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Strom und Kühlung für Rechenzentren: orbitale TPUs, Geld fürs Netz und ein Unmut, der nicht abkühlt

Geely hat am 28. September zugestimmt, 30% an Nio Power zu übernehmen. Der Konzern bringt dafür 640 Millionen Yuan in bar und seine Wechsel-Assets von Yiyi Power in Nios Ladegeschäft ein. Das ist das jüngste Zeichen dafür, dass das Geld in die Energie- und Wärmeinfrastruktur wandert und nicht in die Chips.

TechnologieAnalyseLena BrandtVeröffentlicht: 28. September 20267 Min. LesezeitQuellen 10
Strom und Kühlung für Rechenzentren: orbitale TPUs, Geld fürs Netz und ein Unmut, der nicht abkühlt

Bei dem Geschäft geht es um Autos. Doch dieselbe Logik treibt in dieser Woche auch die Rechenzentrumsbranche an: Wer die Energie und die Wechselschicht besitzt, besitzt das Geschäft, nicht wer die Box baut. Strom und Kühlung sind die Engstelle. Alles andere kommt danach.

Im Orbit fehlen Google nur noch Tage bis zum Start. Ars Technica berichtete am 24. September, der Satellit namens MVP solle am 1. Oktober im Rahmen des Transporter-18-Rideshare an Bord einer SpaceX Falcon 9 fliegen. Er ist etwa so groß wie ein Kühlschrank und trägt vier der eigens entwickelten TPU-Beschleuniger von Google. Die Solarmodule liefern laut The New York Times, zitiert von Ars Technica und Tom's Hardware, rund ein Kilowatt. Tom's Hardware nannte in seinem Beitrag vom 26. September als Startfenster „next week“ und als Startplatz die Vandenberg Space Force Base in Kalifornien. Ein Kilowatt ist nicht viel.

Googles eigener Senior Vice President of Research, James Manyika, wurde gegenüber der Times deutlich. „We don't expect, to be perfectly frank, that we'll have anything usefully operational in the next few years“, sagte er. Er verglich das Vorhaben mit Googles fahrerlosem Autoprogramm, das nach seinen Worten „like 15 years before anything showed up“ getestet wurde.

Das Kühlungsproblem ist der interessante Teil, denn es ist dasselbe Problem, in das die Branche an Land Milliarden steckt. Im Weltraum gibt es keine Luft, Lüfter sind also nutzlos. Ars Technica beschreibt Googles Ansatz: Eine Schicht aus formbarem thermischem Interface-Material verbindet die Chips mit Wärmerohren aus Aluminium und Kupfer. Diese leiten die Wärme in einen Radiator, der sie in den Weltraum abstrahlt. Die Strahlung ist das zweite Problem, denn sie kann Bits umkippen und Berechnungen verfälschen. Tom's Hardware berichtet, Googles Antwort sei derzeit, die Chips regelmäßig neu zu starten. Selbst damit können die vier TPUs nur etwa 15 Minuten laufen. Dann müssen sie abschalten, damit die Radiatoren hinterherkommen.

Der Satellit soll laut Tom's Hardware bis zu ein Jahr lang KI-Anfragen bearbeiten und bis zu sechs Jahre im Orbit bleiben, bevor er wieder eintritt. Google hat erklärt, der nächste Schritt seien zwei Satelliten, langfristig sei ein Netz aus Flotten von mehr als 80 Satelliten das Ziel. Ars Technica merkt an, ursprünglich seien zwei maßgeschneiderte Satelliten für 2027 geplant gewesen. Google habe das Tempo erhöht, indem es seine Chips in einen Satelliten integrierte, den Planet Labs bereits gebaut hatte. Die Starts 2027 stehen weiter auf der Agenda.

Zurück auf dem Boden fließt das Geld in die entgegengesetzte Richtung: in Leitungen. The Register berichtete am 25. September, das US-Energieministerium habe 5,25 Milliarden Dollar für Netzverbesserungen angekündigt, bestehend aus 1,9 Milliarden Dollar Bundesmitteln und 3,35 Milliarden Dollar an Kostenbeteiligung. Das Programm umfasst 31 Projekte in 26 Bundesstaaten. Es soll mindestens 23 Gigawatt zusätzliche Kapazität erschließen. Dafür werden mehr als 1.500 Meilen Übertragungsleitungen neu bespannt oder neu gebaut und netzverbessernde Technologien auf 21.000 Meilen eingesetzt. „These investments will get more out of the infrastructure we already have, move more electricity across the grid, and help deliver affordable, reliable, and secure power that will fuel American prosperity for decades to come“, sagte US-Energieminister Chris Wright in einer Erklärung, so The Register.

Derselbe Beitrag enthält eine Warnung von Moody's. Das Haus erklärte Anfang September, das Tempo des Rechenzentrumsbaus übersteige die Geschwindigkeit, mit der das US-Netz Kapazität zubauen kann. Moody's schätzt, dass der Stromverbrauch von US-Rechenzentren bis 2030 auf 426 TWh steigen wird, fast das Doppelte des Werts von 2025. Diese Lücke soll das Geld des Energieministeriums verkleinern. The Register sagt ausdrücklich, dass es womöglich nicht reicht.

Die Lieferketten verschieben sich unter der Belastung bereits. TechCrunch berichtete am 25. September, Crusoe habe einen Plan über 1,25 Milliarden Dollar aufgegeben, 29 der 42-Megawatt-Superpower-Turbinen von Boom Supersonic zu kaufen. Diese Turbinen sollten die ersten Lieferungen eines neuen stationären Stromgeschäfts werden. Boom-CEO Blake Scholl verkündete die Trennung in einem Beitrag auf X. Crusoe-Sprecher Andrew Schmitt sagte TechCrunch, die Energiepläne des Unternehmens hätten sich „nicht geändert“ und es wolle weiter Turbinen nutzen, „nur nicht die von Boom“. Scholl schrieb, Boom werde nächstes Jahr etwa 250 MW Superpower an andere Standorte liefern und peile 2028 1 GW an.

Nicht alle akzeptieren die Darstellung, der Unmut sei von selbst gewachsen. The Guardian berichtete am 26. September, australische Politiker und Manager bezeichneten den Widerstand der Bevölkerung gegen KI-Rechenzentren als unechten Import aus den USA. Victorias damaliger Minister für Wirtschaftswachstum, Steve Dimopoulos, sagte, US-Kampagnen „shape public opinion in Australia“, und erklärte: „We are not the United States. Our planning, energy and water systems are much more carefully monitored, managed and regulated.“ Belinda Dennett von Data Centres Australia sagte, die USA hätten 5.400 Rechenzentren mit 53,7 GW Kapazität, Australien dagegen 252 mit 1,4 GW.

Die eigene Berichterstattung des Guardian untergräbt diese Darstellung. Australien hat bei 28 Millionen Einwohnern knapp ein Rechenzentrum pro 100.000 Menschen, gegenüber 1,5 pro 100.000 in den USA. Mehrere Projekte mit 1 GW oder mehr sind in Planung, darunter ein 2,4-GW-Zentrum bei Melbourne und ein gasbetriebenes 2-GW-Zentrum im Northern Territory. Rob Nicholls von der University of Sydney sagte dem Guardian, das aus den USA stammende Argument sei rational: „It's going to increase the cost of electricity and it's going to increase the cost of water and I don't get a benefit from it.“

In Indien geht der Streit darum, wer zahlt. The Guardian berichtete am 26. September, Googles 15 Milliarden Dollar teures KI-Rechenzentrumsprojekt in Andhra Pradesh sei öffentlich als 1 GW angekündigt worden. Die Umweltgenehmigungen des Bundesstaats erlauben jedoch mehr als das Doppelte, nämlich 2,51 GW. Über ein Jahr gerechnet entspreche das, so der Guardian, mehr als 30% des derzeitigen Energieverbrauchs von Andhra Pradesh, eines Bundesstaats mit mehr als 55 Millionen Menschen. Die Genehmigungen wurden in neun Tagen ohne öffentliche Anhörung erteilt, und drei Petitionen wurden beim National Green Tribunal Indiens eingereicht. Google sagte dem Guardian, es beschreibe das Projekt als „gigawatt scale AI hub“, vergleichbar mit anderen.

In Großbritannien ist die Beschwerde über Geheimhaltung verfahrensrechtlich. The Next Web berichtete am 27. September über eine Guardian-Recherche, wonach der Torridge District Council in North Devon ab März 2025 vertrauliche Gespräche mit dem Entwickler Xlinks führte und im April 2025 ein Unterstützungsschreiben schickte, bevor irgendeine Umweltstudie oder öffentliche Anhörung vorlag. Xlinks plant einen 1,5-GW-KI-Rechenzentrumscampus und einen 1,8-GW-Batteriespeicher auf etwa 344 Hektar bei Great Torrington, zu angegebenen Kosten von bis zu 13,8 Milliarden Pfund. Ein Dokument zeigte, dass der Standort bei extremer Hitze und Dürre etwa 2,9 Milliarden Liter Wasser pro Jahr verbrauchen könnte. Xlinks sagte dem Guardian, diese Zahl stamme aus einem alten Entwurf. Eine nationale Petition hat 36.000 Unterschriften überschritten, und die Regierung lehnte am 17. September ein Moratorium ab.

Wired berichtete am 27. September, bei einer Climate-Week-Podiumsdiskussion zu KI und Rechenzentren hätten Protestierende von Extinction Rebellion NYC die Tech-Manager mehrfach unterbrochen. Crusoe-Mitgründer Cully Cavness sagte, er denke noch Minuten später über die Unterbrechung nach. Wired-Autorin Molly Taft merkt an, Umfragen zeigten, dass das Klima für viele Wähler bei den Sorgen rund um Rechenzentren ganz unten rangiert, hinter Wasser, Energieverbrauch und Rechnungen sowie lokaler Luft- und Lärmbelastung.

Der Arbeitsmarkt macht die Geschichte vom Unmut komplizierter. CNBC berichtete am 26. September, der Bau von Rechenzentren ziehe Handwerksberufe an. ZipRecruiter-Arbeitsökonomin Nicole Bachaud sagte, Stellenausschreibungen für Schweißer und Rohrschlosser seien im Jahresvergleich um 164% gestiegen, und das durchschnittliche Mindestgehalt für Rechenzentrumsjobs sei im Jahresvergleich um 125,1% auf fast 208.000 Dollar gestiegen. Maria Flynn, CEO von Jobs for the Future, sagte, ein Auszubildender zum Techniker könne 40.000 bis 60.000 Dollar mit nach Hause nehmen, erfahrene Elektriker mehr als 100.000 Dollar. CNBC merkt zudem an, dass viele Baujobs befristet sind und dass Vorstöße in New York und Texas, die Entwicklung zu bremsen, diese Nachfrage treffen könnten.

Zusammengenommen deuten die Nachrichten der Woche auf eine einzige Engstelle. Google testet, ob ein Radiator ein paar hundert Watt in die Leere abgeben kann. Die USA geben 5,25 Milliarden Dollar aus, um 23 GW aus bestehenden Leitungen herauszuholen. Crusoe sucht Turbinen, die nicht von Boom sind. Aktivisten in Devon fragen, wie das größte Infrastrukturvorhaben des Landes „almost exclusively in secret“ durchgezogen werden kann, mit den Worten von Emily Clark von der Devon Datacentre and BESS action group, zitiert von The Next Web. Und in Andhra Pradesh sagte ein Dorfvorsteher namens BRB Naidu dem Guardian, er sei hin- und hergerissen, ob der Campus Wohlstand oder Verderben bringt.

Googles Manyika gibt der orbitalen Version 15 Jahre. Die irdische Version hat so lange nicht.

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Quellen

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  1. 01Google's first Suncatcher orbital data center test launches October 1EN
  2. 02Google's orbital AI data center test packs four TPUs and 1,000W of solar powerEN
  3. 03Uncle Sam coughs up $1.9B for grid upgrades as datacenters hit a power wallEN
  4. 04Crusoe abandons $1.25B plan to use Boom turbines at AI data centersEN
  5. 05Australian backlash to datacentres is faux import from US, officials say: 'We are not the United States'EN
  6. 06Broken promises, confiscated land: the hyperscale AI datacentre being built in a tiny Indian villageEN
  7. 07Council backed Devon AI datacentre before it went public, Guardian reportsEN
  8. 08The blue-collar AI job market is booming. Will data center backlash make it go bust?EN
  9. 09The Data Center Backlash Should Also Be a Climate Reckoning. It Isn't YetEN
  10. 10BREAKING: Geely to take 30% stake in Nio Power through battery swap assets and cashEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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