Volvos Elektro-Lkw holen den Titel für 2027, das Stromnetz hinkt hinterher
Volvos neue schwere Elektro-Lkw sind am 27. September auf der IAA Transportation zum International Truck of the Year 2027 gekürt worden. In derselben Woche zeigten ein US-Förderprogramm über 1,9 Milliarden Dollar für Stromnetze und eine chinesische Speichermarktreform, wie ungleich die Infrastruktur hinter der Elektrifizierung wächst.

Die neue Generation schwerer Elektro-Lkw von Volvo Trucks ist am 27. September auf der IAA Transportation in Hannover zum International Truck of the Year 2027 gewählt worden, berichtet CleanTechnica. Für den schwedischen Hersteller ist es der achte Sieg bei dieser Auszeichnung. Der FH Electric holt den Titel zum zweiten Mal, nachdem er 2024 als erster batterieelektrischer Lkw gewonnen hatte.
Die Jury nannte längere Fahrstrecken, Energieeffizienz, Nutzlast und Flexibilität über verschiedene Transportaufgaben hinweg. Die Baureihe umfasst den FH Electric, FM Electric, FMX Electric und den neuen FH Aero Electric. Volvo gibt an, dass der Flaggschiff FH Aero Electric mit einer Ladung bis zu 700 Kilometer weit fährt und Megawatt-Laden unterstützt. Die nächste Generation von FH, FM und FMX erreicht bis zu 470 Kilometer.
Die Serienproduktion der neuen schweren Elektro-Lkw begann am 14. September im Volvo-Werk Tuve in Göteborg, weitere Produktion ist in Gent in Belgien geplant. Volvo stellte außerdem einen Elektro-Lkw-Zug vor, der für Gesamtzuggewichte bis 80 Tonnen zugelassen ist. Er soll bis zu 450 Kilometer weit fahren, unterstützt Megawatt-Laden und kommt Anfang 2027 auf den Markt.
Volvo zufolge haben rund 7.000 seiner Elektro-Lkw seit der Einführung der ersten Elektromodelle 2019 etwa 500 Millionen Kilometer zurückgelegt. Betrieben werden sie von fast 2.000 Kunden in mehr als 50 Ländern. Auf der IAA zeigt das Unternehmen außerdem einen Lkw mit wasserstoffbetriebenem Verbrennungsmotor, Teil eines Ansatzes mit mehreren Antriebsarten für den Schwerlastverkehr.
Dieser Hardware-Meilenstein steht neben einer viel langsameren Geschichte über die Leitungen und Märkte, von denen elektrische Flotten abhängen. Am 24. September vergab das US-Energieministerium im Rahmen seines SPARK-Förderprogramms 1,9 Milliarden Dollar an 31 Projekte in 26 Bundesstaaten, wie Canary Media berichtet. Die beteiligten Versorger sagten gemeinsam 3,35 Milliarden Dollar an Eigenmitteln zu, womit sich die Gesamtinvestition auf 5,25 Milliarden Dollar beläuft.
Das Geld fließt in fortschrittliche Leiterseile, dynamische Leitungsbewertung und Netzsteuerung. Diese Technologien erhöhen die Kapazität auf bestehenden Trassen, ohne neue Masten zu bauen. Energieminister Chris Wright erklärte am Donnerstag, die Zuschüsse würden "mehr aus der Infrastruktur herausholen, die wir bereits haben, mehr Strom durch das Netz bewegen und dazu beitragen, bezahlbaren, zuverlässigen und sicheren Strom zu liefern, der den amerikanischen Wohlstand für Jahrzehnte befeuern wird."
Zu den Empfängern gehören American Electric Power, CenterPoint Energy, Duke Energy, Eversource Energy, Rocky Mountain Power und PPL Electric Utilities sowie vier kommunale Versorger und ländliche Elektrogenossenschaften in Arizona, New Mexico und North Carolina. Zwei der größten Zuschüsse über je 250 Millionen Dollar gehen an ein 1,2 Milliarden Dollar schweres Projekt unter Führung des Colorado Energy Office und an ein 832 Millionen Dollar Projekt des Oklahoma Office of Management and Enterprise Services. Beide sollen den Stromaustausch zwischen den östlichen und westlichen US-Netzen ausweiten.
SPARK verwendet Mittel, die nach dem überparteilichen Infrastrukturgesetz von 2021 gebunden wurden. Canary Media nennt es ein seltenes Beispiel für Übereinstimmung zwischen den Regierungen Trump und Biden in der Energiepolitik, obwohl von Trump ernannte Beamte Milliarden anderer Zuschüsse aus der Biden-Ära blockiert haben. Julia Selker, Geschäftsführerin der Working for Advanced Transmission Technologies Coalition, sagte, die durch die Zuschüsse gewonnene Erfahrung "wird phänomenal sein". Die Bundesmittel bedeuteten, dass "der Steuerzahler die Kosten" für die Stromkunden aufteilte.
Speicher- und Lademärkte entwickeln sich unterschiedlich schnell
In China haben die Regulierungsbehörden der Provinz Zhejiang den provinziellen Strom-Spotmarkt für unabhängige netzseitige Batterien geöffnet. Gebote nach Preis und Menge sind ab dem 1. Januar 2027 geplant. Laut einer am 23. September veröffentlichten Regulierungserklärung, über die pv magazine berichtet, wurde der Bescheid gemeinsam vom Zhejiang-Büro der Nationalen Energieverwaltung, der Provinzkommission für Entwicklung und Reform und dem Provinzenergiebüro erlassen.
Eine dem Bescheid beigefügte Projektliste umfasst 40 Projekte mit insgesamt 2,54 GW/5,1 GWh. Davon sind 28 Projekte mit insgesamt 2,13 GW/4,27 GWh im kommerziellen Betrieb und werden zentral disponiert, womit sie sowohl für den Energie- als auch den Frequenzregelmarkt zugelassen sind. Sechs weitere in Betrieb befindliche Projekte mit insgesamt 0,11 GW/0,22 GWh dürfen nur am Energiemarkt teilnehmen. Der Schritt folgt auf Chinas Entscheidung von 2025, die Speicherpflicht für Anlagen erneuerbarer Energien abzuschaffen, und auf den im Februar festgelegten Kapazitätspreisboden für netzgroße Speicher.
Flottenbetreiber außerhalb Chinas setzen Elektro-Lkw bereits im kommerziellen Maßstab ein. Electrek berichtete am 26. September, dass JUNA, ein Joint Venture des deutschen Logistikers sennder und Scania, seinen 110. batterieelektrischen Sattelzug in Betrieb genommen hat. Seit dem Einsatz der ersten Elektro-Lkw vor zwei Jahren hat die Scania-Flotte von JUNA mehr als 3,9 Millionen emissionsfreie Kilometer in Deutschland, Italien, Polen und den Niederlanden zurückgelegt. Das Unternehmen will bis Jahresende bis zu 40 weitere Lkw hinzufügen.
Gustaf Sundell, Executive Vice President und Leiter Ventures und Neugeschäft bei der Scania Group, sagte, 100 Lkw in vier Märkten zu erreichen zeige, "dass dieser Beleg real ist". Der Scania R45 hat einen 450-kW-Elektroantrieb und zieht bis zu 40 Tonnen bis zu 350 Kilometer weit mit einer 624-kWh-Batterie. An 375-kW-Gleichstromschnellladern lädt er in etwa einer Stunde 80 Prozent seiner Reichweite nach.
Die Ladekapazität bleibt in den USA der Engpass. Ars Technica berichtete am 26. September, dass Tesla am Donnerstag die Serienproduktion des Semi im Werk Sparks in Nevada aufgenommen hat. Die Langstreckenversion kommt geschätzt 500 Meilen pro Ladung weit, die Standardversion 325 Meilen. Teslas Website zeigt zwei öffentliche Megawatt-Lader im Raum Los Angeles, doch Dan Priestley, der das Semi-Programm leitet, sagt, das Unternehmen wolle bis Jahresende 30 eröffnen. Wettbewerber werben mit Reichweiten von 155 bis 430 Meilen.
Eine Allianz von Verladern, darunter Microsoft und PepsiCo, bestellte 2.500 Tesla Semi, die ab diesem Jahr und über die nächsten 18 Monate geliefert werden sollen, so Ars Technica. Kämen diese Lkw bei den Kunden an, würden sie die Zahl der schweren Elektro-Lkw auf US-Straßen heute fast verdoppeln.
Auch kleinere Netzprojekte kommen voran. Canary Media berichtete am 23. September, dass First Student und Con Edison die erste Phase eines 9 Millionen Dollar Pilotprojekts in East New York in Brooklyn abgeschlossen haben. Zum Einsatz kommen 10 elektrische Schulbusse und ein oberirdisches Ladesystem, das gebaut wurde, um eine unter dem Depot verlaufende Flugkraftstoffleitung zu umgehen. First Student schätzt, dass die grabenlose Bauweise fast 20 Prozent der Projektkosten sparte und den Zeitplan um einen Monat verkürzte. 40 weitere Busse werden bis Juni geliefert. Con Edison rechnet damit, dass Elektrobusse, Lkw und andere Nutzfahrzeuge bis 2030 mehr als 100 Megawatt zusätzliche Stromnachfrage bringen.
In den gesamten Vereinigten Staaten waren nach Angaben des World Resources Institute im Juni 2026 mehr als 8.500 elektrische Schulbusse im Einsatz, 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Gesetzgeber in New York haben das landesweite Mandat für rein elektrische Schulbusse kürzlich um fünf Jahre auf 2040 verschoben.
Auf der Finanzierungsseite ist das nordische Energieunternehmen Fortum als Limited Partner bei Norrsken Evolve eingestiegen. Es investiert über seine Innovations- und Venture-Sparte, nachdem der Pre-Seed-Fonds in diesem Sommer sein überzeichnetes Final Closing bei 62 Millionen Euro abgeschlossen hat, wie Tech.eu am 25. September berichtete. Norrsken Evolve hat bislang über 80 Unternehmen unterstützt, von denen 75 Prozent später Folgeinvestitionen eingeworben haben. Der Fonds unterstützt Unternehmen in den Bereichen Elektrifizierung, Flexibilität und industrielle Dekarbonisierung.
Zwischen Volvos 700-Kilometer-Lkw, den Speichermarktregeln von Zhejiang und den Übertragungszuschüssen des DOE ist die Richtung gleich. Das Tempo nicht. Lkw-Hersteller liefern Fahrzeuge in einen Lade- und Netzmarkt, der noch gestaltet, finanziert und in manchen Fällen gerichtlich geklärt wird.
Quellen
7- 01Volvo's Electric Trucks Win International Truck of the Year 2027 at IAAEN
- 02Advanced grid tech gets a $1.9B DOE boostEN
- 03Chinese province moves grid-side batteries into spot marketEN
- 04JUNA puts more than 100 Scania electric semi trucks to workEN
- 05Tesla's big electric truck faces an even bigger infrastructure challengeEN
- 06A new fleet of electric school buses hits New York City streetsEN
- 07Fortum backs Norrsken Evolve's €62M fund to accelerate Europe's electrificationEN
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