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Fusionsforschung drängt ans Netz: Singapur, Großbritannien und Kalifornien machen Ernst

Singapur prüft eine Rolle in der globalen Fusionsenergiebranche, wie das Handelsministerium des Landes am 1. Oktober signalisierte. Nationale Programme und private Investoren versuchen parallel, aus einem Physikexperiment eine Industrie zu machen.

WissenschaftErklärtHanna VogtVeröffentlicht: 29. September 20266 Min. LesezeitQuellen 15
Fusionsforschung drängt ans Netz: Singapur, Großbritannien und Kalifornien machen Ernst

Über das Interesse Singapurs berichteten CNA und die Business Times am 1. Oktober. Am selben Tag setzte eine Fusionskonferenz in dem Stadtstaat Ausgründungen und Lieferketten auf die Tagesordnung. Arbeitsminister Tan See Leng sagte, Fusion könne wirtschaftliche Chancen für Singapur schaffen, wie die Straits Times am 30. September meldete.

Das Handelsministerium wurde umbenannt. IndexBox bringt diese Maßnahme mit dem wachsenden Profil der Branche in Verbindung. Der Stadtstaat baut kein Kraftwerk. Seine Regierung prüft Kernkraft, darunter kleine modulare Reaktoren, Fusionsinvestitionen und Finanzierung, so die Themenseite von Nuclear News Network. Dieser Unterschied ist wichtig: Der größte Teil der Bewegung in der Fusion dreht sich derzeit um Geld, Regulierung und Technik, nicht um Strom.

Geld und Regeln kommen vor den Elektronen

Großbritannien sagte 2,5 Milliarden Pfund (3,3 Milliarden US-Dollar) zu, um die Fusionsenergie zu kommerzialisieren. Diese Zahl nannte ESG News am 30. September. Die britische Health and Safety Executive veröffentlichte zudem neue Leitlinien für Fusionseinrichtungen, so HazardEx. Kalifornien unterzeichnete ein Fusionsgesetz und kündigte eine Quanteninvestition von 30 Millionen US-Dollar an, wie The Quantum Insider am 1. Oktober meldete. Das Büro von Gouverneur Newsom stellte das Paket als Staatskapital für Quanteninfrastruktur dar.

Privates Kapital bewegt sich parallel. Commonwealth Fusion Systems sammelte weitere 1 Milliarde US-Dollar Eigenkapital ein und erhöhte das Gesamtkapital auf 4 Milliarden US-Dollar, während die Montage der SPARC-Maschine kurz vor dem Abschluss steht, so Nuclear News Network. Japans METI wählte Helical Fusion und drei weitere Unternehmen vorläufig für ein Fusionsprogramm über 60 Milliarden Yen aus. Eine Stellarator-Demonstration ist für die 2030er Jahre anvisiert. Tennessee erteilte die erste bundesstaatliche Lizenz speziell für Fusion in den USA und gab damit Type One Energy grünes Licht für den Baubeginn eines Stellarator-Standorts in Bull Run.

Gegen diese Zusagen gehalten, ist der physikalische Rekord im Dossier älter. Der Joint European Torus bei Abingdon in Oxfordshire erzeugte in einem fünf Sekunden langen Schuss rund 59 Megajoule, also 11 Megawatt, so London Daily. Das Plasma der Maschine erreichte etwa 150 Millionen Grad Celsius, rund zehnmal heißer als die Sonne. JET verbrauchte weiterhin mehr Energie für die Erzeugung der Reaktion, als die Reaktion freisetzte. Professor Ian Chapman, Chef der UK Atomic Energy Agency, nannte die Ergebnisse einen "Meilenstein", und Professor Ian Fells von der University of Newcastle sagte dasselbe. Das Dossier datiert den JET-Lauf nicht. Er ist eher als Hintergrund denn als Nachricht zu behandeln.

Eine Dichte-Behauptung aus China und eine Theorie, die sie vorhersagte

Die jüngste experimentelle Behauptung im Dossier kommt aus China. Forscher am Experimental Advanced Superconducting Tokamak, EAST, sagen, sie hätten ein "dichtefreies Regime" erreicht. Damit hätten sie die Plasmadichte über eine Grenze getrieben, die Tokamaks seit Jahrzehnten einschränkt, ohne die Instabilitäten auszulösen, die einen Schuss normalerweise beenden.

Die Arbeit wurde von Professor Ping Zhu von der Huazhong University of Science and Technology und Associate Professor Ning Yan von den Hefei Institutes of Physical Science an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mitgeleitet und in Science Advances veröffentlicht, so Custom Map Poster. Dieses Medium stellt das Ergebnis als Stütze für die Theorie der Plasma-Wand-Selbstorganisation dar, die D.F. Escande am französischen Centre National de la Recherche Scientifique und an der Université Aix-Marseille entwickelt hat. Der beschriebene Mechanismus ist die Kontrolle der physikalischen Zerstäubung. Dabei trifft Plasma auf die Reaktorwand und setzt Teilchen frei, die das Plasmaverhalten verändern. Die Fusionsleistung skaliert mit dem Quadrat der Plasmadichte, eine höhere stabile Dichte ist also ein direkter Weg zu mehr Reaktionen. Die Behauptung ist mit Vorsicht zu behandeln: Es ist die Darstellung eines einzelnen Mediums zu einem Fachaufsatz, und eine unabhängige Bestätigung findet sich im Dossier nicht.

An anderer Stelle in China berichtete Digitimes am 1. Oktober, der Fusionsreaktor BEST sei in die technische Endphase eingetreten. Sada Elbalad meldete am 28. September, das Land habe einen großen supraleitenden Magneten für ein Fusionsprojekt fertiggestellt. Die South China Morning Post berichtete am 28. September, ein chinesischer kommerzieller Reaktor habe Fusion mit Wasserstoff-Bor-Brennstoff erreicht. Nature World News schrieb, ENN habe den Bau einer Wasserstoff-Bor-Anlage begonnen, parallel zu einem Gesetzentwurf im Repräsentantenhaus, der 10 Milliarden US-Dollar für Fusionsenergie vorschlägt.

Die KI-Forschungswelle erreicht die Laborbank

Die Fusion ist nicht das einzige Feld, auf das automatisierte Systeme gerichtet werden. Microsoft Research stellte am 29. September Quine vor, beschrieben als multimodales Weltmodell der Biologie, gekoppelt mit einer interaktiven Umgebung, die Modelle, Werkzeuge, Literatur und Forscher verbindet. Gemeinsam mit dem Broad Institute von Harvard und MIT habe das System Verbindungen priorisiert, von denen erwartet wurde, dass sie therapeutische Verschiebungen des Tumorzustands bewirken, und mehrere der am höchsten eingestuften Kandidaten in Nasslabor-Assays validiert, so Microsoft. Das Unternehmen nennt es experimentelle Forschungstechnologie, nicht für den klinischen Einsatz bestimmt, und weist darauf hin, dass Ergebnisse unvollständig oder ungenau sein können.

In derselben Woche startete CoreWeave ARIA, einen in Weights and Biases integrierten Coding-Agenten, der Experimente liest, Hypothesen bildet, Läufe startet und Berichte entwirft. Efficient Computer kündigte eine Series B über 97 Millionen US-Dollar unter Führung von TQ Ventures für energieeffiziente Prozessoren an. CEO Brandon Lucia argumentiert, das Amdahlsche Gesetz begrenze die Gewinne stark spezialisierter Beschleuniger. Ein NBER-Arbeitspapier von Matthew Schwartz, Isaiah Andrews und Jesse M. Shapiro beschreibt einen LLM-Workflow, der 4.452 veröffentlichte Replikationspakete in fünf wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften durchlief und Unstimmigkeiten in 3.460 Artikeln oder deren Anhängen markierte.

Offenlegung ist hier wichtig: Das NBER-Papier gibt an, dass Schwartz als Auftragnehmer für Anthropic tätig war und dass die Ergebnisse und Ansichten nicht von Anthropic unterstützt werden. Die Autoren merken zudem an, dass LLMs bei der Analyse und beim Verfassen des Artikels verwendet wurden.

Zwei Mathematiker widersprachen der Vorstellung, KI mache menschliche Forscher überflüssig. Stephen Wolfram schrieb am 28. September, KI sei "zweifellos nützlich" für die Erschließung der mathematischen Literatur, doch reine Mathematik lasse sich nicht auf das Produzieren von Beweisen reduzieren. Dan Romik argumentierte am 29. September, mathematische Forschung sei eine Rückkopplungsschleife. Auf dem bestehenden Korpus trainierte Modelle könnten Theoreme erzeugen, die "eine Entfernung von eins" vom menschlichen Wissen entfernt seien, doch sie würden stocken, ohne die Fähigkeit, das Hervorgebrachte zu reflektieren, zu vereinfachen und zu verbinden. Romik zitierte außerdem Scott Aaronsons Reaktion auf die von OpenAI behauptete Lösung des Navier-Stokes-Problems, eine Reihe von Einsen.

Die Energienachfrage ist die andere Hälfte der Geschichte

Rechenzentren und Elektrifizierung bilden die Nachfrageseite. Der Energieminister von Neufundland und Labrador, Lloyd Parrott, sagte, die Tür der Provinz sei "offen für Geschäfte", nachdem Unternehmen wegen KI-Rechenzentren an sie herangetreten seien, wie CBC News am 29. September berichtete. Eine Erklärung der Behörde besagte, Rechenzentren könnten geprüft werden, wo Vorschläge mit den politischen Zielen übereinstimmen. Der Technikjournalist Paris Marx, Autor von Hyperscale, mahnte im selben Beitrag zur Vorsicht.

Hannah Ritchie schrieb am 29. September unter Verweis auf Arbeiten des Oxford-Professors Nick Eyre, die globale Endenergienachfrage könne nach der Transformation um etwa 40 Prozent sinken, von 416 auf 247 Exajoule, selbst während der Strombedarf von 110 auf 189 Exajoule steigt. Diese Rechnung ist ein Grund, warum die Befürworter der Fusion weiter argumentieren, der Preis sei die Mühe wert, wie Professor Sue Ions von der Royal Academy of Engineering in dem Bericht von London Daily formulierte.

Das Gegengewicht sind Arbeitsplätze und Politik. Die USA verloren 2025 insgesamt 36.949 Arbeitsplätze im Bereich saubere Energie, der erste jährliche Rückgang seit der Pandemie, so die Analyse von E2 auf Basis von Daten des Energieministeriums, über die Electrek am 28. September berichtete. Die Beschäftigung in der sauberen Energie fiel auf 3,52 Millionen, was fast 40 Prozent der Zugewinne von 2024 zunichtemachte. E2s Tracker verzeichnet 142 abgesagte oder verkleinerte Projekte.

Speziell für die Fusion lautet die ehrliche Zusammenfassung, dass die neuesten Entwicklungen finanzieller und regulatorischer Natur sind, nicht physischer. Ein Rekord von 59 Megajoule bei JET, ein umstrittenes Dichteresultat bei EAST und anderswo Lizenzen, Gesetze und Milliardensummen. Das Dossier enthält keinen Nachweis eines Netto-Energiegewinns und keinen datierten kommerziellen Zeitplan.

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Quellen

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  1. 01UK scientists set new record for generating energy from nuclear fusion with reaction '10 times hotter than the sun'EN
  2. 02China's Artificial Sun Breaks Unbreakable Fusion Energy Limit! (2026)EN
  3. 03Fusion Energy News: Milestones, Funding, TimelinesEN
  4. 04Fusion Industry NewsEN
  5. 05AI data centres in N.L.? The door is 'open for business,' says energy ministerEN
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  7. 07Introducing CoreWeave ARIA: AI Research and Iteration AgentEN
  8. 08Solving computing's energy problem with Efficient Computer's $97M Series BEN
  9. 09An LLM Workflow That Reproduces, Improves, and Extends Published Economics ResearchEN
  10. 10What's the Future for Pure Math Research in the Age of AI?EN
  11. 11The feedback loop of mathematics researchEN
  12. 12Electrification efficiency: The world will need less energy after the transitionEN
  13. 13US clean energy jobs fell for the first time since the pandemicEN
  14. 14Oracle Extends Fusion Agentic Applications with Introduction of Fusion ClawEN
  15. 15Energy Timelines PhotovoltaicEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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