EU-Staaten drängen auf indirekte Massenüberwachung, Chip-Exportkontrollen geraten beim Xi-Trump-Gipfel ins Rutschen
EU-Mitgliedstaaten versuchen, die umfassende Überwachung privater Nachrichten über sogenannte Suchpläne zu legalisieren. Das geht aus geleakten Dokumenten des Ministerrats hervor, über die heise online am 29. September berichtete.

Der Leak kommt kurz vor den wahrscheinlich entscheidenden Trilog-Verhandlungen über die EU-Verordnung zur Bekämpfung sexuellen Kindesmissbrauchs, die für Dienstag angesetzt waren. Interne Ratsdokumente, über die heise online am 29. September berichtete, zeigen: Die Regierungen wollen, dass nationale Gerichte oder unabhängige Verwaltungsbehörden Anbietern von Chats und E-Mails vorübergehend pauschale Genehmigungen erteilen, um Nachrichteninhalte zu durchsuchen.
Der Mechanismus heißt "Suchpläne". Kritiker sagen, er zementiere die derzeitige Übergangsregelung, bekannt als Chatkontrolle 1.0. Danach suchen Unternehmen wie Facebook und Google freiwillig nach Missbrauchsmaterial. Der Rat argumentiert, ein dauerhaftes Gesetz dürfe nicht hinter diesen bestehenden Suchpraktiken zurückbleiben.
Rechtsdienst warnte vor dem Plan
Der frühere EU-Abgeordnete Patrick Breyer sagte gegenüber heise, die Suchpläne würden in der Praxis bedeuten, dass Millionen unschuldiger Nutzer in Teilen eines Dienstes ohne jeden Verdacht weiter durchsucht werden. Er nannte den Ansatz eine Umbenennung von Massenüberwachung und verglich ihn damit, den Boden zu wischen, während der Hahn weiter läuft.
Der Rechtsdienst des Rates selbst warnte früh vor diesem Kurs. Seinem Gutachten zufolge verstößt die Durchsuchung eines ganzen Dienstes oder von Teilen davon mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen EU-Recht, weil der Europäische Gerichtshof sie als allgemeine und unterschiedslose Überwachung einstufen könnte. Breyer wirft den Mitgliedstaaten vor, ein absehbares Scheitern vor den Luxemburger Richtern bewusst in Kauf zu nehmen.
Die Dokumente zeigen auch einen Rückfallplan. Sollten die Verhandlungen scheitern, hat die irische Ratspräsidentschaft einen Plan B: private Chats ganz aus der Verordnung herauszunehmen. Damit bliebe die Chatkontrolle 1.0 als dauerhaftes Schlupfloch für freiwillige Massenscans erhalten. Das Parlament hält weiterhin an gezielten Ermittlungen, richterlicher Kontrolle und strengeren Datenschutzeinstellungen fest.
Speicherpreise und Stellenabbau bei Apple
Abseits von Brüssel verändert der Preis für KI-Hardware die Pläne der Unternehmen. Bloomberg berichtete am Mittwoch, der neue Apple-CEO John Ternus plane kleinere Entlassungen in großen Teams und die Streichung von Projekten, so Yahoo Finance. Der Bericht bringt den Schritt mit einem Speichermangel in Verbindung, der die Komponentenkosten treibt.
Apple gab Ende Juli eine vorsichtige Umsatzprognose für das laufende Quartal ab, vor allem weil das Unternehmen nicht genug Speicherchips beschaffen konnte, um die Nachfrage zu decken. Tim Cook sagte in seiner letzten Bilanztelefonkonferenz, das Unternehmen habe widerwillig die Preise erhöht. "Wir haben es getan, weil wir uns in dem befinden, was ich als ein 100-Jahre-Hochwasser bei den Speicherpreisen bezeichnen würde, mit exponentiellen Preisanstiegen", sagte Cook laut Yahoo Finance.
Der Engpass kommt von High-Bandwidth-Speicher und fortschrittlichem DRAM für KI-Server. SK Hynix, Samsung Electronics und Micron haben ihre Premium-KI-Speicherkapazität für weite Teile von 2026 weitgehend ausverkauft, während Nvidia, Microsoft, Amazon und Meta um den Aufbau von Infrastruktur wetteifern. Yahoo Finance berichtet, Experten erwarteten, dass das Angebot bis 2027 knapp bleibt.
"Der Gelddruck kommt aus 2 Richtungen: Ein Speichermangel treibt die Komponentenkosten, und die Dienstleistungserlöse fielen im Juni gegenüber dem Vorquartal zum ersten Mal seit 2022", sagte Technikexperte Rohan Paul in einem X-Post, den Yahoo Finance zitiert.
Kontrolle wandert in das Harness
Auf der Agentenseite experimentieren Entwickler damit, Menschen bei folgenreichen Aktionen in der Verantwortung zu halten. Ein Beitrag auf windley.com vom 29. September beschreibt eine OpenClaw-Demo, die Cedar-Richtlinien und einen Yubikey nutzt, um jede Genehmigung an die genaue genehmigte Aktion zu binden.
Das Argument lautet: Prompt-Anweisungen sind Orientierung, keine Kontrolle. In der Demo läuft jeder Werkzeugaufruf durch einen Punkt zur Durchsetzung der Richtlinien, der Cedar fragt, ob die Aktion erlaubt ist. Wenn der Agent send_email aufruft, gibt Cedar eine Ablehnung zurück, weil kein Mensch die Nachricht genehmigt hat. Der Durchsetzungspunkt liest diese Ablehnung als "noch nicht", parkt die Anfrage und wartet. Ein Mensch prüft Empfänger, Betreff und Text und tippt dann auf einen Yubikey. Die Anfrage wird erneut versucht, mit der in den Kontext eingefügten Genehmigung. Tippt niemand innerhalb von drei Minuten, wird die Anfrage zu einer harten Ablehnung.
Dieselbe Woche brachte einen Hardware-Trick auf niedrigerer Ebene. ESPARGOS veröffentlichte am 29. September eine Methode, um rohe IQ-Basisband-Samples aus Espressifs ESP32-Chips zu erfassen, indem man die interne ADC-Signalkette des Modems anzapft, statt die fest verdrahtete Wi-Fi-Verarbeitung zu nutzen. Die Technik unterstützt den ursprünglichen ESP32, ESP32-C3, C5, C6, C61, S2, S3 und S31 und kann beim C61 Signale bis 2,7 GHz erfassen, was einige LTE- und 5G-NR-Bänder einschließt. Die Autoren sagen, sie hätten die adctrig-Funktion in Espressifs librftest-Bibliothek mit Hilfe von LLMs zurückentwickelt.
Ozon-Lehren und eine Pausendebatte
Auch die politischen Argumente über das Tempo der Technologie kamen wieder auf. Ein Substack-Beitrag von shearerp vom 29. September argumentiert, ein internationales KI-Pausenregime würde scheitern, und vergleicht es mit dem Montreal-Protokoll und der nuklearen Rüstungskontrolle. Der Beitrag sagt, die Ozon-Erfahrung sei erfolgreich gewesen, weil der Schaden beobachtet und messbar war und weil die Regulierung schrittweise auf Beweise reagierte, statt auf spekulative Theorie gestützt zu werden.
Der Text kritisiert den Plan-A-Vorschlag des Projekts AI 2040, der ein Abkommen zwischen den USA und China fordert, das ein internationales Konsortium mit dem Mandat schafft, die globale KI-Forschung zu takten. Der Autor sagt, die Überwachung müsse grenzenlos wachsen, je leistungsfähiger die Hardware pro Kilowatt werde, und nennt die Kur schlimmer als die Krankheit.
Was zu beobachten ist
Der EU-Trilog ist der nächste Entscheidungspunkt. Halten die Mitgliedstaaten an ihren Suchplänen fest, droht der Verordnung eine wahrscheinliche Klage, und Breyers Warnung lautet, dass Ermittler nach Jahren der Debatte mit leeren Händen dastünden. Scheitern die Gespräche, würde Plan B der irischen Präsidentschaft die freiwillige Durchsuchung bestehen lassen. Auf der Hardwareseite werden Apples Prognose für das laufende Quartal und weitere Bewegungen bei den Speicherpreisen zeigen, wie weit der Mangel die Verbraucherpreise erreicht. Und die OpenClaw-Demo ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Kontrolle über Agenten aus dem Prompt in das Harness wandert, wo das Modell keine Stimme hat.
Quellen
5- 01Chat control: EU states want to legalize comprehensive mass scans indirectlyEN
- 02New Apple CEO John Ternus is reportedly planning layoffs as he looks to reshape the iPhone makerEN
- 03Human in the Loop Control for OpenClawEN
- 04Raw IQ Capture with Espressif's ESP32 ChipsEN
- 05An AI pause would be a disaster. Ozone and nuclear arms control show us whyEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.