Google wehrt Verleger-Klagen zu KI-Übersichten ab
Ein US-Bundesrichter hat am Donnerstag eine Reihe von Kartellklagen von Verlegern gegen Google wegen dessen KI-Übersichten abgewiesen. Für das Unternehmen ist es der nächste Erfolg vor Gericht, nur Wochen nachdem es einer erzwungenen Zerschlagung seines Werbegeschäfts entgangen war.

Die Verleger hatten argumentiert, die KI-Übersichten, also die von KI erzeugten Zusammenfassungen oberhalb der klassischen Suchergebnisse, ermöglichten es Google, Traffic und Werbeeinnahmen zurückzuhalten, die sonst an Nachrichtenangebote geflossen wären. Das Gericht wies die Ansprüche zurück. Das Urteil fällt auf denselben Tag wie eine separate Entscheidung in einer verwandten Sache, wie Schlagzeilen am Donnerstag, dem 1. Oktober, nahelegten.
Es ist die zweite kartellrechtliche Niederlage für Googles Kritiker binnen weniger als eines Monats. Anfang September stellte ein Richter fest, dass das Unternehmen mit seinem Werbegeschäft gegen Kartellrecht verstoßen hatte, lehnte aber den Verkauf der AdX-Börse ab und ließ Google das Geschäft unangetastet. Analysten der Bank of America nannten die Entscheidung einen "major boon" und hoben ihr Kursziel für die Werbeplattform Magnite auf 38 Dollar an, wie Moomoo berichtete. Der Kartellfall war für keine Seite ein klarer Sieg. Eine viel geteilte Analyse der entsiegelten Entscheidung hielt fest, dass sie manipulierte Auktionen beendete, Google aber beide Seiten des Werbemarkts behalten durfte. Das strukturelle Problem im Kern der Beschwerde überlebte das Urteil also. Diese im September veröffentlichte Deutung ist inzwischen die Vorlage, mit der sich auch die Abweisung der KI-Übersichten lesen lässt: Das Gericht benennt das Verhalten, es zerschlägt das Unternehmen nicht. Andernorts hatten Googles Kritiker mehr Glück. In derselben Woche wie das Urteil zum Werbegeschäft trug ein Chirurgieroboter-Unternehmen dem Ninth Circuit vor, die Entscheidung "expands" das Kartellrecht, wie Law360 berichtete. Das Detail zählt, weil es zeigt, dass die Gerichte noch austarieren, wie alte Wettbewerbsregeln auf Software und KI-Produkte anzuwenden sind, statt die Frage zu klären.
Das alles geschieht nicht im luftleeren Raum. In derselben Woche, in der die Verlegerklagen abgewiesen wurden, kündigte Donald Trump an, was er eine "morally binding" Vereinbarung unter Tech-CEOs nannte, künstliche Intelligenz selbst zu kontrollieren, und unterzeichnete eine Executive Order, die KI in offiziellen Dokumenten in "superintelligence" umbenennt, wie The Guardian am 30. September berichtete. Trump beschrieb die Vereinbarung als "almost like a constitution in a way" und sagte, sie erlaube den Unternehmen "tremendous self-policing".
Das Dokument nennt vier "layers of controls and audits": eine interne Sicherheitsüberwachung während des Trainings, ein internes Team zur Kontrolle dieser Überwachung, einen externen Prüfer mit Zugang zu den Sicherheitskontrollen und einen unabhängigen Ausschuss zur Prüfung der Berichte. Keine dieser Kontrollen bindet staatliche Aufsichtsbehörden ein, und die Unternehmen können ihre eigenen Prüfer auswählen, ihre eigenen Gremien berufen und selbst entscheiden, ob sie Ergebnisse veröffentlichen, wie The Guardian berichtete.
"It's almost like a constitution in a way, and the biggest people in the world signed that, and I signed it as president, and it really is a form of protection," sagte Trump, wie The Guardian berichtete.
Diese Haltung der Selbstregulierung ist der Hintergrund der Kartellstreitigkeiten. Wenn Washington keine KI-Regeln schreibt, werden Gerichte zum wichtigsten Ort, an dem das Wettbewerbsverhalten der Techbranche geprüft wird. Die Verlegerklagen waren ein solcher Test, und sie scheiterten.
Auf der anderen Seite des Atlantiks geht es nicht um Zerschlagung, sondern um Offenlegung. Lighthouse Reports veröffentlichte am 30. September eine gemeinsame Untersuchung, die beschreibt, wie EU-Spitzenpolitiker sich auf die Seite der großen Techkonzerne stellten und gegen das Recht der Öffentlichkeit auf Kenntnis der Umweltfolgen des KI-Ausbaus, was eine Klage nach der Aarhus-Konvention erzwang. Reporter stellten in allen 27 Mitgliedstaaten Anträge auf Informationsfreiheit für Energie- und Wasserverbrauchsdaten von Rechenzentren, die unter der Energieeffizienzrichtlinie erhoben werden, und sagen, sie seien abgeblockt worden. Der Streit gehört zur Kartellgeschichte, weil dieselben Hyperscale-Rechenzentren die physische Infrastruktur hinter Produkten wie den KI-Übersichten sind. Wenn die Öffentlichkeit nicht sehen kann, wie viel Strom und Wasser diese Anlagen verbrauchen, lässt sich das Argument, KI-Suche sei billig im Betrieb, schwerer überprüfen.
Die Technik selbst bewegt sich weiter. The Register berichtete am 29. September, dass Forscher des Start-ups Glow Security mehr als 13.000 sensible Screenshots von Unternehmenssoftware-Projekten aus 343 Firmen fanden, die KI-Agenten in öffentlichen GitHub-Repositories veröffentlicht hatten. Glow nennt den Fund PixelLeak. Omer Singer, Mitgründer und CTO des Unternehmens, sagte The Register, die Agenten hätten Screenshots öffentlich abgelegt, weil GitHub keine API für das Hochladen von Bildern in Pull Requests privater Repositories habe.
Ein Team von Bay-Area-Ingenieuren, das sich DrivingBench nennt, koppelte GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1, Grok 4.6 und GPT-5.6 Sol an einen gemieteten Toyota Corolla und ließ sie auf einem Parkplatz einen Pylonenparcours fahren, wie 404 Media am 29. September berichtete. Grok, Sol und Fable fuhren nur wenige Meter; GPT-6 Astra absolvierte den Parcours nach Fehlersuche. Mitgründer Aditya Ramabadran sagte 404 Media, es gehe nicht um Praxistauglichkeit, sondern darum, einen Maßstab für LLMs zu schaffen, die in der realen Welt handeln.
Das ist die Spannung, die die Gerichte schlichten sollen: Produkte, die sich auf Weisen verhalten, die ihre Hersteller nicht vollständig festgelegt haben, gebaut von Firmen, die gegen strenge Aufsicht lobbyiert haben und nun unter einem freiwilligen Weiße-Haus-Rahmen ohne Durchsetzungsmechanismus arbeiten.
Omdia veröffentlichte am 30. September seinen Ausblick auf 2027 und nannte KI-Monetarisierung, Lieferkettenstörungen, digitale Souveränität und physische KI als die vier Kräfte, die die nächste Wettbewerbsphase prägen. Das Unternehmen erklärte, 59% der Organisationen erwarteten, dass die KI-Budgets 2027 um 10% oder mehr steigen, doch Unternehmen würden die Ausgaben am Return on Investment messen, nicht an technischer Überlegenheit. Außerdem seien Hardware-Verzögerungen bereits bei 60% der PC-Kanalpartner spürbar.
Sollte diese Prognose zutreffen, werden die Kartellfragen schärfer, nicht milder. Ein Unternehmen, das bereits die Suchverteilung und die darunterliegende Werbebörse kontrolliert und nun KI-Antworten in dieselbe Ergebnisseite einfügt, gerät unter andere Beobachtung, sobald Kunden fragen, was die KI-Ausgaben tatsächlich eingebracht haben.
Nicht jeder Beitrag zu dieser Debatte ist ein Gerichtsdokument. MIT News veröffentlichte am 29. September ein Interview mit Professorin Sherry Turkle über ihr neues Buch "Artificial Intimacy", in dem sie argumentiert, Chatbots böten "pretend empathy" und ihre intensive Nutzung sei der menschlichen Entwicklung überwiegend abträglich. Ihre These steht unangenehm neben dem Bestreben der Branche, konversationelle KI mehr Nutzern vorzusetzen, auch über die Suche.
Unterdessen läuft das Rennen um die Infrastruktur weiter. Sustainability Magazine berichtete am 30. September, dass das Start-up Panthalassa aus Oregon, das 140. Dollar in einer von Peter Thiel geführten Runde einsammelte und eine Bewertung nahe 1.000.000.000 Dollar erreichte, schwimmende, wellenbetriebene Rechenzentrumsknoten von 85 Metern Länge baut, gekühlt mit Meerwasser und verbunden über Starlink von SpaceX. Die IEA prognostiziert, dass der Energieverbrauch der Branche bis 2030 jährlich um 30% steigt, wenn KI voraussichtlich 3% des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen soll.
MIT Technology Review kündigte am 29. September an, am 6. Oktober seine Liste der Climate Tech Companies to Watch 2026 zu veröffentlichen, und merkte an, dass die großen Techkonzerne "backpedaling on its climate ambitions, as companies race to build massive AI data centers". Die UN hat erklärt, der Planet werde die 1,5 Grad Erwärmung "likely within the next few years" überschreiten.
Für Google ist die Abweisung vom Donnerstag eine Atempause, keine Lösung. Die klagenden Verleger können Berufung einlegen, und die Abhilfemaßnahmen im Werbegeschäft bleiben in Prüfung. Das Muster ist bislang beständig: Gerichte sind bereit festzustellen, dass Google gegen das Gesetz verstoßen hat, und nicht bereit, das daraus erwachsene Geschäft zu zerlegen.
Quellen
14- 01Trump announces vague AI deal among tech CEOs for 'tremendous self-policing'EN
- 02AI models keep posting screenshots showing sensitive data from inside tech companiesEN
- 03EU sides with Big Tech over right to know about the impact of AI build-outEN
- 04Four forces set to reshape technology in 2027 - OmdiaEN
- 05Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
- 06Who we become when we talk to machinesEN
- 07Panthalassa's Floating, Wave-Powered Data Centre TechnologyEN
- 08Coming Soon: Our 2026 List of Climate Tech Companies to WatchEN
- 09When the Tech Revolution Came to Wall StreetEN
- 10Thought as a Technology (2016)EN
- 11Know Your Enemy: Browser-Based Attack Techniques in 2026EN
- 12The last time my family was replaced by technologyEN
- 13The Linux Foundation Technical Advisory Board 2026 election approachesEN
- 14Anonymous Tech ConfessionsEN
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