Generative KI in Designstudios: Ideen leicht, Produkt schwer
Generative Modelle verkürzen den Weg von der Idee zur Visualisierung. Chinesische Berufsausbilder und Industriedesigner sagen dennoch dasselbe: Ein Bild ist noch kein Produkt. Der Streit um die Urheberschaft verschiebt sich von den Gerichten ins Studio.

Bekleidung entwerfen heißt längst nicht mehr nur zeichnen. In Studios bereiten Bildgeneratoren Farbvarianten vor, schlagen Schnitte vor und erstellen Visualisierungen, für die vor wenigen Jahren noch ein Fotoshooting nötig war. Die Frage, wie viel vom Designer in einem solchen Prozess übrig bleibt, kam anlässlich der 48. WorldSkills in Shanghai wieder auf. Dort sagten chinesische Experten für Holzbearbeitung deutlich: Künstliche Intelligenz kann gute Ideen liefern und wird einen Teil der Designer ersetzen. Das Problem beginnt bei der Umsetzung. Konstruktionen mit vielen Knicken, Schrägen und geneigten Flächen brauchen weiterhin die Hand und das Auge des Menschen. Genauso ist es bei einem Kleiderschnitt: Das Modell erzeugt eine Silhouette, doch die Anpassung an Stoff, Nähte und Körper bleibt handwerkliche Arbeit.
Werkzeug gegen Entscheidung
In einem Gespräch, das Red Dot veröffentlicht hat, beschreiben die Designchefs der Haier-Gruppe KI als weiteres Werkzeug in der Entscheidungskette, nicht als Autor. William Wu ist Vizepräsident für Design, Federico Ferretti leitet das Designzentrum von Haier Europe in Mailand. Die Red-Dot-Wettbewerbe laufen in drei getrennten Kategorien: Produktdesign, Marken und visuelle Kommunikation sowie Designkonzept. In jeder wird das Ergebnis menschlicher Arbeit bewertet, nicht die Kunst des Prompts.
Die Union schreibt Designern Pflichten zu
Einen neuen Rahmen für Studios schafft die EU-Gesetzgebung. Die Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den grünen Wandel trat Anfang 2024 in Kraft. Die Mitgliedstaaten hatten bis zum 27. März 2026 Zeit für die Umsetzung, die vollständige Durchsetzung beginnt am 27. September 2026. In der Praxis bedeutet das ein Verbot versteckter konstruktiver Kniffe, die die Lebensdauer eines Produkts verkürzen: geklebte Gehäuse und Akkus, die sich nicht austauschen lassen. Das Ausmaß des Problems ist berechnet: Vorzeitiges Wegwerfen von Waren verursacht in der Union 261 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr, die dadurch entstehenden Abfälle erreichen 35 Millionen Tonnen. Für den Bekleidungsdesigner ist das ein neues Briefing: Statt für eine Saison muss für das nächste Jahrzehnt entworfen werden.
Wer haftet für den Fehler
Mit generativen Werkzeugen stellt sich die Frage nach der Verantwortung. Wenn der Generator ein Element eines fremden Schnitts übernimmt, haftet das Unternehmen genauso, als hätte ein Mensch es getan. Denn es bringt das Produkt auf den Markt, nicht das Modell. Das Design verteidigt sich deshalb nicht mit dem Bildrecht, sondern mit einem dokumentierten Prozess: Notizen, Varianten, verworfenen Versuchen und Entscheidungen, die sich benennen lassen. Sie entscheiden, ob ein Entwurf schöpferisch ist, nicht die Zahl der Sekunden, die ein Bild auf dem Server gerechnet wurde.
Quellen
3- 01应县木塔与佛光寺模型亮相世赛现场 (第一财经/Yicai)ZH
- 02Interview with William Wu and Federico Ferretti (Red Dot)EN
- 03New EU directive: designing for longevity (iF Design)EN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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