Kartellrecht: Verleger scheitern mit Klage zu KI-Übersichten, Datenzentren bleiben im Dunkeln
Ein US-Gericht hat am Donnerstag die Kartellklagen von Verlegern gegen Google wegen der KI-Übersichten abgewiesen. Am selben Tag verlangte eine juristische Beschwerde in Europa von der Europäischen Kommission Transparenz bei Datenzentren.

Am Donnerstag wies ein US-Richter mehrere Kartellklagen von Verlegern gegen Google wegen der Funktion AI Overviews ab. Das geht aus der Gerichtsberichterstattung hervor, die news.google.com verfolgt. Die Kläger hatten argumentiert, Googles KI-generierte Suchzusammenfassungen entzögen Verlegern Traffic und Werbeeinnahmen.
Die Abweisung fällt einen Tag, nachdem eine Notiz der Bank of America das frühere Kartellurteil zum Werbegeschäft von Google als "major boon" bezeichnet und das Kursziel für die Werbeplattform Magnite auf 38 Dollar angehoben hatte. Über die Notiz berichtete Moomoo am Mittwoch. Jenes frühere Urteil vom September brach Googles Werbetechnologie-Monopol, ließ dem Konzern das Geschäft aber. Der Richter stellte fest, dass Google gegen Kartellrecht verstoßen hatte, und lehnte es dann ab, einen Verkauf der AdX-Börse zu erzwingen, wie news.google.com am 2. September berichtete. Eine separate Analyse vom 17. September merkte an, das Ergebnis "beende manipulierte Auktionen, lasse Google aber beide Seiten behalten". Beide Entscheidungen zusammen lassen Googles Kernwerbemaschine intakt, während seine KI-Suchprodukte einer neuen rechtlichen Prüfung entgehen.
Doch das regulatorische Bild ist für die großen Technologiekonzerne nicht durchweg freundlich. Am 30. September veröffentlichte Lighthouse Reports eine Untersuchung. Sie zeigt, dass die Europäische Kommission Anträge auf Daten zu Energie- und Wasserverbrauch von Datenzentren blockiert, die nach der Energieeffizienzrichtlinie erhoben wurden. Journalisten stellten in allen 27 Mitgliedstaaten Anträge auf Informationsfreiheit. Die daraus entstandene juristische Beschwerde an das Compliance-Komitee der Aarhus-Konvention argumentiert, die EU-Spitzen hätten sich auf die Seite der großen Technologiekonzerne gestellt. Damit stellten sie sich gegen das Recht der Öffentlichkeit, über die Umweltauswirkungen des KI-Ausbaus informiert zu werden.
Dieses Schweigen ist eine faktische Lücke, keine juristische Formalie. Die Richtlinie verlangt von Betreibern Angaben zum Gesamtenergieverbrauch, zur Nutzung erneuerbarer Energien, zur wiederverwendeten Abwärme, zum Wassereinsatz und zu Kältemitteltypen. Die Daten existieren. Die Kommission baut eine Website auf, um einige aggregierte Zahlen zu veröffentlichen. Doch Reporter fanden heraus, dass selbst Datenzentren in offiziellen Statistiken unsichtbar bleiben, die bei Anwohnern wegen Lärmbelästigung berüchtigt sind.
Unterdessen wachsen die technischen Risiken, die Regulierer prüfen könnten, weiter. Am 29. September berichtete The Register, dass Forscher von Glow Security mehr als 13.000 sensible Screenshots aus 343 Unternehmen fanden. KI-Agenten hatten sie in öffentlichen GitHub-Repos veröffentlicht. Omer Singer, Mitgründer und CTO von Glow, sagte der Publikation, Agenten legten Screenshots in öffentlichen Repositories ab, weil GitHub keine API für das Hochladen von Bildern in private Pull Requests habe. Ein Fall betraf einen Hersteller mit über 100.000 Beschäftigten. Dessen Sicherheitsteam wusste von den Beiträgen nichts, bis Glow sie meldete.
Trumps Antwort auf KI-Risiken, am Dienstag angekündigt, war eine freiwillige Vereinbarung namens Joint Commitment on Frontier Responsibilities. The Guardian berichtete, der Deal habe keine Durchsetzungsmechanismen und erlaube Unternehmen, eigene Gutachter und Aufsichtsgremien zu wählen. Trump unterzeichnete außerdem eine Executive Order, die künstliche Intelligenz in der gesamten Exekutive in "superintelligence" umbenennt. Beim Mittagessen dabei waren Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jensen Huang und Dario Amodei.
Branchenprognosen machen das regulatorische Bild noch komplizierter. Omdia erwartet, dass 2027 59 Prozent der Organisationen steigende KI-Budgets um 10 Prozent oder mehr erwarten. Der Druck wandert dabei von technischer Überlegenheit zum Return on Investment. Allein die Auslieferungen humanoider Roboter sollen bis 2030 mehr als 700.000 Einheiten übersteigen. Je stärker KI in physische Infrastruktur vordringt, desto mehr Kartell- und Transparenzfragen folgen.
Auch kleinere Signale deuten auf einen Stimmungswandel. Am 29. September veröffentlichte MIT News ein Interview mit Professorin Sherry Turkle über ihr neues Buch "Artificial Intimacy". Darin argumentiert sie, die Nutzung von Chatbots sei für die menschliche Entwicklung "broadly detrimental". 404 Media berichtete, drei Tech-Arbeiter aus der Bay Area hätten GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1, Grok 4.6 und GPT-5.6 Sol an einen Toyota Corolla angeschlossen. Nur Astra absolvierte einen Parcours aus Pylonen auf einem Parkplatz. Keines der beiden Themen ist ein Kartellfall. Doch beide verweisen auf dieselbe Frage, um die Regulierer weiter kreisen: Was genau tun diese Systeme, und wer darf die Belege sehen?
Vorerst fällt die rechtliche Bilanz uneinheitlich aus. Google hat die Zerschlagung im Werbegeschäft und die Verlegerklagen zu AI Overviews überstanden. Die EU-Kommission sieht sich einer förmlichen Beschwerde wegen der Geheimhaltung bei Datenzentren gegenüber. Und der US-Präsident hat verbindliche Regulierung durch ein freiwilliges Versprechen und eine Umbenennung ersetzt. Der nächste Test wird sein, ob eine dieser Entscheidungen die Ökonomie der KI-Infrastruktur verändert oder nur das Vokabular, mit dem sie beschrieben wird.
Quellen
6- 01EU sides with Big Tech over right to know about the impact of AI build-outEN
- 02AI models keep posting screenshots showing sensitive data from inside tech companiesEN
- 03Trump announces vague AI deal among tech CEOs for 'tremendous self-policing'EN
- 04Four forces set to reshape technology in 2027 – OmdiaEN
- 05Who we become when we talk to machinesEN
- 06Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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