Deutsches Gericht: Ein ähnliches Motiv ist noch kein Diebstahl eines Werks
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden, dass ein per KI erzeugtes Bild nicht automatisch das Urheberrecht verletzt, wenn es auf einem fremden Foto basiert. Wenige Tage später verabschiedete das Europäische Parlament Empfehlungen zu den Vergütungen von Urhebern.

Der Streit drehte sich um eine Tierfotografin. Sie hatte Hunde fotografiert, die unter Wasser nach einem Spielzeug greifen. Ihr ehemaliger Geschäftspartner lud das Foto in eine KI-Software und erzeugte daraus ein neues Bild. Es tauchte später auf der Website seiner Firma auf. Die Fotografin verklagte ihn wegen Urheberrechtsverletzung. Der Fall kam vor das Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort erging im April 2026 ein Beschluss mit dem Aktenzeichen 1-20 W 2/26.
Die Idee ist frei
Das Gericht stellte fest: Wer ein Motiv übernimmt, verletzt nicht automatisch das Urheberrecht. Entscheidend ist, ob auch die individuellen schöpferischen Merkmale des Originals übernommen wurden. Das Motiv selbst und die dahinterstehende Idee sind grundsätzlich nicht geschützt. Das deutsche Patentamt und die Gerichte verweigern zudem konsequent den Schutz für Prozesse, die ausschließlich von Software gesteuert werden, ohne nennenswerte Beteiligung eines Menschen. Nach Paragraf 2 Absatz 2 des Urheberrechtsgesetzes muss ein Werk eine „persönliche geistige Schöpfung“ sein. Die Grenze verläuft also nicht zwischen „von Hand“ und „maschinell“, sondern zwischen der allgemeinen Idee und dem individuellen, wiedererkennbaren Ausdruck.
Ein Anwalt, der einen Blog zum IT-Recht betreibt, weist darauf hin, dass eine solche Entscheidung keine Beliebigkeit bedeutet. Bildet das Modell eine unverwechselbare Anordnung von Bildausschnitt, Licht und Komposition getreu nach, kann der Fall anders aussehen. Ein ähnlicher Streit läuft weiter im Verfahren des Fotografen Robert Kneschke gegen die Organisation LAION. Das Argument, Modelle im Rahmen der Ausnahme für die Text- und Data-Mining-Schranke zu trainieren, wurde dort ausdrücklich zurückgewiesen.
Brüssel zählt und stimmt ab
Parallel dazu ordnet Europa die Regeln. Am 10. März 2026 nahmen die Europaabgeordneten mit 460 zu 71 Stimmen bei 88 Enthaltungen ein Paket von Empfehlungen zum Schutz von Werken vor der Nutzung durch künstliche Intelligenz an. Das Parlament fordert, dass das EU-Urheberrecht alle Systeme generativer KI auf dem Binnenmarkt erfasst. Der Kreativsektor erwirtschaftet 6,9 Prozent des BIP der Union. Die Abgeordneten verlangen eine angemessene Vergütung für die Nutzung geschützter Inhalte sowie vollständige Transparenz. Anbieter und Nutzer von Modellen sollen eine detaillierte Liste der zum Training verwendeten Werke offenlegen, zusammen mit Aufzeichnungen der Aktivitäten der Indexierungsroboter. Abgelehnt wurde dagegen der Vorschlag, dass KI-Anbieter eine „globale Lizenz“ für das Training gegen eine einmalige Pauschalgebühr kaufen.
Hinzu kommen Pflichten zur Kennzeichnung von Inhalten. Ab dem 2. August 2026 verpflichtet der EU-KI-Akt Anbieter und Nutzer generativer Werkzeuge, Inhalte maschinenlesbar zu kennzeichnen und als künstlich erzeugt auszuweisen. In der Praxis muss jeder, der ein Bild aus einem Generator veröffentlicht, dessen Herkunft offenlegen. Die Kreativszene reagierte nervös. Auf ArtStation erschienen massenhaft Grafiken mit dem Aufruf, sich gegen das Training von Modellen mit den Arbeiten von Künstlern zu wehren.
Quellen
3- 01KI-Bilder & Urheberrecht: Urteil OLG Düsseldorf 2026DE
- 02Schutz von Urheberrecht und kreativer Arbeit im Zeitalter künstlicher Intelligenz (Parlament Europejski)DE
- 03KI, Kunst und Kunstdiebstahl (DOCMA)DE
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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