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Krebs durch Infektionen, Atem, Scham wegen KI: drei Septemberstudien zu Gesundheit und Körper

Eine am 29. September veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit jeder achte Krebsfall auf Infektionen zurückgeht, mit 2.300.000 neuen Fällen im Jahr 2024. Ein ebenfalls an diesem Tag veröffentlichtes Experiment der Northwestern University maß einen Unterschied von 41 Millisekunden in der Reaktionsgeschwindigkeit zwischen Ausatmen und Einatmen.

GesundheitNachrichtHanna VogtVeröffentlicht: 29. September 20268 Min. LesezeitQuellen 4
Krebs durch Infektionen, Atem, Scham wegen KI: drei Septemberstudien zu Gesundheit und Körper

Wie CBC News am 29. September über die Studie berichtete, schätzen Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, dass Infektionen im Jahr 2024 weltweit 2.300.000 neue Krebsfälle verursacht haben, also 12 Prozent aller Neuerkrankungen. Die Arbeit erschien am Montag in The Lancet Oncology.

Gary Clifford, Krebs-Epidemiologe und Mitautor der Studie mit Sitz in Lyon, sagte dem Sender CBC, die Wissenschaft habe sich weiterbewegt. "In dieser Zeit sind neue infektiöse Erreger als krebserregend identifiziert worden, und selbst bei den Erregern, die wir schon früher kannten, hat sich die Evidenz zur Zahl der verschiedenen Krebsarten, die sie auslösen können, vermehrt", sagte er laut CBC.

Was die Zahlen sagen

Den größten Einzelbeitrag leistete das Bakterium Helicobacter pylori. Es kann das Risiko für Magenkrebs erhöhen und war für 760.000 Fälle verantwortlich, überwiegend in Ostasien. Das humane Papillomavirus folgte mit fast 750.000 Neuerkrankungen weltweit dicht dahinter, mit hohen Raten in Afrika südlich der Sahara. HPV verursacht 100 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs und steht zudem mit Anal-, Vulva-, Vaginal-, Penis- und einigen Kopf-Hals-Tumoren in Verbindung. Hepatitis B und Hepatitis C wurden mit einer erheblichen Zahl von Leberkrebsfällen in Verbindung gebracht. Zum ersten Mal erweiterten die Forscher ihre Liste krebserregender Infektionen um 16 weitere, darunter HIV, das mit Gebärmutterhalskrebs zusammenhängt, und das Merkelzell-Polyomavirus, ein sehr seltenes Virus, das zu einer aggressiven Form von Hautkrebs führen kann.

Das Epstein-Barr-Virus war 2024 mit etwa 260.000 Fällen verbunden, darunter Nasopharynxkarzinome, einige Magenkarzinome und das Hodgkin-Lymphom. "Das ist eine ziemlich große Krebslast durch das Epstein-Barr-Virus, die in der Vergangenheit nicht gezählt wurde, aber heute anerkannt ist", sagte Clifford laut CBC. EBV ist zudem ein wichtiger Risikofaktor für Multiple Sklerose. Anders als bei einigen anderen Infektionen der Studie gibt es dagegen weder Impfstoff noch Antibiotikabehandlung. "Die Tatsache, dass wir sehen, dass Epstein-Barr all diese chronischen Erkrankungen verursacht, macht es zunehmend zu einem Ziel, auf das sich die Menschen bei der Prävention konzentrieren müssen", sagte er.

Die Autoren gingen so vor: Zuerst stellten sie fest, welche Infektionen Krebs verursachen. Dann berechneten sie, welcher Anteil dieser Krebsarten sich auf bestimmte Infektionen zurückführen lässt. Diese Anteile wandten sie auf globale Datenbanken neuer Krebsfälle an. Das ist eine Modellrechnung, keine Zählung einzelner Patienten, und die Schätzungen tragen die Unsicherheit der zugrunde liegenden Register. Die regionale Verteilung ist sehr unterschiedlich. Wohlhabende Länder, die in den vergangenen Jahrzehnten Screening- und Impfprogramme aufgebaut haben, stehen deutlich besser da als Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen der Zugang zu Prävention und Behandlung begrenzt ist. "Wir haben wirklich noch viel Arbeit vor uns, um Dinge umzusetzen, von denen wir wissen, dass sie funktionieren, und die wir seit Langem kennen, die aber noch nicht alle Bevölkerungsgruppen der Welt erreicht haben", sagte Clifford.

In Nordamerika ist die Last viel geringer, doch H. pylori und HPV bleiben die häufigsten Quellen. In Kanada lag der Anteil der auf Infektionen zurückzuführenden Krebserkrankungen laut einer von CBC zitierten Studie aus dem Jahr 2019 schätzungsweise bei vier Prozent. Karena Volesky, Epidemiologin in Montreal, die das kanadische Forschungsteam an der McGill University leitete, sagte CBC, die neuen globalen Zahlen zeigten, wie wichtig jede der 12 Infektionen sei.

41 Millisekunden Unterschied zwischen Ausatmen und Einatmen

Am selben Tag meldete die Northwestern University ein ganz anderes Ergebnis. Neurowissenschaftler dort fanden heraus, dass die Reaktionsgeschwindigkeit beim Ausatmen im Mittel um 41 Millisekunden schneller ist als beim Einatmen, also etwa ein Fünfundzwanzigstel einer Sekunde. Auch während der Atempausen ist die Reaktionsgeschwindigkeit um 21 Millisekunden schneller als beim Einatmen. Laut der Mitteilung der Universität vom 29. September ist es das erste Experiment, das die Reaktionsgeschwindigkeit in allen Phasen der Atmung misst, einschließlich der Pausen zwischen den Atemzügen.

Die Arbeit "Response speed is modulated by respiratory phase" erschien in der Zeitschrift iScience, die bei Cell Press veröffentlicht wird. Ken Paller, James Padilla Professor of Psychology an der Northwestern University, ist Seniorautor; die Neurowissenschaftlerin Erika M. Yamazaki, früheres Mitglied von Pallers Labor, ist Erstautorin. 35 Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren absolvierten eine Psychomotorische Vigilanzaufgabe. Sie drückten die Leertaste so schnell wie möglich, wenn ein rotes Quadrat gelb wurde, und trugen dabei ein einfaches Gerät unter den Nasenlöchern zur Messung des Luftstroms. Jeder Teilnehmer erledigte die Aufgabe zweimal, einmal vor und einmal nach einem Nickerchen oder einem achtstündigen Schlaf im Labor.

"Mit einer greifbaren und leicht verständlichen Aufgabe konnten wir die Beziehung zwischen Atmung und Kognition zeigen, für die hoffentlich Menschen in verschiedenen Fachgebieten eine Anwendung finden", sagte Yamazaki in der Mitteilung. "Die Erforschung der Verbindung von Gehirn und Körper ist noch ein junges Forschungsfeld, was die Ergebnisse der Studie umso spannender macht." Paller äußerte sich vorsichtig zum Mechanismus. "Diese Studie dokumentiert einen wichtigen Zusammenhang zwischen der Atmung und den Hirnsystemen, mit denen wir auf Ereignisse in der Umwelt reagieren", sagte er. "Wir wissen noch nicht genau, wie sie verbunden sind, aber wir vermuten neurophysiologische Effizienz, weil andere Studien gezeigt haben, dass verschiedene Hirnoszillationen mit den Rhythmen der eigenen Atmung synchronisiert sind."

Pallers Labor betreibt inzwischen verwandte Forschung, die von den National Institutes of Health finanziert und von Yamazaki geleitet wird und sich auf Schlafapnoe konzentriert, die schädlichen Atempausen im Schlaf, die oft zu selten diagnostiziert und unzureichend behandelt werden. Die Forscher hoffen, dass nichtinvasive Strategien zur Verbesserung des Schlafs, ein Ansatz, der manchmal als Schlaf-Engineering bezeichnet wird, einige Folgen schlechten Schlafs abmildern. Die Stichprobe ist hier klein, 35 Personen, und der Effekt liegt bei einigen Dutzend Millisekunden. Es ist ein Laborbefund zum Zeitpunkt eines Tastendrucks, kein Wearable-Produkt. Doch er gehört in denselben Forschungsbereich wie die kardiopulmonale Überwachung, die in diesem Monat die Fachzeitschriften füllt, und er verweist auf dieselbe Frage: Wie viel vom Rhythmus des Körpers lässt sich unaufdringlich messen, und was sagt diese Messung tatsächlich voraus.

KI-Nutzung ohne Leitlinien und die Scham, die folgt

Die dritte Septemberstudie handelt von Verhalten, nicht von Biologie. Das Nieman Journalism Lab berichtete am 28. September über eine Arbeit mit dem Titel "Guidance over guidelines? Unpacking the uses and concerns of generative AI in communication science", die in Information, Communication and Society erschien. Forscher der National Yang Ming Chiao Tung University in Taiwan, der Universität Amsterdam und der Universität Utrecht befragten mehr als 1.100 Kommunikationswissenschaftler aus 77 Ländern und führten vier Fokusgruppendiskussionen. Die Studie fand eine Kluft zwischen dem, was Forscher glauben, und dem, was sie tun.

Fast 70 Prozent der Befragten hatten generative KI bereits für mindestens eine forschungsbezogene Aufgabe genutzt, doch die meisten hielten den KI-Einsatz für die meisten forschungsbezogenen Aufgaben für unangemessen. Knapp über die Hälfte bezeichnete die Nutzung von KI zum Schreiben von Texten (55 Prozent) und zum Generieren von Code (50,4 Prozent) als angemessene Anwendungsfälle. Die Autoren merken an, dass die Teilnehmer keinen Konsens darüber erzielten, was als ethische Nutzung gilt. Ohne institutionelle Leitlinien setzen Forscher ihre eigenen Maßstäbe, und das erzeugt Stigmatisierung.

Die Autoren beschreiben ein Transparenzparadox: Forscher können eine ethische Verpflichtung empfinden, generative KI-Unterstützung offenzulegen, während sie befürchten, dass die Offenlegung ihre Arbeit weniger authentisch oder glaubwürdig erscheinen lässt. "So verständlich dieses Zögern ist, da die Angabe der GenAI-Nutzung die Chancen auf eine Veröffentlichung verringern könnte, behindert es letztlich die offene Diskussion darüber, wie diese Werkzeuge ethisch und verantwortungsvoll in der Forschung eingesetzt werden können", heißt es in der Studie. "Transparenz ist daher wesentlich, denn wirksame und sinnvolle Leitlinien lassen sich nur entwickeln, wenn wir verstehen, wann und wie GenAI genutzt wird." Die Autoren empfehlen der kommunikationswissenschaftlichen Gemeinschaft, also Einzelpersonen, Institutionen und Fachzeitschriften, eine offenlegungsfreundliche Kultur aufzubauen. Forscher sollen die Arbeitsschritte offenlegen, in denen sie generative KI verwendet haben. "GenAI einfach zu verbieten oder so zu tun, als werde sie nicht genutzt, ist weder nachhaltig noch konstruktiv", schreiben sie. Hannes Cools, einer der Forscher, fasste die Umfrage am 28. September auf Bluesky zusammen und bezeichnete sie als erste systematische, feldweite, internationale empirische Untersuchung der GenAI-Praktiken in der Kommunikationsforschung.

Was sie verbindet

Keine dieser drei Studien handelt von einem Verbrauchergerät. Genau das ist an einem Tag erwähnenswert, an dem die Schlagzeilen zur Gesundheitstechnologie von Wearables, Sensoren und KI-Triage-Werkzeugen beherrscht werden. Zwei der Arbeiten befassen sich mit Dingen, die der Körper von selbst tut: einer Infektion, die Jahre später zu Krebs wird, einem Atemzug, der die Reaktionszeit um Millisekunden verschiebt. Die dritte handelt davon, wie Fachleute sich verhalten, wenn ein neues Werkzeug schneller da ist als die Regeln dafür.

Die Infektionsarbeit hat die größten politischen Folgen, weil sie auf Impfstoffe, Antibiotika und Screening-Programme verweist, die es bereits gibt. Die Atemarbeit hat die kleinsten unmittelbaren Folgen, weil sie ein Laborexperiment mit 35 Personen ohne zugehöriges Produkt ist. Die KI-Arbeit hat die unangenehmsten Folgen, weil sie nahelegt, dass die Lücke zwischen offiziellen Leitlinien und täglicher Praxis derzeit mit Schweigen gefüllt wird. Gemeinsam ist den drei Arbeiten eine methodische Vorsicht. Die Krebs-Schätzungen sind modellierte Anteile, keine Registrierungen. Der Atem-Effekt ist ein Mittelwert über eine kleine Stichprobe. Die KI-Umfrage beruht auf Selbstauskünften. Alle drei sind die Art von Ergebnis, die zu einer Schlagzeile verflacht wird, und alle drei kommen mit Einschränkungen, die die Autoren selbst zu Protokoll geben.

Für Leser, die speziell die digitale Gesundheit verfolgen, ist das nützliche Signal dieser Woche kein neues Gerät. Es ist die Tatsache, dass die Evidenzbasis für die eigenen Signale des Körpers, Atmung, Infektion, Immunantwort, noch zusammengesetzt wird und dass über die professionellen Normen für die Werkzeuge zu ihrer Analyse noch gestritten wird.

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Quellen

4
  1. 011 in 8 cancer cases worldwide are caused by infections, study findsEN
  2. 02Ready, set, exhale: Study links respiration and cognitionEN
  3. 03A lack of professional AI guidelines leads to feelings of "AI shame," a new study findsEN
  4. 04Studlark — AI-Powered Group Study SaaSEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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