Fünf Urheberrechtsstreitigkeiten: Wer Eigentum wirklich durchsetzt
Von gesperrten Songs auf YouTube bis zu einer Minions-Kür, die für die Olympischen Spiele doch noch freigegeben wurde: In den vergangenen zwei Jahren haben Plattformen, Sponsoren und Gerichte über Urheberrechtsstreitigkeiten entschieden, nicht allein das Gesetz.

SESAC steht für Society of European Stage Authors and Composers. Die Organisation gibt es seit 1930. Nach eigenen Angaben lizenziert sie die öffentliche Aufführung von mehr als 1.500.000 Songs für über 15.000 angeschlossene Songwriter, Komponisten und Verlage. Sie ist kleiner als BMI und ASCAP. 2017 übernahm die Private-Equity-Firma Blackstone die Organisation.
Ihr ausgelaufener Vertrag ließ einige der meistgespielten Titel auf YouTube und YouTube Music kurz verstummen. Die Störung begann an einem Samstag. Adeles "Rolling in the Deep" und Titel von Kendrick Lamar, Britney Spears, Green Day, Kanye West und Burna Boy wurden durch einen Hinweis ersetzt: "This video contains content from SESAC. It is not available in your country." Gegenüber The Verge erklärte YouTube, man habe in gutem Glauben verhandelt, aber vor Ablauf der Frist keine gerechte Einigung erzielt.
We take copyright very seriously and as a result, content represented by SESAC is no longer available on YouTube in the US.
Mariana de Felice, eine Sprecherin von YouTube, sagte, das Unternehmen sei in aktiven Gesprächen mit SESAC und hoffe auf eine neue Vereinbarung so bald wie möglich. Am Montagnachmittag stand sie. Die fehlende Musik werde "over the next day or two" wiederhergestellt, hieß es. Variety berichtete unter Berufung auf eine ungenannte Quelle, der bisherige Vertrag sei erst in der folgenden Woche ausgelaufen. Damit war die Sperrung eher ein Verhandlungstrick als ein Versehen.
Wenn der Rechteinhaber einlenkt
Vier Monate zuvor war die Anne Frank Stichting daran gehindert worden, die Manuskripte der Autorin für niederländische Leser zu veröffentlichen. Der Schweizer Anne Frank Fonds, 1963 von Otto Frank als dessen Alleinerbe gegründet, hält die Urheberrechte und hat eine weltweite Veröffentlichung verweigert. Frühe Fassungen mögen in mehreren Ländern gemeinfrei sein, doch die Originalmanuskripte bleiben in den Niederlanden bis 2037 geschützt. Teile davon erschienen erstmals 1986. Der Fonds argumentierte, Geoblocking reiche nicht aus, weil ein VPN es umgehen könne. Deshalb dürften die Manuskripte überhaupt nicht online stehen.
Zwei niederländische Gerichte wiesen dieses Argument zurück. Der Fall erreichte den Obersten Gerichtshof der Niederlande, der drei Fragen an den Gerichtshof der Europäischen Union verwies, wie TorrentFreak am 24. September 2024 berichtete. Die Fragen betreffen Artikel 3 Absatz 1 der Urheberrechtsrichtlinie. Erstens: Setzt eine öffentliche Wiedergabe voraus, dass sich die Website an das jeweilige Land richtet? Zweitens: Reicht modernes Geoblocking aus, wenn ein VPN es umgehen kann? Drittens: Wer haftet, wenn nicht? Die Antwort reicht weit über ein einzelnes Archiv hinaus. Zählt Geoblocking nicht, wird die geografische Lizenzierung nahezu undurchsetzbar. Sie ist der Mechanismus hinter den Netflix-Bibliotheken und dem BBC iPlayer.
Nicht jeder Streit braucht ein Gericht. Am 3. Februar 2026 berichtete der Guardian, dem spanischen Eiskunstläufer Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté sei mitgeteilt worden, sein olympisches Kurzprogramm werde für die Olympischen Winterspiele Milano Cortina nicht freigegeben. Es ist um Musik aus den Minions-Filmen aufgebaut. Er hatte die Musik Monate zuvor über das von der International Skating Union empfohlene Freigabeverfahren eingereicht und sie die ganze Saison gelaufen, auch bei den Europameisterschaften in Sheffield.
Dann erteilte Universal die Genehmigung. "Huge THANK YOU to everyone who reposted, shared and supported. Because of you Universal Studios reconsidered and officially granted the rights for this one special occasion", schrieb er auf Instagram. Zwei weitere Musikstücke des Programms seien weiterhin ungeklärt, fügte er hinzu. Der Generaldirektor der ISU, Colin Smith, sagte dem Guardian im vergangenen Jahr, der Sport stehe vor einem strukturellen Problem: "the music industry has no common clearance platform." Smith sagte, die ISU arbeite mit dem IOC und der Musikindustrie an dem, was er einen mehrgleisigen Ansatz nannte.
Die kanadischen Eistänzer Marie-Jade Lauriault und Romain Le Gac verloren aus demselben Grund zwei Songs von Prince. Bei Peking 2022 wurden Alexa Knierim und Brandon Frazier wegen einer Coverversion von House of the Rising Sun verklagt. Der Fall wurde privat mit einer Summe beigelegt, die der Guardian auf etwa $1.4m schätzte.
Zwei Fälle, in denen sich der Streit verlagerte
In Kanada verklagte die gemeinnützige Organisation CanLII im November 2024 das Vancouverer KI-Startup Caseway vor dem Supreme Court von British Columbia. Der Vorwurf: ein massenhafter und systematischer Download seiner Rechtsdatenbank ohne Erlaubnis oder Vergütung. Caseway startete Ende 2024 mit einem KI-Assistenten für Rechtsrecherche. Am Freitag gaben beide bekannt, alle Angelegenheiten geklärt zu haben. Die Bedingungen sind vertraulich.
In seinem Blogbeitrag erklärte CanLII, weiterhin breiten öffentlichen Zugang zu primären Rechtsinformationen zu bieten. Caseway wiederum entwickle die Technologie für dokumentenlastige Organisationen weiter. In einer eigenen Mitteilung nannte Caseway die Einigung "a clear shift away from attempting to slow technological progress through litigation". Kanadische Nachrichtenverlage haben OpenAI verklagt. Cohere sieht sich einer separaten Klage von Verlegern gegenüber.
Der direkteste Test des Eigentums findet bei Gitarren statt. Im März 2026 sprach das Landgericht Düsseldorf Fender durchsetzbare Rechte gegen Gitarren zu, die die Korpusform der Stratocaster in der EU verwenden. Dem war ein Versäumnisurteil vorausgegangen. Im Mai verschickte Fender Unterlassungsschreiben an Firmen, die nach seiner Ansicht Kopien herstellten, darunter LsL Instruments und PRS Guitars. Thomann, der weltgrößte Musikhändler, 1954 gegründet, im selben Jahr, in dem die Stratocaster auf den Markt kam, verklagt nun seinerseits Fender. Die Eigenmarke Harley Benton hatte selbst ein Unterlassungsschreiben erhalten.
Thomann erklärt, für andere Marken zu handeln, und nennt Tyler, Tom Anderson, Suhr, LsL, Maybach, Pensa, FGN und PRS als gefährdet. Sein Argument folgt dem Branchenanwalt Ronald Bienstock: Die Stratocaster sei kein urheberrechtlich schutzfähiges Kunstwerk, und ihr Erfolg komme aus der Ergonomie. "Many of those affected do not have the financial and legal means to conduct such a legal dispute", sagte Geschäftsführer Hans Thomann. Der Händler hat Fender aufgefordert, keine Abmahnungen mehr zu versenden und zu dem zurückzukehren, was er eine faire, kooperative Partnerschaft nennt.
Zusammengelesen geht es in diesem Muster nicht darum, wer den Song geschrieben, die Kuppel entworfen oder die Gitarre geformt hat. Es geht darum, wer warten kann. YouTube stellte seinen Katalog in zwei Tagen wieder her. Ein Eiskunstläufer erhielt Aufschub, nachdem seine Fans Lärm gemacht hatten. Eine kanadische Glasgestalterin, Victoria Balva, verbrachte vier Monate mit einem Streit um ein Huawei-Hauptquartier, der nach ihrer eigenen Darstellung nicht vollständig gelöst ist.
Das Gesetz setzt die Bedingungen; die Macht setzt den Zeitplan.
Quellen
5- 01YouTube pulls songs from Adele, Nirvana, and others due to SESAC disputeEN
- 02Figure skater saved from scrapping Olympic routine after Minions music copyright disputeEN
- 03"Anne Frank" Copyright Dispute Triggers VPN and Geoblocking Questions at EU's Highest CourtEN
- 04Online legal database CanLII and AI startup Caseway settle copyright disputeEN
- 05Thomann suing Fender over cease-and-desistsEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.