Desinformationsnetzwerke zielen auf Wahlen, Krisen und Kritiker
Mehr als 85 Prozent der Menschen weltweit sorgen sich um die Folgen von Online-Desinformation. 87 Prozent sagen, sie habe dem politischen Leben ihres Landes bereits geschadet. Das ergibt eine Ipsos-Umfrage im Auftrag der Unesco unter 8.000 Menschen in 16 Ländern.

Mehr als 85 Prozent der Menschen weltweit sorgen sich um die Folgen von Online-Desinformation, 87 Prozent sagen, sie habe dem politischen Leben ihres Landes bereits geschadet. Das ergibt eine Ipsos-Umfrage im Auftrag der Unesco unter 8.000 Menschen in 16 Ländern, veröffentlicht im November 2023. Befragt wurden Länder, die 2024 nationale Wahlen abhalten sollten, mit zusammen 2,5 Milliarden Wählern.
56 Prozent der Internetnutzer bezogen ihre Nachrichten vor allem über soziale Medien, 44 Prozent über das Fernsehen und 29 Prozent über Medienseiten. Das Vertrauen in soziale Medien blieb hinter traditionellen Angeboten zurück: 50 Prozent gegenüber 66 Prozent beim Fernsehen, 63 Prozent beim Radio und 57 Prozent bei Medienwebseiten und Apps. In den 16 Ländern nannten 68 Prozent die sozialen Medien als den Ort, an dem Falschnachrichten am weitesten verbreitet sind.
Southport: wie sich ein falscher Name verbreitete
Nachdem im Juli 2024 in Southport drei Mädchen getötet worden waren, tauchten innerhalb von Stunden falsche Behauptungen über den Namen, die Religion und den Migrationsstatus des Angreifers auf. Rechtsextreme Gruppen organisierten antimigrantische und antiislamische Proteste. Daraus wurden tagelange Ausschreitungen im ganzen Vereinigten Königreich, darunter Angriffe auf Moscheen, Einwanderungszentren und Hotels, in denen Asylsuchende untergebracht waren.
Hannah Rose, Analystin für Hass und Extremismus beim Institute for Strategic Dialogue, sagte CNBC per E-Mail, ein Beitrag auf X habe den Täter fälschlich als "Ali al-Shakati" bezeichnet, angeblich ein Migrant muslimischen Glaubens. Bis 15 Uhr des folgenden Tages kam der falsche Name allein auf X auf über 30.000 Erwähnungen. Andere falsche Behauptungen besagten, der Angreifer stehe auf einer Beobachtungsliste eines Geheimdienstes, sei 2023 mit einem kleinen Boot angekommen oder sei den örtlichen psychiatrischen Diensten bekannt gewesen. Die Polizei widerlegte die Behauptungen am Tag nach ihrem Auftauchen und erklärte, der Verdächtige sei in Großbritannien geboren. Doch die Erzählung hatte bereits an Zugkraft gewonnen.
Joe Ondrak, Leiter Forschung und Technik für das Vereinigte Königreich bei Logically, sagte CNBC, die Falschmeldungen hätten dazu gedient, bereits vorhandene Vorurteile zu rationalisieren und zu verstärken, bevor irgendeine gesicherte Wahrheit an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Rose vom ISD sagte, Konten mit Hunderttausenden Followern, darunter bezahlte blaue Haken, hätten die Falschinformationen geteilt. Die Algorithmen der Plattformen spielten sie dann anderen Nutzern aus. Sie ergänzte, als Nutzer auf TikTok nach Southport suchten, sei der falsche Name acht Stunden lang im Empfehlungsbereich der Plattform beworben worden, nachdem die Polizei bestätigt hatte, dass er falsch war.
Staatlich unterstützte Operationen
Andere Netzwerke sind keine Graswurzelinitiativen. CNN berichtete im November 2023 auf Grundlage von Gerichtsdokumenten und öffentlichen Angaben von Social-Media-Unternehmen, die chinesische Regierung habe die weltweit größte bekannte Online-Desinformationsoperation aufgebaut. Sie nutze sie, um in den USA lebende Menschen, Politiker und Unternehmen zu belästigen, wobei Ziele zeitweise mit Gewalt bedroht wurden. Betroffene beschrieben Salven von Zehntausenden Beiträgen. Meta erklärte im August 2023, es habe im zweiten Quartal jenes Jahres ein Geflecht von fast 8.000 Konten entfernt, das der Gruppe zugeordnet wurde. Google teilte CNN mit, in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 zugehörige Konten abgeschaltet zu haben. X habe Hunderttausende staatlich unterstützte oder mit dem Staat verbundene chinesische Konten blockiert, so Unternehmensblogs.
Eine im September 2023 veröffentlichte Untersuchung der Union of Concerned Scientists nannte Zahlen des Center for Countering Digital Hate. Danach hostete X eine Woche nach der Meldung weiterhin fast 86 Prozent einer Gruppe von 300 hasserfüllten Beiträgen. Derselbe Beitrag zitierte die Forscherin Abbie Richards. Sie fand heraus, dass Tweets zur Leugnung des Klimawandels zwischen Dezember 2021 und Juli 2022 durchschnittlich etwa 30.000 pro Woche ausmachten und danach auf 110.000 pro Woche fast verdreifachten.
Regeln entstehen Stück für Stück. Der britische Online Safety Act, gedacht zur Bekämpfung von Hassrede, tritt erst Anfang nächsten Jahres in Kraft, berichtete CNBC im August 2024. Die Medienaufsicht Ofcom schrieb an die Plattformen, sie sollten nicht darauf warten. Die Unesco, die im November 2023 einen Sieben-Punkte-Plan für die Regulierung veröffentlichte, erklärte, mehr als 50 Länder regulierten soziale Medien bereits, oft außerhalb internationaler Normen für Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Für 2024 plane die Organisation eine Weltkonferenz der Regulierungsbehörden.
Quellen
4- 0185% of people worry about online disinformation, global survey findsEN
- 02Online disinformation sparked a wave of far-right violence in the UKEN
- 03China is using the world's largest online disinformation operation to harass AmericansEN
- 04For Online Disinformation and Hate, X Marks the SpotEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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