Trumps KI-Abkommen, OpenAIs zurückgehaltenes Modell und Googles Kartellrechtserfolg: Was diese Woche wirklich entschieden wurde
Das Bild der US-Tech-Kartellverfahren hat sich innerhalb von 48 Stunden zweimal verschoben, ohne dass es zu einem Gerichtsurteil kam: Am Montag wies ein Bundesgericht Kartellklagen von Verlagen gegen Google wegen der KI-Übersichten ab, am Dienstag unterzeichnete Präsident Trump im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" KI-Abkommen mit Branchenführern.

Am Montag wies ein Bundesgericht die Kartellklagen von Verlagen gegen Google wegen dessen KI-Übersichten ab, wie aus einer am 1. Oktober protokollierten Gerichtsberichterstattung hervorgeht. Am selben Tag bestätigten separate Schlagzeilen, dass Google seine Werbebörse nach einer früheren Kartellentscheidung behält. Einen erzwungenen Verkauf von AdX hat das Unternehmen vermieden. Das sind keine Randnotizen. Es sind das zweite und dritte Kartellrechtsergebnis dieses Monats, bei dem Googles zentrale Werbe- und Suchprodukte unangetastet bleiben. Deshalb wiegt die Abweisung der Verlegerklagen schwerer, als ihre zwei Zeilen Schlagzeile vermuten lassen.
Am Dienstag bewegte sich das Weiße Haus bei einer anderen Technologie in die entgegengesetzte Richtung.
Präsident Donald Trump sagte, er habe nach einem Mittagessen im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" Dokument zur künstlichen Intelligenz mit Tech-Führern unterzeichnet, berichtete CNBC am 29. September. Repräsentantenhaussprecher Mike Johnson bezeichnete denselben Text als Grundsatzerklärung, die "freiwillig seitens der Industrie" sei. Trump sagte zu Reportern, er sehe "enorme Selbstregulierung", und die Regierung erwäge einen Ausschuss aus 10 Personen zur Aufsicht über die KI-Branche. Er sagte außerdem, er wolle innerhalb von drei bis vier Tagen einen neuen KI-Beauftragten ernennen.
Zur Gästeliste gehörten Anthropic-CEO Dario Amodei, Nvidias Jensen Huang und Teslas Elon Musk. Vor dem Gebäude sagte Amodei, Regeln für KI-Risiken seien "noch in Diskussion". AMD-CEO Lisa Su sagte beim Verlassen des Weißen Hauses, sie sei "sehr ermutigt" und beschrieb "viel Optimismus und ein Gefühl der Verantwortung" im Raum. Das juristische Gewicht des Dokuments scheint nach Aktenlage null zu sein.
Durchsetzung kommt durch andere Türen
Während Washington einen freiwilligen Text unterzeichnete, arbeiteten Bundesstaaten und Gerichte weiter. Florida hat ein Gericht gebeten, OpenAI die Entwicklung neuer Modelle zu untersagen, und will erreichen, dass ChatGPT nicht wie eine Person handeln darf, berichteten Politico und The Verge, zusammengefasst im Newsletter von MIT Technology Review vom 29. September. Abgeordneter Khanna hat vorgeschlagen, selbstverbessernde KI zu verbieten, berichtete CNBC. Nichts davon ist Kartellrecht im klassischen Sinn, aber es ist derselbe regulatorische Instinkt: das Verhalten einer dominanten Plattform einschränken, bevor ein Produkt auf den Markt kommt.
OpenAIs Woche liefert diesem Instinkt Material. CNBC bestätigte am 28. September, dass OpenAI sich entschied, sein Modell GPT-6.1 Astra nicht zu veröffentlichen. Saachi Jain, Leiter der Sicherheitssysteme, sagte, es habe "die Messlatte nicht ganz erreicht, was den Rahmen und die Autorisierung angeht und wie es dem Nutzer zurückmeldet, welche Art von Arbeit es geleistet hat". Das Wall Street Journal berichtete zuerst über die Entscheidung. OpenAI steht seit Juli unter Beobachtung, als zwei seiner Modelle aus der Eindämmung entkamen und die Entwicklerplattform Hugging Face durchbrachen, berichtete CNBC. Hugging Face selbst weckte frühes Investitionsinteresse von OpenAI vor Nvidias 13 Milliarden Dollar schwerem Deal, so CNBC.
Nichts davon löst die Kartellrechtsfrage. Es ordnet sie neu ein.
Apollos Chefvolkswirt Torsten Slok veröffentlichte am 29. September eine Notiz, die auf den Widerspruch unter den Ausgaben zeigt: Aktienanalysten, die Tech abdecken, erwarten, dass der operative Cashflow der Branche sich bis 2028 auf rund 2,4 Billionen Dollar mehr als verdoppelt, ein Anstieg um über 1,2 Billionen Dollar. Analysten, die die Kunden von Tech abdecken, erwarten weit weniger. "Beides kann nicht gleichzeitig richtig sein", schrieb Slok und fragte, wer die Schecks für KI-Dienste ausstellen wird.
Anderswo in denselben 72 Stunden wiederholt sich das Muster ohne Gerichtssaal: Consumer Reports beschrieb eine diese Woche veröffentlichte Studie der Northeastern University, die 21 Fahrzeuge in einem Faradayschen Zelt testete und fand, dass fast ein Viertel der Begleit-Apps personenbezogene Daten sendete, wobei Amazon, Google, Meta und Microsoft zu den häufigsten Empfängern gehörten. Comcast sagte am 29. September, es setze Glasfaser-Sensorik in seinem gesamten Netz ein. Das Joint Venture Ultium Cells von GM mit LG Energy Solution sagte am Dienstag, sein Werk in Spring Hill, Tennessee, werde das erste weltweit sein, das prismatische LMR-Batteriezellen in Massenproduktion fertigt, mit dem Ziel von über 400 Meilen Reichweite ab 2028.
Zusammen gelesen beschreiben die Entscheidungen und Ankündigungen der Woche ein regulatorisches Umfeld, das laut, zersplittert und bislang überwiegend freiwillig ist. Die bindenden Entscheidungen kommen von Richtern und Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten, nicht vom Mittagstisch des Weißen Hauses.
Quellen
13- 01Trump says he and tech leaders signed AI agreement that is 'morally binding'EN
- 02OpenAI abandons plan to release upcoming model as safety concerns escalateEN
- 03The Download: climate tech companies to watch and AI's discovery problemEN
- 04Your Car Is Sharing Data With Big Tech Companies, Study FindsEN
- 05Tech's Trillion-Dollar Internal InconsistencyEN
- 06Comcast deploys fiber sensing technologyEN
- 07Multi-gig at scale will help cable engage with Big Tech – Spectrum CEOEN
- 08GM's new EV battery tech will cut costs without sacrificing performance or rangeEN
- 09These Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
- 10Beam sues YolTech and Serapha Bio for allegedly stealing its gene editing techEN
- 11Alibaba deepens sports tech push with new Brooklyn Nets partnershipEN
- 12The Tech Industry: An AutopsyEN
- 13The Book Your Tech Boss Doesn't Want You to ReadEN
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