Digitale Archive: Europeana, eine Million Bände aus München und das Jahr 1909 in Peking
Europeana sammelt mehr als 50 Millionen Objekte aus über dreitausend Institutionen. Die Bibliothek des Deutschen Museums erreichte nach 123 Jahren eine Million Bände. Die chinesische Nationalbibliothek zählt ihre Geschichte ab 1909.

Europeana ist ein Internetportal der Europäischen Union. Es führt digitalisierte Bestände des kulturellen Erbes von über dreitausend Institutionen aus ganz Europa zusammen. Auf der Plattform liegen Datensätze zu mehr als 50 Millionen Objekten aus Kultur und Wissenschaft. Sie zeigt sie auf verschiedene Weise, passend für heutige Nutzer. Betreiber ist die Stiftung Europeana Foundation, nach niederländischem Recht eingetragen als Stichting Europeana.
Angefangen hat das Projekt mit einem Brief. Im April 2005 schrieben der französische Präsident Jacques Chirac und die Regierungschefs Deutschlands, Spaniens, Italiens, Polens und Ungarns an den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Durão Barroso. Sie forderten eine virtuelle europäische Bibliothek, damit das kulturelle Erbe Europas für alle zugänglicher wird. Der Brief stärkte politisch die Arbeit, die die Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission schon seit zehn Jahren leistete, unter anderem im Projekt Telematics for Libraries. Er stützte auch die im September 2005 veröffentlichte Strategie i2010. Darin stand ausdrücklich, dass eine europäische digitale Bibliothek für die gesamte Union entstehen und gefördert werden soll. Den Aufbau von Europeana leitete das Europäische Netzwerk digitaler Bibliotheken ein. Es sollte ein nutzerorientiertes Dienstmodell als Prototyp festlegen.
Eine Million Bände in München
Die Bibliothek des Deutschen Museums entstand 1903, gleichzeitig mit dem Museum selbst. Für die Öffentlichkeit öffnete sie erstmals 1908, damals mit 22.000 Bänden. 123 Jahre später erwarb sie als zweitgrößte Museumsbibliothek Europas ihren millionsten Band. Es ist das Werk „Costumes Français - Civils, Militaires et Religieux“ über historische Kostüme, Waffen und Möbel von Charles Auguste Herbé (1801-1884). Zu lesen ist das Buch im Sonderlesesaal unter den „Libri rari“, also unter besonders wertvollen und schutzbedürftigen Drucken. Es zeichnet sich durch sorgfältig gefertigte, von Hand kolorierte Lithografien historischer Kleidung und Ausstattung aus, von der römischen Zeit bis zum Beginn der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts. Den Blogbeitrag des Museums veröffentlichte Helmut Hilz am 14. August 2026.
Peking: seit 1909
Die Chinesische Nationalbibliothek ist die Nationalbibliothek der Volksrepublik China. Sie liegt im Stadtbezirk Haidian in Peking, an der südlichen Zhongguancun-Allee. Ihre Vorgängerin war die Jingshi-Bibliothek, gegründet am 9. September 1909. Am 6. Dezember 1907 reichte Zhang Zhidong bei der Kaiserinwitwe Cixi eine Denkschrift ein. Darin bat er, in Peking und in allen Provinzhauptstädten öffentliche Bibliotheken einzurichten. Die Kaiserinwitwe stimmte grundsätzlich zu, konnte aber keine Verordnung mehr erlassen. Erst am 9. September 1909 genehmigte die Kaiserinwitwe Longyu den Antrag des Bildungsministeriums, die Jingshi-Bibliothek vorzubereiten. Sie willigte ein, die „Vollständige Sammlung der vier Schatzkammern“ aus dem Pavillon Wenjin in Chengde zu übergeben und den Buchbestand der Hanlin-Akademie zu übertragen. Zum ersten Aufseher der Bibliothek wurde Miao Quansun ernannt, für die ersten Bürokosten wurden 200 Tael Silber bewilligt. Nach der Gründung der Republik China übernahm das Bildungsministerium der Regierung in Beiyang die Bibliothek. Am 27. August 1912 öffnete sie offiziell ihre Türen für die Leser. Im Jahr 1913 begann man, die Rückgabe der Sammlung der „Vier Schatzkammern“ aus dem Pavillon Wenjin in Chengde zu betreiben. Die Angelegenheit führte unter anderem Zhou Shuren, bekannt als der Schriftsteller Lu Xun.
Quellen
4- 01Europeana (Wikipedia, en)EN
- 021.000.000 Bände (Bibliothek des Deutschen Museums, de)DE
- 03中国国家图书馆 (维基百科, zh)ZH
- 04Archiv des Deutschen Museums (de)DE
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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