China verschärft Reisebeschränkungen für KI-Talente im Zuge des Exportkontroll-Kampfs
Neue Ein- und Ausreisevorschriften in China, die seit Ende September gelten, erlauben es den Behörden, Ingenieuren und Gründern die Ausreise zu verweigern, wenn ihre Expertise in Batterien, Seltenerdmetallen oder KI als Bedrohung für die industrielle und technologische Sicherheit gilt.

Am 1. Oktober berichtete die chinesischsprachige Plattform Vision Times, dass die Reisebeschränkungen auch Familienangehörige von KI-Experten betreffen. Zugleich verschärft der Fiskus die steuerliche Kontrolle wohlhabender Chinesen im Ausland. Das kam nach einem früheren Bericht von DW vom 24. September. Dieser besagte, die Maßnahmen seien „in der letzten Woche“ in Kraft getreten und dienten dem Versuch, das Entweichen hochtechnologischer Expertise und Talente ins Ausland zu verhindern.
DW berichtete, dass die Vorschriften chinesischen Behörden die Befugnis geben, Ingenieure, Gründer und andere Spezialisten an der Ausreise zu hindern. Das gilt, wenn ihre Expertise in Batterien, Seltenerdmetallen oder künstlicher Intelligenz als Bedrohung für die „industrielle und technologische Sicherheit“ gilt.
Warum jetzt
Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. Der Immobilienmarktcrash in China hat den inländischen Konsum geschwächt. Die Bankkredite fielen im Sommer auf ein Rekordtief. Der Neuwagenabsatz im August sank laut DW um fast ein Viertel im Jahresvergleich. Derselbe Bericht zitierte Bloomberg Intelligence mit der Schätzung, dass im vergangenen Jahr etwa 1.000.000.000.000 Dollar an chinesischem Vermögen das Land verlassen haben. Das ist der größte Abfluss von „heißen Geldern“ seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2006.
Henry Gao, Professor für Recht an der Singapore Management University, sagte gegenüber DW, die Beschränkungen böten „einen seltenen Einblick in den wahren Zustand der chinesischen Wirtschaft“. Sie deuteten darauf hin, dass Peking „tief besorgt über die wirtschaftliche Schwäche und erhebliche Kapitalabflüsse“ sei. Alicia Garcia-Herrero, Cheffin für Asien-Pazifik bei Natixis, erklärte, das Devisenkontingent für Haushalte in Höhe von 50.000 Dollar sei unverändert geblieben. Aber die Behörden drückten „die Menschen und Agenten, mit denen das Geld normalerweise reist“.
Der konkreteste Fall ist Manus, ein in Peking gegründetes KI-Startup mit zwei chinesischen Gründern. Es verlegte seinen Hauptsitz im vergangenen Jahr nach Singapur, teils um die US-Investitionsbeschränkungen zu umgehen. Als Meta im Dezember vergangenen Jahres versuchte, es für 2.000.000.000 Dollar zu übernehmen, blockierte Peking den Deal. Zudem verbot es den Gründern die Ausreise, wie DW berichtete.
Die Exportseite
Die Einschränkung der Auswanderung ist die eine Hälfte der Politik. Die andere Hälfte besteht darin zu kontrollieren, was China nach außen sendet und was es hineinlässt. Am 28. September veröffentlichte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie einen Fünfjahresplan für Batterien. Er ist datiert auf den 14. September und von sieben Behörden gemeinsam erlassen. Das Ziel: die erste großflächige Nutzung von Festkörperbatterien bis 2030, 15.000 Lade- und Entladezyklen für langlebige Lithiumbatterien und Defektraten im Milliardenbereich für führende Hersteller, wie CnEVPost berichtete.
Der Plan fördert auch Natriumbatterien und unterstützt Unternehmensfusionen. Er fordert ein digitales Identitätssystem für E-Auto-Akkus, mit Batteriepass-Regelungen und gegenseitiger Anerkennung von Kohlenstofffußdaten.
Beim Import liegt der Druck bei Nvidia. Ars Technica berichtete am 28. September, dass das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie Alibaba und ByteDance aufgefordert habe, Pläne zum Kauf von Nvidias RTX Pro 5500-Chips vorzulegen. Das sind Gaming-Teile, die in Server für KI-Modelle eingesetzt werden könnten. Der Bericht zitiert Quellen mit Kenntnis der Gespräche, die mit The Information sprachen. Er rahmt dies als mögliche Lockerung. Hintergrund: Nvidia-Chef Jensen Huang warf den US-Exportkontrollen vor, Nvidias Marktanteil am chinesischen Hochleistungs-KI-Chipmarkt von etwa 95 Prozent auf null gesenkt zu haben.
„Jensen ist jetzt der einflussreichste Berater des Präsidenten für Technologiefragen“, sagte Stephen Witt, Autor von The Thinking Machine: Jensen Huang, Nvidia, and the World's Most Coveted Microchip, gegenüber NPR. Die Kommentare wurden von Ars Technica weitergegeben.
Chinesische Unternehmen warten nicht. Am 30. September veröffentlichte DeepSeek sechs Softwaremodule als Open Source. Sie sind zugeschnitten auf Huawei-Ascend-KI-Chips. Darunter ist eine Ascend-kompatible Version von TileLang, einer Programmiersprache, die nach Angaben des South China Morning Post leichter zu programmieren ist als Nvidias CUDA. The Decoder berichtete, dass die beiden Unternehmen auch einen Supernode aus 128 Ascend 950-Chips optimiert haben.
Die Lücke im Ökosystem ist das Ziel. Nvidias Dominanz beruht teils auf geschätzten vier Millionen Entwicklern weltweit, die mit CUDA bauen, wie The Decoder angab. Huaweis aktueller rotierender Chairman, Eric Xu, sagte, das Unternehmen könne eine Zukunft nicht akzeptieren, die davon abhängt, ob andere bereit sind, Chips an China zu verkaufen. Huawei plane zudem, weniger Chips im Ausland zu verkaufen, da es die inländische Nachfrage nicht decken könne.
Was Washington tut
US-Gesetzgeber bewegen sich in die andere Richtung. Am 24. September stellte der Ausschuss für Energie und Handel des Repräsentantenhauses den Communications and Technology Transparency Act vor. Er würde die Covered List der Federal Communications Commission von „Kommunikationsausrüstung oder -dienst“ auf „Informations- und Kommunikationstechnologie oder -dienst“ erweitern, wie der South China Morning Post berichtete. Produkte auf der Liste dürfen in den USA nicht legal importiert, vermarktet oder neu verkauft werden. Derselbe Bericht stellte fest, dass Lenovo in einen Patentrechtsstreit über Speichergeräte verwickelt ist.
Zwei Datensätze verkomplizieren die Entkopplungsgeschichte. Die Nutzerbasis für generative KI in China überstieg Ende Juni die Marke von 700.000.000. Das ist ein Anstieg um 16 Prozent gegenüber 602.000.000 Ende 2025, wie das China Internet Network Information Centre berichtete, gemeldet von SCMP. Und eine Studie des Carnegie China Institute stellte fest, dass China im vergangenen Jahr 41 Prozent der weltweit führenden KI-Forscher beschäftigte. In den USA waren es 34 Prozent. Das ist eine Umkehrung im Vergleich zu 2022, als die USA mit 46 Prozent gegenüber 27 Prozent führten, wie SCMP berichtete.
Darin liegt die Spannung in der Politik. China verschärft die Ausgänge für Menschen, während es versucht, die Türen für das Kapital und die Rechenleistung offen zu halten, die seine KI-Branche noch benötigt.
Quellen
8- 01China's new travel rules unsettle tech giants and talentEN
- 02China unveils 5-year battery plan targeting large-scale all-solid-state use by 2030EN
- 03Experts worry about Nvidia's AI chip sales in China and influence over TrumpEN
- 04China's DeepSeek open-sources tools to help Huawei chips supplant Nvidia in AIEN
- 05China's AI industry closes ranks as Deepseek ships open-source software for Huawei's Ascend chipsEN
- 06China tech faces fresh scrutiny as US blacklist bill introduced, Lenovo case emergesEN
- 07China's generative AI user base crosses 700 million, covering over half the populationEN
- 08China overtakes US as top workplace for elite AI researchers, study findsEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.