesische Bezeichnung für Atomwaffen, Raketen und künstliche Satelliten. In dieser Form bürgerte sich die Wendung erst 1999 ein. Die Arbeiten leitete der erste Premierminister der Volksrepublik China, Zhou Enlai. Zwischen 1960 und 1970 brachte das Land vier Meilensteine hinter sich: 1964 die erste Atombombe, 1966 den ersten Start einer Boden-Boden-Rakete mit Atomsprengkopf, 1967 die erste Wasserstoffbombe und 1970 den ersten künstlichen Satelliten.
Am 16. Oktober 1964 wurde die Atombombe mit der Nummer 596 in Lop Nur erfolgreich gezündet. China war damit das fünfte Land der Welt mit Atomwaffen. Die Rakete Dongfeng 2 startete im Juni 1964 erfolgreich. Im Oktober 1966 folgte die sogenannte „Verbindung zweier Bomben", ein Test mit Atomsprengkopf. Die Planungen für das Programm begannen nach dem Ende des Krieges gegen Japan 1945. Nach Stalins Tod 1953 erklärte sich die neue sowjetische Führung bereit, China beim Bau eines Kernreaktors und bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu helfen. Als die Sowjetunion 1957 den ersten künstlichen Satelliten startete, stießen Mao Zedong und andere Partei- und Staatsführer in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre die Arbeiten an Atombombe, Raketen und Satelliten an. Bis 1960 erhielt China erhebliche sowjetische Unterstützung.
221, Lop Nur und Jiuquan
Forschungs- und Testanlagen entstanden in abgelegenen Regionen im Nordwesten Chinas. Dazu gehörten die Nuklearanlage 221 in der Provinz Qinghai, das Testgelände Malan in Lop Nur in Xinjiang und das Raumfahrtzentrum Jiuquan an der Grenze zwischen Gansu und der Inneren Mongolei. An Bau und Arbeiten waren mindestens mehrere zehntausend Menschen beteiligt. Die weiteren Arbeiten liefen im Schatten großer historischer Erschütterungen: des chinesisch-sowjetischen Bruchs, der drei Jahre der Schwierigkeiten und der Kulturrevolution. 1969 erwog die Sowjetunion einen Atomschlag gegen die Anlagen des Programms. Am 30. August 1958 ging in Peking mit sowjetischer Hilfe der erste Versuchsreaktor in Betrieb. Im selben Monat berief Zhang Jinfu Qian Xuesen, Zhao Jiuzhang und weitere Fachleute zusammen und gründete die „Gruppe 581" der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, die sich der Satellitenforschung widmete. Am 16. Oktober 1958 wurde die Wissenschaftlich-Technische Kommission beim Ministerium für Nationale Verteidigung ins Leben gerufen. An ihre Spitze trat Nie Rongzhen. 1966 wurde das Zweite Artilleriekorps aufgestellt.
24. April 1970, 21:35:44
Am 24. April 1970 startete um 21:35:44 vom Raumfahrtzentrum Jiuquan die Rakete Changzheng 1 mit dem Satelliten Dongfanghong 1 an Bord. Sie hob von Startplatz 5020 auf der zweiten Startrampe ab. Mit diesem Start wurde China das fünfte Land, das eigenständig künstliche Satelliten aussetzen konnte. Der Satellit wog 173 Kilogramm und hatte etwa einen Meter Durchmesser. Seine Mission dauerte 28 Tage, der letzte Funkkontakt fand am 14. Mai 1970 statt. Er bewegte sich auf einer Umlaufbahn mit einem Perigäum von 439 Kilometern und einem Apogäum von 2384 Kilometern, bei einer Bahnneigung von 68,5 Grad und einer Umlaufzeit von 114 Minuten. Betreiber und Hersteller war die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie. 1967 bestimmte Qian Xuesen den damals achtunddreißigjährigen Sun Jiadong zum technisch Verantwortlichen des Satellitenprojekts. Beide wählten anschließend achtzehn junge Leute für das Projektteam aus. Sie gingen als „achtzehn tapfere Raumfahrer" in die Geschichte ein. Die Anforderungen waren knapp formuliert: Der Satellit sollte „fliegen, verfolgbar, hörbar und sichtbar sein". Am 20. Februar 1968 entstand die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie, ihr erster Direktor wurde Qian Xuesen.
Am 18. September 1999 veranstalteten das Zentralkomitee der Partei, der Staatsrat und die Zentrale Militärkommission eine Feier zu Ehren der Schöpfer des Programms. Sie verliehen die Medaille „Verdient um zwei Bomben und einen Stern". Bereits im Mai 1999 war ein Artikel von Zhang Jinfu mit dem Titel „Bitte, die Geschichte soll sie erinnern, über die Chinesische Akademie der Wissenschaften und zwei Bomben und einen Stern" als Pressemitteilung erschienen. Am nächsten Tag druckten „Renmin Ribao" und „Kexue Shibao" ihn auf ihren Titelseiten. Es war die erste öffentliche Darstellung dieser Geschichte.
Quellen
2- 01两弹一星 (维基百科, zh)ZH
- 02东方红一号 (维基百科, zh)ZH
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