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Nachtzüge kehren in Europas Fahrpläne zurück, doch die Tunnel lassen auf sich warten

Europas Bahnbetreiber haben im Dezember 2023 direkte Nachtverbindungen zwischen Städten wieder eingeführt, die so weit auseinanderliegen wie München und Warschau oder Aachen und Halle. Die Basistunnel, die dieselben Korridore beschleunigen sollen, kämpfen laut dem Europäischen Rechnungshof mit durchschnittlichen Kostenüberschreitungen von 82 Prozent und Verzögerungen von 17 Jahren.

ReisenAnalyseJonas WeberVeröffentlicht: 27. September 20265 Min. LesezeitQuellen 5
Nachtzüge kehren in Europas Fahrpläne zurück, doch die Tunnel lassen auf sich warten

Warschau rückte näher an München, Berlin schob sich in Richtung Paris, Aachen rutschte näher an Salzburg. Diese drei Städtepaare bekamen beim Fahrplanwechsel im Dezember 2023 direkte Nachtzüge, berichtete der Guardian am 14. Dezember 2023. Direkte Tagzüge gab es auf keiner dieser Verbindungen.

Die Betreiber in ganz Europa stellten am 10. Dezember 2023 ihre Fahrpläne für 2024 vor. Ausnahmen gab es in Spanien, Polen und den baltischen Staaten. In Großbritannien änderte sich wenig: einige zusätzliche Werktagszüge zwischen Nottingham und Birmingham, dazu ein weiterer Abbau bei TransPennine Express.

Was tatsächlich eröffnet wurde

Der Nachtzug von München nach Warschau verließ Bayern am Abend des 10. Dezember 2023. Es war die erste direkte Abfahrt von Bayern nach Polen seit 2010, so der Guardian. Derselbe Bericht beschreibt einen neuen Euronight-Schlafwagen zwischen Salzburg und Krakau, der fast 10 Stunden braucht. Cat Jones, Chefin des Reiseveranstalters Byway, sagte dem Guardian, die neuen Züge sorgten in ihrem Unternehmen für Aufregung: „Wir können jetzt Orte in Urlauben kombinieren, zwischen denen es vorher keine direkten Züge gab.“

Paris und Berlin haben wieder einen direkten Nachtzug. Die Verbindung war zu Beginn der Pandemie gekappt worden, als der Zug der Russischen Staatsbahn von Paris nach Berlin und Moskau zum letzten Mal fuhr. Ein Nightjet verlässt Aachen kurz nach 21 Uhr und erreicht Halle 10 Stunden später. Dresden bekam Schlafwagenverbindungen nach Budapest, Wien und Graz. In Frankreich fahren Béziers und Montpellier an manchen Nächten direkt nach Paris. Auf einer Strecke ohne konkurrierende Tagzüge kam zudem ein Angebot von Aurillac nach Paris hinzu. Die französischen Nachtzüge haben keine Schlafwagen, nur Liegesitze ab 19 Euro und Liegewagen ab 29 Euro, berichtete der Guardian.

Nicht jede Änderung war ein Zugewinn. Aarhus verlor seine zweimal täglich verkehrenden direkten Züge nach Hamburg. Ersatz ist eine Anschlussverbindung alle zwei Stunden mit Umstieg auf demselben Bahnsteig in Kolding. Nürnberg verlor seine fünf täglichen direkten Züge nach Tschechien.

CO2-Daten und das Problem mit dem Fahrpreis

Die eigene Emissionsanalyse der Bahnbranche, veröffentlicht von der Rail Delivery Group am 27. Februar 2024, kommt zu dem Ergebnis, dass Züge auf Großbritanniens meistgenutzten Geschäftsstrecken weniger als die Hälfte des Kohlendioxids eines batterieelektrischen Autos verursachen. Im Durchschnitt der 100 wichtigsten Geschäftsreiserouten erzeugte laut RDG ein Diesel- oder Benzinauto neunmal mehr CO2 als eine Bahnfahrt, ein Plug-in-Hybrid viermal mehr und ein batterieelektrisches Auto fast zweieinhalbmal mehr.

Edinburgh nach London Kings Cross stößt im Dieselauto 116kg CO2 aus, im Batterieauto 31,8kg und mit der Bahn 12,7kg pro Person, so die RDG-Daten. Der Guardian merkte jedoch an, dass einfache Fahrkarten bei LNER, dem Hauptbetreiber dieser Strecke, damals ohne Vorausbuchung 183 Pfund kosteten. Die durchschnittlichen Kraftstoffkosten für einen kleinen Benziner lagen über die 400 Meilen bei rund 50 Pfund. Michael Solomon Williams von der Campaign for Better Transport sagte der Zeitung: „Mit dem Zug zu fahren ist immer umweltfreundlicher als mit dem Auto, und es wird noch umweltfreundlicher, je mehr Bahnstrecken elektrifiziert werden. Oft ist es auch schneller, aber jetzt müssen wir dafür sorgen, dass es auch billiger wird.“

Die Vorstandsvorsitzende der RDG, Jacqueline Starr, sagte, mit den Daten könnten Unternehmen die Emissionen auf den 100 beliebtesten Geschäftsreisen mit der Bahn genau messen. Sie sagte: „Wir alle tragen Verantwortung dafür, unseren CO2-Fußabdruck zu verringern, und die Daten, die wir veröffentlicht haben, zeigen, dass die Bahn die grüne Wahl für Fahrten zwischen unseren Städten ist.“

Die Tunnel hinter den Fahrplänen

Die Kapazität für mehr Nachtzüge hängt von einer Infrastruktur ab, die im Verzug ist. CNN berichtete am 26. Mai 2026, der Europäische Rechnungshof habe im Januar festgestellt, dass die Kosten von acht großen Projekten des transeuropäischen Verkehrsnetzes im Vergleich zu den ursprünglichen Schätzungen um durchschnittlich 82 Prozent gestiegen seien. Über fünf Projekte hinweg liegt die durchschnittliche Verzögerung bei 17 Jahren. Die EU wird ihr Ziel für 2030 nicht erreichen, 10.850 Meilen Bahnkorridore auszubauen.

Der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz, 2016 eröffnet und 11,3 Milliarden Dollar teuer, verkürzte die Fahrzeit von Zürich nach Mailand auf zweieinhalb Stunden von vier Stunden über die alte Route. Seine beiden Röhren verlaufen an der tiefsten Stelle mehr als 7.500 Fuß unter den Alpengipfeln. Der Fehmarnbelt-Tunnel unter der Ostsee, ein 18 Kilometer langer Absenktunnel zwischen Dänemark und Deutschland, hat ein Baubudget von über 7 Milliarden Euro (7,1 Milliarden Dollar) und soll laut CNN 2029 eröffnet werden. Sein technischer Direktor, Jens Ole Kaslund, hat gesagt, die Fahrt von Kopenhagen nach Hamburg werde von rund viereinhalb Stunden auf zweieinhalb Stunden sinken.

Nick Brooks, Generalsekretär der Betreiberlobby ALLRAIL, sagte CNN: „Großprojekte wie der Brenner-Basistunnel, Lyon-Turin und der Fehmarnbelt können für den europäischen Bahnverkehr die Wende bringen.“

Abseits der großen Korridore erledigt staatliche Förderung einen Teil der Arbeit. Kroatiens Regierung bestätigte, dass sie den kostenlosen öffentlichen Bahnverkehr für Kinder, Schüler, Vollzeitstudierende, Rentner und Bürger über 65 beibehalten werde. Ab dem 1. Januar 2026 gilt er auch für Inhaber eines nationalen oder europäischen Behindertenausweises, die für Bahnfahrten berechtigt sind, wie Croatia Week berichtete. Berechtigte Einwohner der Gespanschaft Istrien können zudem kostenlos direkte Verbindungen von Pula nach Zagreb nutzen. Sie wurden am 20. Juni 2025 wieder eingeführt und verkehren freitags über Slowenien nach Pula und sonntags nach Zagreb.

Nichts davon löst die Rechnung, die für einen Reisenden am wichtigsten ist, wenn er zwischen Sitz und Auto wählt. Neue Strecken und kohlenstoffärmere Züge gibt es. Ob der Fahrpreis die Entscheidung leicht macht, ist eine andere Frage, und eine, die die Fahrpläne nicht beantworten.

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Quellen

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  1. 01Night trains and border crossings: Europe's best new rail routesEN
  2. 02Electric cars produce twice as much CO₂ as trains, says rail group dataEN
  3. 03The audacious underground mega tunnels redrawing the railway map of EuropeEN
  4. 04World's longest road and rail tunnel is being built under the Baltic SeaEN
  5. 05Croatia extends free train travel to more groupsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Jonas Weber

Jonas Weber

Sport, Auto und Reisen

Jonas Weber schreibt für FLASH24 über Sport, Autos und Reisen und stützt sich dabei auf Verbandsstatistiken, Herstellerangaben und eigene Recherchen vor Ort. Bei Ligaspielen prüft er Spielberichte gegen die offiziellen Datenbanken und gleicht Torschützen sowie Einsatzzeiten ab. Im Automobilbereich vergleicht er technische Daten aus Pressemappen mit unabhängigen Tests, im Reisenressort wartet er auf die saisonalen Streckenfreigaben und spricht mit Veranstaltern. Privat verfolgt er Ligastatistiken, diskutiert über den Videobeweis und spielt selbst Amateurbasketball. Zahlen, die er nicht belegen kann, veröffentlicht er nicht.

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