Tech-Antitrust 2026: Was die Entscheidungen tatsächlich ändern
Der Wettbewerbsdruck auf die größten Technologiekonzerne kommt derzeit aus mehreren Richtungen gleichzeitig: aus Washington, Brüssel, London, Tokio und Peking. Das deutlichste Signal ist die Untersuchung der FTC gegen Microsoft. Wie The Verge am 1. Juni 2026 berichtete, ist sie inzwischen bei den civil investigative demands angekommen, jenen subpena-ähnlichen Auskunftsverlangen, die im Zentrum des Verfahrens stehen.

Die FTC fordert von mindestens einem halben Dutzend Unternehmen, die mit Microsoft konkurrieren, Dokumente an. The Verge liegen bislang unveröffentlichte Details zu den civil investigative demands (CIDs) vor. Darin geht es um die Frage, ob Microsoft mit unlauteren Methoden des Wettbewerbs in seinem Cloud-Geschäft, bei Softwareprodukten und verwandten Diensten gegen den FTC Act verstoßen hat.
Was die FTC wissen will
Die Dokumente umfassen in der Regel mehr als 15 Seiten mit über 15 Fragen, oft mit umfangreichen Unterpunkten. Gefragt wird nach Organigrammen, Geschäfts- und Marketingplänen, Produkt-Roadmaps, der Bündelung mehrerer Funktionen und Produkte, nach Preisen, Rabatten und Rentabilität. Andere Fragen loten aus, wie schwer der Eintritt in Märkte ist, in denen Microsoft aktiv ist, oder das Wachstum dort. Dabei geht es um Kosten und Markteintrittsbarrieren.
Die CIDs fragen außerdem gezielt nach Microsofts Einfluss auf den Wettbewerb und verlangen Dokumente zu seinen Richtlinien oder seiner Marktstellung sowie Details zu Bündelungs- und Interoperabilitätspraktiken der Branche. Ähnliche Fragen betreffen den Wettbewerb rund um KI-Produkte. Gefragt wird etwa nach der Konkurrenz um Kunden gegen Unternehmen, die zusätzliche Funktionen oder Dienste mit einem KI- oder Softwareprodukt wie Microsoft 365 verbinden.
William Kovacic, Juraprofessor an der George Washington University und früherer FTC-Vorsitzender, sagte zu The Verge, diese Art der Informationssammlung finde eher in frühen Phasen einer Untersuchung statt. Die Fragen deuteten darauf hin, dass die Behörde herausfinden wolle, welche Schlüsselakteure des Marktes zu beobachten sind und wie wichtig Taktiken wie Bündelung sind. Die Bezüge zur KI könnten bedeuten, dass die FTC sie als möglichen Teil einer illegalen Kopplung oder als wichtigen Wettbewerbsvorteil sieht.
Microsoft-Sprecher Alex Haurek sagt, das Unternehmen arbeite „voll mit der FTC zusammen und sei überzeugt, dass unsere Praktiken den Wettbewerb fördern und zugleich die innovativen Produkte liefern, die unsere Kunden erwarten.“
Haurek verwies zudem auf Google als „klares Beispiel für diese Dynamik, mit 63 Prozent Wachstum im Jahresvergleich und im direkten Wettbewerb mit anderen großen Anbietern einschließlich AWS, dem größten Cloud-Anbieter.“ The Verge merkt an, dass Kunden, die oft anonym sprechen aus Furcht vor Vergeltung, beklagt haben, Microsofts Lizenzänderungen von 2019 hätten es deutlich teurer gemacht, Windows-Software außerhalb von Azure zu betreiben. Im Jahr 2023 teilte Google der FTC als Antwort auf eine breite Cloud-Umfrage mit, Microsoft nutze seine Dominanz in anderen Bereichen, um „den eigenen Cloud-Produkten einen unverdienten Vorteil zu verschaffen.“
Es gibt keine Garantie, dass die Untersuchung in einer Klage endet. Die Prüfung begann 2024 unter der Regierung Biden und wurde unter Präsident Donald Trump fortgesetzt. Nach weiteren Ermittlungsschritten entscheidet das FTC-Personal, ob es die Einreichung einer Klage empfiehlt, und die beiden Kommissare der Behörde stimmen ab. Beide sind Republikaner. The Verge merkt an, dass es keine Kommissare der Minderheitspartei gibt, die Einspruch erheben oder eine Entscheidung publik machen könnten, den Fall still zu schließen.
Die Phase der Google-Suchabhilfen
Die Microsoft-Untersuchung läuft nicht isoliert. Google hat die Haftungsphase seines Suchkartellverfahrens bereits verloren. Das Gericht stellte fest, dass das Unternehmen gegen den Sherman Antitrust Act verstoßen hat, indem es „wissentlich Monopolmacht erworben und aufrechterhalten“ habe. Wie Ars Technica am 22. April 2025 berichtete, begann die Abhilfephase damit, dass das US-Justizministerium die Abspaltung von Chrome, die Entbündelung von Android und weitere strukturelle Änderungen durchsetzen wollte.
Das DOJ argumentierte, Googles Umgang mit Chrome schaffe eine Wettbewerbsbarriere, weil das Unternehmen eigene Dienste bevorzuge. Es nahm auch die Suchplatzierungsverträge ins Visier, die Apple und Mozilla jährlich Milliarden von Dollar dafür zahlen, dass Google die Standardsuchmaschine ist. Diese Verträge wollte das DOJ zusammen mit einem Chrome-Verkauf verbieten. Googles eigener Abhilfevorschlag, vor dem Verfahren angekündigt, belief sich auf weniger Exklusivität in Suchverträgen und mehr Freiheit für Android-OEMs bei der Wahl vorinstallierter Apps sowie zusätzliche staatliche Aufsicht.
Googles Verteidigung stützte sich auf das Argument, die Position des DOJ sei zu extrem und wurzele in alten Beschwerden. Das Unternehmen bot Mozilla und Apple als Zeugen auf, die aussagen sollten, Googles Dienste seien die besten verfügbaren. Der wahrscheinliche Gegenschlag des DOJ: Die Einnahmen, die diese Unternehmen aus den Verträgen erhalten, machen ihre Aussagen weniger verlässlich. Ars Technica berichtete zudem, das DOJ sehe dies als den folgenreichsten US-Kartellfall seit dem Microsoft-Prozess der 1990er Jahre.
Nvidia in Peking, KI-Labore vor Gericht
Außerhalb der USA stellte Chinas Staatliche Marktaufsichtsbehörde im September 2025 fest, dass Nvidia gegen das Kartellrecht des Landes verstoßen habe. Diese vorläufige Feststellung hängt mit der Übernahme von Mellanox Technologies im Jahr 2020 zusammen. Ars Technica berichtete, Nvidia habe die Bedingungen nicht vollständig erfüllt, die Peking an die Genehmigung des 6,9 Milliarden Dollar schweren Deals geknüpft hatte.
SAMR hatte die Kartelluntersuchung im Dezember eingeleitet, eine Woche nachdem die USA strengere Exportkontrollen für fortschrittliche High-Bandwidth-Memory-Chips und Chipfertigungsanlagen vorgestellt hatten. Zwei mit der Sache vertraute Personen sagten zu Ars Technica, die Behörde habe ihre Schlussfolgerung Wochen vor der Ankündigung erreicht und sie dann veröffentlicht, um China mehr Verhandlungsmacht in den Handelsgesprächen in Madrid zu geben. Die vorläufigen Feststellungen könnten zu Geldbußen zwischen 1 Prozent und 10 Prozent des Nvidia-Umsatzes des Vorjahres führen. Die Regulierungsbehörden können zudem Änderungen der Geschäftspraktiken erzwingen.
Eine andere Art von Verfahren läuft vor US-Gerichten. Tom's Hardware berichtete am 21. September 2026, dass vier Kläger, die ChatGPT, Claude, Grok oder Gemini abonniert haben, eine vorgeschlagene Sammelklage eingereicht haben. Sie werfen den Entwicklern dieser Modelle vor, gegen Kartellrecht verstoßen zu haben, als sie sich darauf verständigten, die KI-Entwicklung zu verlangsamen. Laut Associated Press argumentiert die Klage, die Vereinbarung würde „den Wert verringern, den Verbraucher für bezahlte KI-Abonnements erhalten“. Die Abstimmung habe im Juli 2026 begonnen, nachdem die führenden KI-Labore eine Erklärung unterzeichnet hatten. Darin räumten sie ein, es gebe „intensiven Wettbewerbsdruck, die Entwicklung nicht einseitig zu verlangsamen“.
Die Kläger akzeptieren die Sicherheitsargumente für eine Verlangsamung der Entwicklung. Den Kooperationsvorschlag von Anthropic-Gründer Dario Amodei nennen sie jedoch eine „Abkürzung“, die „kollektive Zurückhaltung an die Stelle individueller Verantwortung setzt“. Der leitende Anwalt Nick Rowley sagte: „KI wird schnell außer menschliche Kontrolle geraten und uns alle töten können, wenn wir zulassen, dass KI-Sicherheit und Protokoll … durch private, eigennützige Vereinbarungen zwischen den mächtigsten gewinnorientierten Technologieunternehmen der Welt gesteuert werden.“
OpenAIs Sam Altman reagierte auf X: „Wir begrüßen einen bundesstaatlichen Rahmen, der einheitliche Sicherheitsanforderungen für Frontier-KI festlegt. Aber wir glauben nicht, dass wir auf eine Kartellrechtsausnahme oder Gesetzgebung warten müssen, um mit dieser Arbeit zu beginnen.“ Die Trump-Regierung lehnte die Idee ab. Der Präsident sagte: „KI, die die Welt übernimmt, die Menschheit zerstört und all die anderen schlimmen Dinge, ist ein HOAX.“ Auch chinesische Staatsmedien kritisierten den Vorschlag. China Daily nannte ihn einen „Club, dessen Mitgliedsregeln entworfen wurden, bevor die Gästeliste bekannt gegeben wird“.
Warum die Politik seltsam wirkt
Die Durchsetzung ist auch zu einem Washingtoner Schauspiel geworden. Der Bericht von The Verge über den Little Tech Summit von Y Combinator im Mai 2025 beschrieb Steve Bannon auf der Bühne mit dem früheren CFPB-Direktor Rohit Chopra. Der FTC-Vorsitzende Andrew Ferguson wurde mit einem KI-generierten Avatar im Ghibli-Stil vorgestellt. FTC- und DOJ-Kartellbeamte ließen das Frühjahrstreffen der American Bar Association gegenüber aus. Lina Khan, Fergusons progressive Vorgängerin, griff Trump dafür an, zwei demokratische FTC-Kommissare entlassen zu haben, und posierte anschließend für ein Foto mit Bannon.
Luther Lowe, Leiter der öffentlichen Politik bei Y Combinator, sagte zu The Verge, „Innovation und fairen Wettbewerb zu unterstützen, könne Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum vereinen“. Der Unterton war weniger idealistisch: MAGA-Politik prägt inzwischen, wie Kartellfälle gerahmt werden, und Unternehmen müssen sich darin zurechtfinden. Für Microsoft ist die unmittelbare Frage enger. Die FTC muss entscheiden, ob die Beweise aus diesen CIDs eine Klage rechtfertigen, und zwei Kommissare müssen darüber abstimmen.
Quellen
5- 01Microsoft could be the next Big Tech antitrust targetEN
- 02Chrome on the chopping block as Google's search antitrust trial moves forwardEN
- 03China rules that Nvidia violated its antitrust lawsEN
- 04Anthropic, OpenAI, SpaceXAI, and Google face antitrust lawsuit for agreeing to slow AI developmentEN
- 05Y Combinator's Little Tech Summit was a bizarre snapshot of DCEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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