Dürre 2026: Kartoffelernte in Frankreich sinkt um mindestens 23 Prozent
Französische Kartoffelproduzenten rechnen mit einer Ernte, die 23 Prozent unter dem Vorjahr liegt, und mit Verlusten von fast 400 Millionen Euro. Die EU hat ihre Prognosen für fast alle Sommerkulturen gesenkt.

Fünf Hitzewellen hintereinander trafen Frankreich im Sommer 2026. Ab der zweiten Maihälfte fiel kaum noch Regen, der Boden trocknete stark aus. Der Dienst 第一财经 (Yicai) beschrieb die Folgen am 1. September: Die Kartoffelproduktion des Landes sinkt um mindestens 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das wäre das niedrigste Ergebnis seit über dreißig Jahren.
„Im vergangenen Jahr haben wir etwas mehr als 43,5 Tonnen pro Hektar geerntet. In diesem Jahr liegt die Prognose bei etwa 34,5 Tonnen pro Hektar“, sagte Geoffroy D’Evry der Zeitung. D’Evry ist Vorsitzender des nationalen Kartoffelproduzentenverbands. Das sei sogar weniger als 2022, einem ohnehin historisch schwachen Jahr. Die Branche schätzt ihre Verluste auf fast 400 Millionen Euro.
Warum die Ernte sinkt, obwohl die Anbaufläche kleiner wurde
Zum Rückgang trugen zwei Faktoren bei. Erstens wurde die Kartoffelanbaufläche nach der Überproduktion von 2025 in Frankreich um 10 Prozent und in Nordwesteuropa um 11 Prozent verringert. Zweitens das Wetter. In den Niederlanden altern die Kartoffelbestände nach den Hitzewellen ab Ende Juni und der anschließenden Trockenheit schnell. Die Feldberichte beschränken die Verluste nicht auf die traditionell trockenen Regionen Südeuropas.
Für den Pommesmarkt ist Belgien entscheidend. Das Land ist der größte Exporteur tiefgekühlter Pommes frites weltweit und verarbeitet jährlich über 6 Millionen Tonnen Kartoffeln. Rund 90 Prozent des Fertigprodukts gehen in mehr als 120 Märkte. Fehlt der Rohstoff, schlägt das schnell auf Verfügbarkeit und Preise in der gesamten Kette durch.
Getreide: Mais so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht
Kartoffeln sind nicht das einzige Problem. Das Briefing der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission von Ende Juli 2026 senkte die Ertragsprognosen für fast alle Sommerkulturen in der Union: Mais und Sonnenblumen um 6 bis 7 Prozent nach unten, Winterkulturen um 1 bis 4 Prozent. Die gesamte Getreideproduktion der EU liegt damit etwa 1 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Andrew Kanyemba von der Analyseplattform Expana sagt offen, die „größte Sorge“ sei der EU-Mais. Die Ernte soll auf den niedrigsten Stand seit 1995 fallen. Frankreich als wichtigster Produzent der Region könnte das schlechteste Ergebnis seit 1977 erzielen.
Für den Verbraucher zählt die Summe: teurere Kartoffelrohware und teureres Futtergetreide schlagen sich in den Preisen für Pommes frites, Backwaren und Fleisch nieder. Der Getreideindex der FAO stieg im August 2026 auf 116,3 Punkte, den höchsten Stand seit Mai 2024. Die Dürre von 2026 ist also nicht nur ein Problem der Landwirte. Sie ist ein Posten im Warenkorb.
Quellen
2Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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