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Europas Nachtzüge: Was die Ratgeber über Strecken, Liegeplätze und Buchung sagen

Europas Nachtzugnetz ist von weniger als 30 Strecken im Jahr 2019 auf mehr als 60 bis 2026 gewachsen. Das berichtet das Reiseprogramm artofthetravel.com unter Berufung auf Daten von Back-on-Track aus dem Jahr 2024.

ReisenNachrichtSven AlbrechtVeröffentlicht: 27. September 20268 Min. LesezeitQuellen 6
Europas Nachtzüge: Was die Ratgeber über Strecken, Liegeplätze und Buchung sagen

Nachtzüge sind planmäßige Bahnverbindungen über Nacht, mit Betten, Liegewagen oder verstellbaren Sitzen. Das Angebot ist einfach: abends einsteigen, schlafen, morgens in einer anderen Stadt aufwachen. Die Slow-Travel-Kolumne des Guardian berichtete am 14. Dezember 2023, die europäischen Fahrpläne 2024 hätten direkte Nachtverbindungen zwischen Warschau und München, Berlin und Paris sowie Aachen und Salzburg gebracht. Sie traten am 10. Dezember jenes Jahres in Kraft. Keine dieser drei Städteverbindungen hatte damals direkte Tagzüge, so die Zeitung.

Die Zahlen hinter dem Wiederaufbau

Über das Ausmaß des Comebacks sind sich die meisten Ratgeber einig. Das Reiseprogramm artofthetravel.com, das nach eigener Angabe keine Liegeplätze verkauft, beziffert das Netz auf mehr als 60 Nachtzugstrecken in Europa bis 2026, etwa doppelt so viele wie 2020. Als Quelle nennt es Back-on-Track. Dieselbe Seite beruft sich auf den European Parliamentary Research Service aus dem Jahr 2021 und schreibt, das Netz sei von rund 200 europäischen Strecken in den 1990er Jahren auf weniger als 30 bis 2019 geschrumpft. Die Seite benennt auch ihre eigenen Grenzen. Sie habe kein privates Schlafwagen-Inventar geprüft und keine Testbuchungen in Liegewagen vorgenommen. Ihre Tarifbänder beschreibt sie als Recherchespannen aus veröffentlichten Seiten von ÖBB, Eurail, Back-on-Track und der European Environment Agency, nicht als Live-Angebote. Die Euro-Beträge weiter unten sind ebenso zu lesen: als Richtwerte, nicht als Preise an der Kasse.

Die ÖBB, Österreichs Staatsbahn, ist das Unternehmen, dem der Wiederaufbau am häufigsten zugeschrieben wird. Laut artofthetravel.com übernahm die ÖBB 2016 die frühere Marke Nightjet der Deutschen Bahn und fügte zwischen 2021 und 2025 über 20 neue Streckenabschnitte hinzu. Damit expandierte sie von Mitteleuropa nach Paris, Brüssel, Amsterdam und Berlin. Dieselbe Quelle nennt unter Berufung auf eine ÖBB-Pressemitteilung aus dem Jahr 2024, dass Nightjet 2023 1,8 Millionen Fahrgäste beförderte, 40 Prozent mehr als 2019. Diese beiden Angaben, die Streckenzahl und die Fahrgastzahl, stammen aus einer einzigen Sekundärquelle und wurden hier nicht unabhängig überprüft.

Das Umweltargument wiederholt sich in den Quellen. Die Redaktion von artofthetravel.com schreibt, ein Schlafwagen von Wien nach Paris stoße rund 90 Prozent weniger CO2 aus als der entsprechende Flug. Sie beruft sich auf die European Environment Agency im Jahr 2023. Der Guardian berichtete am 27. Februar 2024 getrennt davon, eine Analyse der Rail Delivery Group habe ergeben, dass Bahnreisen auf den meistgenutzten Geschäftsstrecken Großbritanniens weniger als die Hälfte der CO2-Emissionen eines batterieelektrischen Autos verursachen. Auf den 100 wichtigsten Geschäftsreiserouten habe ein Diesel- oder Benzinauto im Schnitt neunmal mehr Kohlenstoff produziert als die Bahn.

Wer was betreibt, und wo

Die Betreiberliste ist länger, als die meisten Reisenden annehmen. Der Ratgeber von EveryRail nennt ÖBB Nightjet mit Verbindungen von Wien nach Paris, Amsterdam und Rom, European Sleeper von Brüssel nach Berlin und Prag, die schwedischen SJ-Nachtzüge, die Narvik oberhalb des Polarkreises erreichen, und Finnlands Santa Claus Express von Helsinki nach Rovaniemi. Die Nachtzugseiten von Interrail ergänzen Intercités de Nuit in Frankreich, Italiens InterCity Notte, den Sofia-Istanbul-Express, den Bosphorus Express von Bukarest nach Istanbul, den Night Riviera Sleeper von London nach Cornwall, Caledonian Sleeper von London nach Schottland, Snälltåget in Schweden und EuroNight-Verbindungen. EveryRail merkt an, dass European Sleeper von einer Strecke auf drei Strecken in sechs Monaten erweitern wollte.

Der neue direkte Euronight-Schlafwagen zwischen Salzburg und Krakau etwa schafft eine echte Gelegenheit für Kulturreisende, zwei sehr unterschiedliche Städte zu verbinden.

Das Zitat stammt von Cat Jones, Vorstandsvorsitzende des flugfreien Anbieters Byway Travel, im Gespräch mit dem Guardian im Dezember 2023. Der Guardian berichtete, die Verbindung Salzburg-Krakau dauere fast 10 Stunden. Der nach Warschau fahrende Zug, der München am Abend des 10. Dezember 2023 verließ, sei die erste direkte Abfahrt von Bayern nach Polen seit 2010 gewesen. Nicht jede Änderung in dieser Fahrplanrunde war ein Zugewinn. Der Guardian vermerkte, dass Aarhus seine zweimal täglichen Direktzüge nach Hamburg verlor. Ersetzt wurden sie durch eine Anschlussverbindung alle zwei Stunden mit Umstieg am selben Bahnsteig in Kolding. Nürnberg kam von fünf Direktzügen täglich nach Tschechien auf null. In Frankreich erinnerte die Zeitung daran, dass Le Monde 2016 den Nachtzug für beendet erklärt hatte. Dort kamen neue Nachtverbindungen von Béziers und Montpellier nach Paris sowie von Aurillac nach Paris hinzu, mit Fahrpreisen ab 19 Euro für Sitze und 29 Euro für Liegewagen, ganz ohne Schlafwagen.

Sitz, Liegewagen oder Schlafwagen

EveryRail teilt die Unterbringung in drei Stufen. Sitzwagen haben verstellbare Sitze und beginnen auf vielen Strecken bei etwa 39 Euro. Liegewagen bieten 4 bis 6 Betten in einem geteilten Abteil mit Laken, Decken und Kopfkissen, EveryRail nennt dafür etwa 59 bis 79 Euro pro Bett. Schlafwagenabteile haben 1 bis 3 Betten, echte Matratzen, frische Bettwäsche und oft ein Waschbecken. Premium-Angebote bieten zusätzlich ein eigenes Bad mit Dusche. EveryRail gibt eine Spanne von 89 bis 150 Euro oder mehr an, je nach Strecke und danach, wie früh man bucht. Die Zusammenfassung des Unterschieds ist nüchtern: Schlafwagen sind wie ein Hotel, Liegewagen wie eine Jugendherberge.

Die Redaktion von artofthetravel.com nennt andere Zahlen für einen Nightjet-Liegewagen auf einer mittleren Strecke, eine Recherchespanne von rund 49 bis 99 Euro. Sie empfiehlt, zu buchen, sobald ein 180-Tage-Fenster für die Recherche aufgeht. Außerdem nennt sie drei Fälle, in denen man ganz auf den Zug verzichten sollte: wenn eine Tagesverbindung unter etwa vier Stunden liegt, wenn man auf einer Strecke von 10 Stunden oder mehr einen Sitz nehmen würde und wenn ein Aggregator einen Liegeplatz verbirgt, den die Betreiberseite selbst noch zeigt. Die Details der Betreiber unterscheiden sich je nach Land. Laut EveryRail betreibt ÖBB Nightjet Sitzwagen, Liegewagen mit 4 und 6 Betten sowie Schlafkabinen mit Einzel-, Doppel- oder Dreifachbelegung. Italiens InterCity Notte führt "Comfort"-Schlafwagen und Liegewagen mit 4 bis 6 Betten auf Strecken wie Rom-Sizilien und Mailand-Neapel. Die schwedischen SJ-Nachtzüge haben Schlafkabinen mit eigenem Bad in der ersten Klasse plus Liegewagen mit 6 Betten. EveryRail merkt an, dass die meisten Verbindungen standardmäßig gemischte Liegewagen haben, Frauenabteile aber auf manchen Zügen verfügbar sind.

Ein Teil der Anziehungskraft des Netzes hat nichts mit Komfort zu tun. Rail-away.com, das Reiseberichte aus erster Hand veröffentlicht, listet den EuroNight Kálmán Imre von Budapest nach Stuttgart und Zürich, Norwegens Vy-Nachtreise von Oslo nach Bergen mit der PlusNight-Option, einen ÖBB Nightjet New Generation von Wien nach Hamburg mit Siemens-Fahrzeugen und einem Mini-Cabin-Produkt, die Strecke Mailand und Rom nach Sizilien, die die Straße von Messina per Zugfähre überquert, und einen Retro Istria Express von Budapest nach Koper mit Wagen aus den 1960er Jahren. Es beschreibt außerdem einen Nightjet von Zürich nach Amsterdam mit einem Schlafwagen von 1975, bezeichnet als AB33, und nennt einen Wagen von 1965 auf der Strecke Bukarest-Cluj Napoca den ältesten Schlafzug Europas. Das sind anekdotische Berichte einer Seite, die auf der Seite nichts verkauft, aber sie zeigen, wie uneinheitlich die Flotte ist.

Buchung und Passregeln

Reservierungen sind in Nachtzügen Pflicht, und Interrail stellt klar, dass dies auch für Inhaber eines First-Class-Passes gilt. Ein Pass enthält den Liegeplatz nicht. Die Hinweise von Interrail besagen, dass Reservierungen online, telefonisch oder am Bahnhof möglich sind und dass die Reservierungsgebühr mit der Unterbringungsklasse steigt. Die Passlogistik überrascht viele. Interrail erklärt, dass bei einer Nachtzugfahrt vom 9. auf den 10. August ein Papierpass nur das Abfahrtsdatum, den 9. August, eingetragen braucht, während ein mobiler Pass es automatisch erfasst. Am Abfahrtstag kann man vor dem Nachtzug so viele Züge nehmen, wie man möchte, alle zählen als derselbe Reisetag. Der Abfahrtstag eines Nachtzugs darf nicht der letzte Gültigkeitstag eines Passes sein.

Für Einwohner der 33 Länder im Passnetz benötigt ein Nachtzug nach Hause zwei Reisetage, geteilt am Grenzbahnhof außerhalb des Wohnsitzlandes, eingetragen als zwei getrennte Fahrten in der mobilen App. Interrails eigenes Beispiel ist eine österreichische Reisende, die von Amsterdam nach Amstetten aufbricht. Ein praktischer Hinweis findet sich ebenfalls in den Hinweisen: Es ist üblich, dem Zugpersonal den Papierpass und den Reisepass zu übergeben, und man bekommt sie am Morgen zurück.

Die Redaktion von artofthetravel.com rahmt die ganze Entscheidung als Vergleich statt als Romantik. Ihr Rat lautet, den Betreiber für den Korridor zu nennen, den Liegeplatz statt des Zugs und die Hotelnacht zu zählen, die man nicht kauft. Flug plus Innenstadthotel sollte man gegen den Schlafwagenpreis stellen statt gegen den bloßen Flugpreis. Sie warnt außerdem davor, Kinder in einen geteilten 6-Bett-Liegewagen zu setzen, und empfiehlt, stattdessen das ganze Abteil zu buchen.

Keine der hier genannten Quellen liefert einen aktuellen Fahrpreis oder Fahrplan. Jeder konkrete Preis sollte vor der Buchung beim Betreiber geprüft werden. Worüber die Quellen übereinstimmen, ist die Richtung: mehr Strecken, neuere Fahrzeuge auf einigen Korridoren und ältere Wagen auf anderen, und ein Reservierungssystem, das frühes Buchen belohnt.

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Quellen

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  1. 01Night Trains: Your Complete Guide to Overnight Rail Travel in EuropeEN
  2. 02Night trains and border crossings: Europe's best new rail routesEN
  3. 03Night Trains in Europe: The Complete Guide to Overnight RailEN
  4. 04Night Train Experiences Across EuropeEN
  5. 05Electric cars produce twice as much CO₂ as trains, says rail group dataEN
  6. 06European Night Trains | Interrail.comEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Sven Albrecht

Sven Albrecht

Sport, Auto und Reisen

Sven Albrecht schreibt für FLASH24 über Sport, Autos und Reisen und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Streckenprotokolle und offizielle Ergebnisse. Bei Testwagen vergleicht er Normverbrauch mit realen Messwerten und prüft Drehmomentkurven sowie Akkukapazitäten. Er spricht mit Werkstattmeistern, Rennkommissaren und Bahnbetreibern und wartet auf den Fahrplanwechsel, um Verbindungen quer durch Europa zu vergleichen. Privat fährt er Elektroautos, schraubt in der Garage und plant Bahnstrecken quer durch Europa. Unbelegte Zahlen veröffentlicht er nicht.

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