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Wearables in der Schlaf- und Stressforschung: Was die Studien tatsächlich zeigen

Wearables liefern Schlaf- und Stressdaten in einer Menge, die Labore nie erreichen konnten. Zwei Studien aus dem Jahr 2024 und eine Kritik aus 2025 zeigen jedoch: Die Aussagekraft ist nur so gut wie die Hardware und die Interpretation dahinter.

GesundheitAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 28. September 20266 Min. LesezeitQuellen 3
Wearables in der Schlaf- und Stressforschung: Was die Studien tatsächlich zeigen

Ein Team der University of Texas at Austin stattete 82 junge Erwachsene mit Trackern am Handgelenk aus und begleitete sie über Monate, nicht über eine Nacht. Die Studie erschien in Nature Scientific Reports. Das Ergebnis, das Schlagzeilen machte: Körperliche Aktivität verlängerte die REM-Latenz, also die Zeit bis zum Eintritt in den REM-Schlaf. Der Nachrichtendienst der Universität nannte es die bislang verlässlichste Bestätigung des Zusammenhangs zwischen Aktivität, Schlafqualität und psychischer Gesundheit.

Die Methodik ist der interessante Teil.

Die Teilnehmer trugen einen Tracker, der Bewegung und Herzfrequenz aufzeichnete. Aus diesen zwei Signalen leiteten die Forscher Phasen des Tiefschlafs (NREM), des REM-Schlafs und körperlicher Aktivität ab. Eine separate Smartphone-App sammelte selbst berichtete Angaben zum Wohlbefinden. Die Studie ging aus einem Pilotlauf des Forschungsprogramms Whole Communities–Whole Health an der UT Austin hervor.

Laut der Universität bestätigten die Ergebnisse Laborbefunde: Sowohl niedrigintensive als auch mäßige bis intensive Aktivität hingen mit tieferem, erholsamerem Schlaf zusammen. Besserer Schlaf ging wiederum mit mehr Energie und weniger Stress am folgenden Morgen einher. Neu war die Umgebung: kontinuierliche Überwachung zu Hause, bei der Arbeit und während alltäglicher Aktivitäten über Wochen und Monate, statt einer einzigen verkabelten Nacht in einer Klinik.

„Aus Laborstudien kann man viel lernen, aber die Schlafmuster einzelner Teilnehmer in nur einer Nacht zu untersuchen, hat offensichtlich Grenzen", sagte Benjamin Baird, Forschungsassistent und Professor für Psychologie sowie einer der Autoren. „Es ist eine ungewohnte, klinische Umgebung, die Stress verursachen kann. Und man kann auch nicht wirklich über die Zeit schauen. Es gibt also immer Fragen zur Verallgemeinerbarkeit dieser Art von Design."

David M. Schnyer, Mitautor und Leiter der Fakultät für Psychologie, ging weiter. Sein Team habe gezeigt, dass ein handelsüblicher Fitbit empfindlich auf Maße der Schlafarchitektur reagiere und vorhersagende Ergebnisse liefere, kein teures wissenschaftliches Gerät. Baird beschrieb die Schlafarchitektur als die Struktur jedes 90- bis 120-minütigen Zyklus: drei Stadien des Non-REM-Schlafs plus REM, das etwa die letzten 25 % jedes Zyklus ausmacht.

Vom Schlafzimmer zur Bevölkerung

Die UT-Austin-Studie ist nach Maßstäben der Consumer-Technik klein. Sleep Cycle, eine schwedische App, hat etwa 2.000.000 aktive Nutzer pro Nacht. Ihr Wissenschaftsleiter Michael Gradisar sagte im September 2024 zu ABC News, die Datenwissenschaftler des Unternehmens hätten in New York einen Anstieg des nächtlichen Hustens etwa eine Woche vor dem Anstieg bestätigter Omicron-Fälle entdeckt.

„Es ist fast wie ein Frühwarnsystem. Wir hatten all diese Telefone, die nachts Informationen sammelten", sagte Dr. Gradisar.

Derselbe ABC-Bericht von Technologiereporter James Purtill beschrieb, wie Sleep Cycle eine überdurchschnittliche Zahl von Menschen erfasste, die kurz aufwachten, als im selben Monat ein Erdbeben New South Wales traf. Aufgezeichnet wurde das von Datenwissenschaftlern in Schweden. Weniger als 10 Jahre nach der ersten Apple Watch mit Schlafverfolgung, schrieb Purtill, sei die Welt für die Erforschung des Schlafs verkabelt.

David Walsh baute die erste Schlafverfolgungs-App für die Apple Watch, AutoSleep, die Anfang 2016 erschien. Er sagte dem ABC, sie habe heute mehr als 5.000.000 Nutzer. Seine Methode war derselbe Rückschluss, auf den sich das Team der UT Austin stützte: Bewegung und Herzfrequenz, keine Elektroden.

Nicht alle hießen das willkommen. Gabriel Pires, Schlafforscher in Brasilien, sagte, er und Kollegen hätten begonnen, Arbeiten zu veröffentlichen, die warnten, dass die neuen Technologien nicht gut funktionierten. Gradisar, damals Professor für Schlafwissenschaft an der Flinders University, war ebenfalls skeptisch, bevor er in die Industrie wechselte.

Die Regulierungsbehörden haben inzwischen reagiert. Anfang 2024 erhielt das Schlafapnoe-Erkennungssystem von Samsungs Smartwatch nach einer achtmonatigen Prüfung die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde. Es war die erste Consumer-Smartwatch, die diese Hürde nahm. Die Smartwatch von Apple erhielt dieselbe Zulassung im September 2024.

Danny Eckert, Direktor des Adelaide Institute for Sleep Health an der Flinders University, sagte dem ABC, Verbrauchergeräte könnten Schlafapnoe am Ende besser diagnostizieren als der derzeitige Goldstandard. Eine Studie von 2022, an der er mitwirkte, ergab, dass bis zur Hälfte der diagnostischen Einzelnacht-Untersuchungen für Schlafapnoe den Schweregrad falsch einstuft. „Die Einzelnacht-Tests sind extrem verrauscht und ungenau", sagte er.

Das Stressproblem

Die Stressverfolgung hatte es schwerer. Im August 2025 veröffentlichte Wareable eine Kritik an der Berichterstattung über eine Studie, die drei Monate lang Stress, Müdigkeit und Schlaf bei 800 jungen Erwachsenen mit Garmin-Uhren verfolgte. Die Teilnehmer meldeten viermal täglich, wie gestresst, müde oder schläfrig sie sich fühlten. Die Antworten wurden mit den Trackerdaten abgeglichen.

Die Studie fand „so gut wie keine" Korrelation zwischen dem Stresswert eines Geräts und den selbst berichteten Gefühlen eines Nutzers. Der Guardian fasste es so zusammen, dass Smartwatches Stress nicht genau messen könnten. Andere Medien gingen weiter und behaupteten, die Uhren verwechselten Stress mit Bewegung.

Wareables Einwand betraf teils die Hardware. Das Vergleichsgerät war die Garmin Vivosmart 4, erschienen 2018. Einen sieben Jahre alten Tracker zu testen, um Schlüsse über die Kategorie zu ziehen, sei wie einen Kia von 2018 zu testen und damit ein Urteil über Elektrofahrzeuge zu fällen, so das Argument. Die Kritik griff auch die Biologie hinter der Aussage „verwechselt Stress mit Bewegung" an. Bewegung ist akuter physiologischer Stress, und so funktioniert die Trainingsanpassung. Ein Gerät, das ein Training als Hochstress-Ereignis markiert, tut seine Arbeit.

Die Studie lieferte dennoch unangenehme Zahlen. Bei keinem Teilnehmer erreichten die Stresswerte des Trackers den Schwellenwert für eine signifikante Veränderung, wenn sie angaben, sich gestresst zu fühlen. Bei einem Viertel der Teilnehmer meldete das Gerät gestresst oder nicht gestresst, während der Teilnehmer das Gegenteil berichtete.

Wareables Lesart dieses Ergebnisses ist gegenläufig: Ein Mangel an Korrelation könnte mehr darüber aussagen, wie schlecht Menschen ihren eigenen physiologischen Zustand einschätzen, als über den Sensor. Die Publikation ist nicht neutral, sie testet Stress-Tracker und hat die Datenpräsentation von Garmin separat kritisiert. Der Punkt zur Interpretation ist jedoch schwer von der Hand zu weisen, wenn man bedenkt, wie bereitwillig Nutzer ein Gerät für einen Wert verantwortlich machen, der ihnen nicht gefällt.

Was die Belege stützen

Drei Dinge überstehen den Kontakt mit den Quellen. Erstens sind Wearables inzwischen gut genug für longitudinale Schlafforschung im Feld: Die UT Austin nutzte einen Fitbit aus dem Regal und veröffentlichte in einer begutachteten Fachzeitschrift. Zweitens verändert die Größenordnung, welche Fragen gestellt werden können. Hustenüberwachung auf Bevölkerungsebene, Aufwachreaktionen bei Erdbeben und Schlafapnoe-Screening jede Nacht über Wochen sind keine Laborexperimente. Die ABC-Berichterstattung zeigt Forscher, die sie als neue Art von Daten behandeln, nicht als Ersatz für eine klinische Diagnose.

Drittens bleibt Stress die Schwachstelle, und die Schwäche ist nicht nur technisch. Das Design der Garmin-Studie selbst, ein Algorithmus, ein altes Gerät, ein enger Satz selbst berichteter Messgrößen, macht sie zu einer schlechten Grundlage, um die Kategorie zu verurteilen. Die darauf aufgebauten Schlagzeilen waren schlechter als die Arbeit. Weder die Forschung der UT Austin noch die ABC-Berichterstattung behaupten, dass Consumer-Tracker irgendetwas von allein diagnostizieren können. Samsung erklärt, seine Apnoe-Funktion solle keine Schlaflklinik ersetzen.

Die Lücke zwischen dem, was diese Geräte messen, und dem, was Menschen glauben, dass sie messen, ist der Ort, an dem der meiste Streit stattfindet. Diese Lücke schließt sich nicht von selbst.

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Quellen

3
  1. 01Study uses wearables to show that physical activity lengthens REM latencyEN
  2. 02Sleep-tracking devices are wiring the world for the study of sleepEN
  3. 03Smartwatches aren't confused about stress, but headlines and studies areEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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