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Crusoe stoppt Boom-Turbinen, Google testet orbitales Rechenzentrum

Crusoe hat einen Plan über 1,25 Mrd. Dollar fallen gelassen, seine KI-Rechenzentren mit Turbinen von Boom Supersonic zu betreiben. Die Branche löst ihre Energie- und Kühlprobleme offenbar Deal für Deal, nicht auf einen Schlag.

TechnologieAnalyseLena BrandtVeröffentlicht: 28. September 20264 Min. LesezeitQuellen 7
Crusoe stoppt Boom-Turbinen, Google testet orbitales Rechenzentrum

Crusoe baut in Denver KI-Rechenzentren. Das Unternehmen wollte eine neue Reihe stationärer Kraftwerke des ebenfalls in Denver sitzenden Herstellers Boom Supersonic nutzen. Diese Pläne sind beendet, wie TechCrunch am 25. September berichtete. Der Deal hatte einen Wert von 1,25 Mrd. Dollar für 29 von Booms 42-Megawatt-Turbinen des Typs Superpower. Die ersten Lieferungen sollten 2027 erfolgen.

Boom-CEO Blake Scholl schrieb auf X, die Unternehmen würden die Partnerschaft zum Start der Turbine nicht weiterverfolgen. Weitere Kunden seien in der Pipeline. Crusoe-Sprecher Andrew Schmitt sagte zu TechCrunch, die Energiepläne des Unternehmens hätten sich „nicht geändert“. Man wolle weiterhin Turbinen einsetzen, „nur nicht die von Boom“.

Die Trennung ist wichtig, weil Crusoe zu den größten Bauherren von KI-Rechenzentren gehört. Dazu zählt ein Campus in Abilene, Texas, der OpenAI mit Rechenleistung versorgt. Das erste Rechenzentrum dort mit 1,2 Gigawatt läuft am Netz, ein Gasturbinenkraftwerk dient nur als Backup. Eine zweite Anlage in Abilene mit 900 Megawatt für Microsoft soll mit Gasturbinen vor Ort betrieben werden. Der Verlust des ersten Kunden ist ein Rückschlag für Boom. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 300 Mio. Dollar eingesammelt, vor allem um das Geschäft mit stationärer Energie zu kommerzialisieren.

Das Netz ist der Engpass

Am selben Tag meldete The Register, das US-Energieministerium habe 5,25 Mrd. Dollar für Netzverbesserungen angekündigt. Darunter sind 1,9 Mrd. Dollar Bundesmittel und 3,35 Mrd. Dollar an Kostenbeteiligung. Das Programm umfasst 31 Projekte in 26 Bundesstaaten. Es soll mindestens 23 Gigawatt Kapazität hinzufügen. Dafür werden mehr als 1.500 Meilen Übertragungsleitungen neu bestückt oder neu gebaut und netzverstärkende Technologien auf 21.000 Meilen Infrastruktur eingesetzt.

Energieminister Chris Wright sagte in einer Erklärung, die Investitionen würden „mehr aus der Infrastruktur herausholen, die wir bereits haben“. Sie sollten helfen, bezahlbaren, zuverlässigen Strom zu liefern. The Register merkte jedoch an, dass das Programm nicht ausreichen könnte. Moody's hatte bereits im September gewarnt, der Bau von Rechenzentren überhole die Fähigkeit des Netzes, Kapazität hinzuzufügen. Die Agentur schätzt den Stromverbrauch von US-Rechenzentren auf 426 TWh bis 2030, fast doppelt so viel wie 2025.

Wo das Netz nicht hinkommt, schauen Betreiber nach oben. Google bereitet den Start eines experimentellen Satelliten namens MVP am 1. Oktober an Bord einer SpaceX Falcon 9 vor. Er gehört zum Projekt Suncatcher, mit dem Google orbitale KI-Rechenzentren testen will, wie Ars Technica am 24. September berichtete. Der Satellit ist etwa so groß wie ein Kühlschrank. Er trägt vier von Googles eigenen TPU-Beschleunigern und Solarpaneele, die rund ein Kilowatt Leistung liefern, so die New York Times, auf die sich Ars Technica und Tom's Hardware berufen.

Die Kühlung ist der schwierige Teil. Googles System nutzt ein formbares thermisches Interface-Material, das die Chips mit Wärmerohren aus Aluminium und Kupfer verbindet. Diese leiten die Wärme in einen Radiator, der sie in den Weltraum abstrahlt. Trotzdem können die TPUs nur in Schüben von etwa 15 Minuten laufen. Danach müssen sie abschalten, damit die Radiatoren hinterherkommen. Google will Gemini-Modelle auf der Hardware testen.

James Manyika, bei Google Senior Vice President of Research, sagte der Times, das Unternehmen erwarte „nichts, was in den nächsten Jahren sinnvoll einsatzfähig wäre“. Er verglich das Vorhaben mit Googles Programm für fahrerlose Autos. Dessen Testphase dauerte rund 15 Jahre, bevor etwas ausgeliefert wurde.

Regulierer und Anwohner wehren sich

Auf dem Boden wird die Durchsetzung schärfer. New Jersey verpflichtete DataOne zu einer Strafe von 1,1 Mio. Dollar. Der Betreiber eines der größten geplanten Rechenzentren an der Ostküste hatte heimlich 62 Gasgeneratoren installiert und betrieben, gegen den Air Pollution Control Act des Bundesstaates. Das berichtete Ars Technica am 24. September. Die Untersuchung von The Guardian und Floodlight News nutzte Wärmebild-Drohnenaufnahmen, auf denen 45 der Generatoren liefen. Keiner hatte eine Genehmigung, obwohl sie mit 1.982 Kilowatt liefen, mehr als das 50-Fache der Schwelle des Bundesstaates.

DataOne erhielt 45 Tage Zeit, Genehmigungen zu beantragen oder den Betrieb einzustellen. Die Motoren darf das Unternehmen weiterlaufen lassen, während es sie beantragt. Nichole Gardner von der lokalen Organisation Sustain SJ sagte zu Ars, die Strafe sei „unzureichend, sowohl bei der Summe als auch bei der Durchsetzung“. Das Unternehmen sagte der New York Times, es sei mit der Strafe „nicht einverstanden“ und werde die Luftgenehmigungen beantragen.

Das Muster beschränkt sich nicht auf die USA. In Devon, England, zeigen Dokumente aus Informationsfreiheitsanträgen: Der Bezirksrat von Torridge unterstützte das vorgeschlagene 1,5-GW-KI-Rechenzentrum von Xlinks mehr als ein Jahr, bevor die Öffentlichkeit davon wusste. Das geht aus einem Guardian-Bericht hervor, über den The Next Web am 27. September berichtete. Der Rat schickte im April 2025 ein Unterstützungsschreiben, bevor es eine Umweltstudie oder eine öffentliche Konsultation gab. Xlinks gibt die Kosten mit bis zu 13,8 Mrd. Pfund an.

In Australien argumentieren Beamte, die Gegenreaktion sei ein amerikanischer Import. Belinda Dennett von Data Centres Australia sagte im März, „Australiens Rechenzentrumsdebatte wird mit Amerikas Fakten geführt“. Sie merkte an, die USA hätten 5.400 Rechenzentren mit 53,7 Gigawatt Kapazität, Australien dagegen 252 mit 1,4 Gigawatt. The Guardian merkte an, was Dennett ausließ: pro Kopf hat Australien knapp ein Rechenzentrum pro 100.000 Einwohner, in den USA sind es 1,5.

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Quellen

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  1. 01Crusoe abandons $1.25B plan to use Boom turbines at AI data centersEN
  2. 02Uncle Sam coughs up $1.9B for grid upgrades as datacenters hit a power wallEN
  3. 03Google's first Suncatcher orbital data center test launches October 1EN
  4. 04Google's orbital AI data center test packs four TPUs and 1,000W of solar powerEN
  5. 05New Jersey fines data center $1.1M after drone pics expose 62 gas generatorsEN
  6. 06Council backed Devon AI datacentre before it went public, Guardian reportsEN
  7. 07Australian backlash to datacentres is faux import from US, officials say: 'We are not the United States'EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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