Über 100 Länder stellen E-Visa aus, doch die Fluglinien können sie noch immer nicht prüfen
Laut IATA kostet die Prüfung digitaler Visa beim Check-in die Airlines durchschnittlich 9.000 USD pro Passagier, der an der Grenze zurückgewiesen wird.

Über 100 Länder stellen heute elektronische Visa aus. Die Systeme, die sie am Flughafen prüfen sollen, kommen damit nicht mit. Darauf weist die IATA in einer Stellungnahme hin. Autor ist Harry Grewal, bei der IATA Direktor für Flughäfen, Infrastruktur und Passagiererlebnis.
Das Problem ist teuer und sehr konkret. Steigt ein Passagier mit einem ungültigen Dokument an Bord, zahlt die Airline eine Verwaltungsstrafe und trägt die Kosten für seine Rückbeförderung. Das sind im Schnitt rund 9.000 USD pro Person. Die Visumprüfung beim Check-in ist für den Carrier damit eine Finanzfrage und nicht nur eine Frage des Service.
Weniger als 30 Länder im iAPI-System
Der Standard, der das Problem lösen könnte, ist Advance Passenger Information (iAPI), also die Übermittlung der Passagierdaten an die Behörden vor dem Flug. Den IATA-Daten zufolge nutzen ihn weniger als 30 Staaten. Wo er läuft, ist die Übereinstimmung der Dokumente bis zu 20-mal höher als bei der manuellen Kontrolle.
Die IATA nennt ein zweites Werkzeug: die Digital Travel Authorisation nach ICAO-Standard, also einen digital signierten, standardisierten Nachweis der Einreiseberechtigung. Die Airline könnte ihn automatisch auslesen, genauso wie einen Pass mit Chip.
Was fehlt
Die Organisation nennt drei Bedingungen, ohne die digitale Visa nicht funktionieren. Die erste ist die Übereinstimmung der Visumbestätigungen mit internationalen Standards. Die zweite ist die Einbindung der Fluglinien in die Arbeit am Programm noch vor dessen Start. Die dritte ist die Integration der Prüfung in den Check-in. Die Daten sollen automatisch abgeglichen werden und nicht in einem separaten Formular auf einer Regierungsseite.
Das Problem ist strukturell: Über die Einreise entscheidet der Staat, die finanziellen Folgen eines Fehlers trägt der Carrier. Zugleich hat die Airline keinen Zugang zu den staatlichen Visumsystemen. Beim Check-in bleibt ihr also nur das Dokument, das der Passagier vorzeigt.
Daher die Forderung der IATA: Die Staaten sollten die Visumbestätigung in einem Format bereitstellen, das sich automatisch auslesen und mit den über iAPI übermittelten Daten noch vor dem Einsteigen abgleichen lässt.
Das Thema kommt auch auf Branchenkonferenzen wieder. Beim IATA World Passenger Symposium und World Financial Symposium in Macau wurden digitale Identität, Biometrie sowie die Abfertigung an Grenzen und beim Gepäck in einen der drei Hauptblöcke des Programms aufgenommen, neben Vertrieb und Distribution sowie Finanzdienstleistungen.
Das Verkehrsvolumen zeigt, warum das kein Nischenthema ist. Im Jahr 2026 sollen die Fluglinien 5,085 Mrd. Passagiere befördern, 118 Mio. mehr als ein Jahr zuvor. Jeder von ihnen braucht ein gültiges Dokument, und jeder Fehler beim Check-in kostet den Carrier Tausende Dollar.
Quellen
2- 01IATA — Your visa is digital, but can the airline check it?EN
- 02IATA — World Passenger and Financial Symposium, MakaoEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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