Frankreich, Deutschland, Brüssel: Europas Verleger ziehen gegen KI-Zusammenfassungen vor Gericht
Dreihundert französische Zeitungen haben Beschwerde bei der Wettbewerbsbehörde eingelegt, und das Landgericht München hat Google für den Inhalt einer von KI erzeugten Zusammenfassung verantwortlich gemacht. In Europa ist der Streit um Sichtbarkeit und Urheberrecht von den Verhandlungstischen in die Gerichte und Ämter gewandert.

Europas Verleger warten nicht länger auf freiwillige Vereinbarungen mit den Plattformen. Im August 2026 reichte der Verband APIG, der fast 300 französische Zeitungen vertritt, Beschwerde bei der nationalen Wettbewerbsbehörde ein. APIG wirft Google vor, die von künstlicher Intelligenz erzeugten Zusammenfassungen in der Suche auf eine Weise umzusetzen, die den Verlegern schadet.
Konkret geht es um die Funktion AI Overviews, die am 22. Juli 2026 in Frankreich startete. Die Verleger sagen, Google habe sie einseitig ausgebaut, ohne Verhandlungen und ohne neue Vergütung. Dabei hatte sich das Unternehmen 2022 bereits zu Verpflichtungen beim Leistungsschutzrecht bekannt. Der Chef der Gruppe Le Figaro, Marc Feuillée, sprach offen davon, Dritten Lösungen aufzuzwingen.
Die Regulierungsbehörde hat Google schon einmal bestraft
Die französische Wettbewerbsbehörde verhängte 2024 eine Strafe von 250 Mio. Euro gegen Google. Nach Auffassung der Behörde hatte das Unternehmen die Verhandlungen mit Verlegern über das Leistungsschutzrecht nicht ordnungsgemäß geführt. Die Europäische Kommission führt seit Dezember 2025 ein eigenes Verfahren in dieser Sache. Jetzt verlangt APIG die Klärung, ob die Einführung der KI-Zusammenfassungen gegen jene Verpflichtungen verstößt, die die Einnahmen der Verleger aus ihren Inhalten sichern sollten.
Die Medienaufsicht Arcom schätzte zuvor, dass der von der Suchmaschine an französische Nachrichtenangebote weitergeleitete Verkehr um 33 bis 38 Prozent gesunken ist. Google hält dagegen, die Zusammenfassungen entstünden auf Grundlage zitierter und verlinkter Quellen, und der Verkehr aus der Suche bleibe über alle Formate hinweg stabil. Nach Darstellung der Redaktionen fällt der Rückgang jedoch ungleich aus. Am härtesten trifft es Angebote mit kurzen Ratgeber- und Lokaltexten.
München: Das Gericht benennt die Verantwortung
Ein separates, aber folgenreiches Verfahren endete in Deutschland. Das Landgericht München entschied, dass Google für den Inhalt einer erzeugten Zusammenfassung haftet. Ein Nutzer hatte eine Information erhalten, die zwei Münchner Firmen mit Betrugssystemen in Verbindung brachte. Die Firmen hatten das nie bestätigt. Google muss 80 Prozent der Verfahrenskosten tragen. Das Unternehmen kündigte Berufung an und verwies darauf, dass KI-Zusammenfassungen im Hinblick auf die Meinungsfreiheit denselben Schutz genießen wie Suchergebnisse.
Zum Problem der Größenordnung kommen Studien, die die deutsche Presse zitiert. Die Analyse von mehr als 50.000 Zusammenfassungen ergab, dass etwa jede zehnte einen wesentlichen Fehler enthält. Mehr als die Hälfte der korrekten Antworten beruht zudem auf Quellen, die die dargestellte These nicht vollständig stützen.
Deutsche Aufsicht: Medienrecht gilt auch für Chatbots
Ein anderes Instrument wählte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). In ersten Entscheidungen stellte sie fest, dass die Medienvorschriften auch für KI-gestützte Suchmaschinen und Chatbots gelten, einschließlich der Produkte von Google und Perplexity. Das Argument, der digitale Dienstleistungsakt der EU hebe die Verantwortung auf, wurde nicht akzeptiert. Die Plattformen müssen die nationalen Anforderungen an Transparenz und Nichtdiskriminierung bei der Zusammenstellung journalistischer Inhalte erfüllen.
Das Bild ist damit einheitlich: Europas Verleger betrachten generative Suchmaschinen nicht mehr als Vertriebskanal, sondern als regulierungsunterworfenes Gegenüber. Die Frage der nächsten Monate lautet nicht, ob sie für Inhalte zahlen, sondern wer die Regeln dieses Austauschs festlegt: Tarifverhandlungen, Gerichte oder Aufsichtsbehörden.
Quellen
5- 01French newspapers target Google over AI summariesEN
- 02AI Overviews : Google active ses résumés par IA en France, un dilemme économique pour la presseFR
- 03Zwei Verlage hatten geklagt: Google haftet für seine KI-ÜbersichtDE
- 04ZAK: Medienrecht gilt auch für KI-Suchmaschinen und ChatbotsDE
- 05French press body demands action against Google AI summariesEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.