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EU-Rat drängt mit "Search Plans" auf Legalisierung von Massen-Chatscans vor dem Trilog

EU-Mitgliedstaaten versuchen, mit "Search Plans" die umfassende Durchsuchung privater Chats noch vor den entscheidenden Trilog-Verhandlungen am Dienstag zu legalisieren. Das geht aus internen Ratsdokumenten hervor, die heise online am 29. September zugespielt wurden. Der Juristische Dienst des Rates hat selbst gewarnt, der Ansatz verstoße wahrscheinlich gegen EU-Recht.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 29. September 20263 Min. LesezeitQuellen 9
EU-Rat drängt mit "Search Plans" auf Legalisierung von Massen-Chatscans vor dem Trilog

Das Leck kommt Stunden, bevor am Dienstag die Unterhändler von Rat, Parlament und Kommission zusammenkommen. Laut heise online zeigen die Dokumente, dass die Regierungen den nationalen Justiz- oder unabhängigen Verwaltungsbehörden die Möglichkeit geben wollen, Anbietern von Chats und E-Mails vorübergehende Pauschalermächtigungen zu erteilen. Damit könnten diese den Inhalt von Nachrichten durchsuchen. Die Taktik soll den derzeitigen Zustand von "Chatkontrolle 1.0" festschreiben, in dem Unternehmen wie Facebook und Google freiwillig nach Missbrauchsmaterial suchen.

Das ist kein kleines Detail. Der Rat besteht darauf, dass ein dauerhaftes Gesetz nicht hinter diesen bestehenden Scanpraktiken zurückbleiben darf. Der frühere EU-Abgeordnete Patrick Breyer, den heise zitiert, warnt: Die Search Plans würden in der Praxis bedeuten, dass Millionen unschuldiger Nutzer in Teilen eines Dienstes ohne jeden Verdacht weiter durchsucht werden.

Die eigenen Juristen des Rates widersprechen

Der Juristische Dienst des Rates hat schon früh vor dem Kurs gewarnt, wie derselbe Bericht meldet. In seiner Stellungnahme heißt es, die Durchsuchung eines ganzen Dienstes oder von Teilen davon verstoße höchstwahrscheinlich gegen EU-Recht. Der Europäische Gerichtshof könnte sie als allgemeine und unterschiedslose Überwachung einstufen. Breyer wirft den Mitgliedstaaten vor, ein absehbares Scheitern vor den Richtern in Luxemburg bewusst in Kauf zu nehmen. Sollte die Verordnung nach Jahren politischer Debatte gekippt werden, stünden die Ermittler mit leeren Händen da. Kinder und Opfer verdienten rechtlich tragfähige Maßnahmen statt Sicherheitstheater, argumentiert er.

Die durchgesickerten Papiere beschreiben auch einen Rückfallplan. Sollten die Verhandlungen scheitern, hat die irische Ratspräsidentschaft einen Plan B: private Chats ganz aus der Verordnung herauszunehmen. Damit bliebe das vorübergehende System der Chatkontrolle 1.0 als dauerhaftes Schlupfloch für freiwillige Massenscans bestehen, berichtet heise. Das Parlament hält unterdessen an gezielten Ermittlungen und Prävention fest. Dazu gehören strengere Datenschutzeinstellungen, richterliche Kontrolle und der Verdacht gegen bestimmte Personen oder Gruppen. Hinzu kommt ein neues EU-Zentrum, das öffentlich zugängliche Inhalte proaktiv nach bekanntem Missbrauchsmaterial durchsucht. Etwa 75 Prozent der gemeldeten Chats sind rechtlich irrelevant, heißt es in demselben Bericht.

Speicherpreise zwingen Apple zum Handeln

Der regulatorische Streit ist nicht der einzige Ort, an dem Politik auf Hardwarekosten trifft. Apples neuer CEO John Ternus plant Berichten zufolge kleine Entlassungswellen in großen Teams und streicht Projekte, wie Bloomberg am Mittwoch meldete, unter Berufung auf Yahoo Finance. Der Speichermangel treibt die Komponentenkosten. Die Erlöse aus dem Dienstleistungsgeschäft fielen im Juni gegenüber dem Vorquartal zum ersten Mal seit 2022.

In seiner letzten Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen sagte Tim Cook, das Unternehmen habe "widerwillig die Preise erhöht". Grund sei das, was er eine "100-jährige Flut bei den Speicherpreisen" nannte. Sky Hynix, Samsung Electronics und Micron haben ihre Premium-Kapazitäten für KI-Speicher bis weit in 2026 hinein großteils ausverkauft, während Nvidia, Microsoft, Amazon und Meta um Nachschub konkurrieren. MaxLinear wiederum erklärt, sein neuer Puma 9 DOCSIS-Chip werde DDR5 unterstützen, um die Abhängigkeit von DDR4-Engpässen zu verringern, wie Light Reading berichtet. CPE-Geräte auf dieser Basis sollen 2027 kommen.

An anderer Stelle des Dossiers zeigt sich dieselbe Spannung im Werkzeugbau. Unblocked beschreibt einen adaptiven Router, der LLM-Verkehr je nach gemessenen Kosten und gemessener Geschwindigkeit zwischen Baseten, Fireworks und CoreWeave verschiebt. ESPARGOS dokumentiert einen undokumentierten Pfad zur Roh-IQ-Erfassung in Espressifs ESP32-Chips. Windley beschreibt eine OpenClaw-Demo, die Cedar und einen Yubikey nutzt, um menschliche Freigaben an bestimmte Agent-Aktionen zu binden. Nichts davon handelt von Exportkontrollen. Alles davon handelt davon, wer die Hardware kontrolliert und die Software, die darauf läuft.

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Quellen

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  1. 01Chat Control: EU states want to legalize comprehensive mass scans indirectlyEN
  2. 02New Apple CEO John Ternus is reportedly planning layoffs as memory chip costs riseEN
  3. 03MaxLinear claims new 'Puma 9' DOCSIS chip is a big cost-cutterEN
  4. 04Routing LLM traffic across inference providers with TCP-style congestion controlEN
  5. 05Raw IQ Capture with Espressif's ESP32 ChipsEN
  6. 06Human in the Loop Control for OpenClawEN
  7. 07Ciao, Control coding agents from your phoneEN
  8. 08InputConfig: Free Controller Mapper for MacEN
  9. 09An AI pause would be a disaster. Ozone and nuclear arms control show us whyEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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