Neufundland öffnet KI-Rechenzentren die Tür, während Elektrifizierung die Energienachfrage verändert
Neufundland und Labrador steht Entwicklern von KI-Rechenzentren offen, sagt Energieminister Lloyd Parrott. CBC News berichtete am 29. September darüber. Eine neue Analyse kommt zugleich zu dem Ergebnis, dass die Elektrifizierung die weltweite Endenergienachfrage um rund 40 Prozent senken würde.

Unternehmen haben bei der Provinz nach dem Bau von KI-Rechenzentren gefragt, wie CBC News am 29. September berichtete. Energieminister Lloyd Parrott sagte Mitte September in einer Sondersitzung des House of Assembly zum Churchill-Falls-Abkommen, die Regierung könne prüfen, überschüssigen Strom an einen Betreiber von Rechenzentren zu verkaufen.
„Wir haben gesagt, unsere Tür ist offen für Geschäfte, und wir freuen uns darauf, mit der Welt Geschäfte zu machen“, sagte Parrott damals laut CBC. Brodie Thomas, ein Sprecher des Ministeriums, teilte CBC per E-Mail mit, die Regierung könne sich nicht zu einzelnen Interessenten äußern. Rechenzentren könnten aber dort in Betracht gezogen werden, wo Vorschläge zu den politischen Zielen passen und den Menschen in Neufundland und Labrador klare Vorteile bringen.
Strom, Land und kaltes Wetter
Andrea King, Vorstandsvorsitzende von TechNL, sagte CBC, Labrador erfülle offenbar das, was Interessenten von Rechenzentren wollen: kohlenstoffarmen Strom aus Wasserkraft, kaltes Wetter und viel Land. Sie mahnte zugleich zur Vorsicht. „Es geht nicht nur um die Frage, ob das für sich genommen Sinn ergibt. Man muss die wirtschaftlichen Kosten und die Opportunitätskosten betrachten, also was man mit diesem Strom sonst machen könnte“, sagte sie.
Der Tech-Journalist Paris Marx, Autor von Hyperscale, einem Buch über den Aufstieg der Rechenzentren, warf im selben CBC-Bericht eine ähnliche Frage auf: ob es sinnvoll ist, Strom an Rechenzentren zu geben, wenn es bessere Verwendungen geben könnte. Marx wies darauf hin, dass einige Betreiber auf Kühlung im geschlossenen Kreislauf setzen. Dabei wird Wasser umgewälzt, um den Wasserverbrauch zu begrenzen.
Der Hintergrund ist ein Bauboom in Kanada. CBC berichtete, Meta und Bell hätten in diesem Jahr Milliardensummen für Rechenzentren in Alberta, Ontario und Saskatchewan angekündigt. Der Premierminister von Nova Scotia, Tim Houston, hat fünf Startbedingungen für jeden Interessenten festgelegt, und EverWind Fuels hat Interesse an einem Projekt in Nova Scotia geäußert. Das für Sturgeon County in Alberta geplante Rechenzentrum von Meta soll 13 Milliarden Dollar kosten und in zwei bis drei Jahren ans Netz gehen, wie CBC berichtete.
Elektrifizierung senkt die Nachfrage in einem Modell
Separat dazu schätzt eine am 29. September veröffentlichte Analyse von Hannah Ritchie unter Berufung auf Arbeiten des Oxford-Professors Nick Eyre, dass die weltweite Endenergienachfrage in einem System nach der Energiewende von 416 auf 247 Exajoule sinken würde, wenn geeignete Sektoren elektrifiziert werden und der Rest mit Wasserstoff läuft. Die Stromnachfrage würde in diesem Modell von 110 auf 189 EJ steigen, heißt es in dem Substack-Beitrag.
Der Text schreibt der Internationalen Energieagentur die Formulierung zu, „Elektrifizierung ist Effizienz“. Straßenverkehr und Gebäude leisten in dem Modell die Hauptarbeit: Elektroautos und Transporter werden mit etwa einem Viertel des heutigen Energiebedarfs veranschlagt, Wärmepumpen ersetzen 90 Prozent der Gasheizungen, 10 Prozent kommen aus Wasserstoff. Hochtemperatur-Prozesse in der Industrie bleiben der schwierige Teil.
Die Zahlen sind ein Gedankenexperiment, keine Prognose. Die Autorin schreibt, das Modell unterstelle keine Effizienzgewinne über die Elektrifizierung hinaus und keinen Umstieg auf Wasserstoff, berücksichtige nicht das Energiewachstum mit der Entwicklung von Ländern und ordne jeden nicht elektrifizierten Sektor dem Wasserstoff zu. Diese Entscheidungen unterschätzten wahrscheinlich die Senkung der Nachfrage, schreibt Ritchie.
Der eigene Strombedarf der Computerbranche
Efficient Computer, ein Chiphersteller, teilte am 29. September mit, eine Series-B-Runde über 97 Millionen Dollar unter Führung von TQ Ventures abgeschlossen zu haben. Damit steigt die Gesamtsumme auf 173 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 650 Millionen Dollar. In einem Blogbeitrag des Unternehmens argumentierte CEO Brandon Lucia, fest verdrahtete KI-Beschleuniger tauschten Programmierbarkeit gegen kurzfristige Geschwindigkeit. Er berief sich auf Amdahls Gesetz und erklärte, der nicht beschleunigte Teil einer Berechnung setze die Obergrenze für die Effizienz des Systems.
Das Unternehmen erklärt, seine Technologie sei 10- bis 100-mal energieeffizienter als herkömmliche CPU-Architekturen, und kündigte an, seinen Chip Electron E1 für eingebettete Systeme in Serie zu bringen, darunter Roboter, Drohnen und Wearables. Das sind Angaben des Unternehmens, keine unabhängig geprüften Werte.
Die drei Geschichten weisen in verschiedene Richtungen. Neufundland wägt neuen Strombedarf durch Rechenzentren ab, während die Forschung nahelegt, dass die Elektrifizierung den gesamten Energieverbrauch verringern wird. Efficient Computer wettet darauf, dass die Begrenzung des KI-Wachstums der Energieaufwand pro nutzbarer Berechnung ist, nicht die reine Erzeugung.
Auch für die europäische Industrie ist die Lage nicht geklärt. Die Ölpreise stiegen von 66 Dollar je Barrel am US-Rohöl-Hub Ende Februar 2026 auf 101 Dollar je Barrel am 13. April, nachdem Angriffe der USA und Israels auf den Iran die Straße von Hormus geschlossen hatten, wie eine am 29. September in The Conversation veröffentlichte Analyse berichtet. Der Artikel, verfasst von einem Energieökonomen und einem Außenhandelsökonomen, zeichnet nach, wohin die Gewinne fließen: größtenteils an Ölkonzerne, dann je nach Eigentümerstruktur an Aktionäre, Staatshaushalte oder Staatsfonds.
Älteres Material dient nur als Hintergrund. Die Photovoltaik-Zeitleiste der US-Energieinformationsbehörde, zuletzt auf der Seite der Behörde aktualisiert, hält fest, dass moderne Solarzellen einen Wirkungsgrad von 40 Prozent erreichen können, gegenüber weniger als 1 Prozent bei den ersten PV-Zellen. David MacKays Buch „Sustainable Energy Without the Hot Air“ von 2008 ist weiterhin online, das Datum der letzten Änderung der Seite ist jedoch der 29. August 2015.
Quellen
6- 01AI data centres in N.L.? The door is 'open for business,' says energy ministerEN
- 02Electrification is efficiency: The world will need less energy after the transitionEN
- 03Solving computing's energy problem with Efficient Computer's $97M Series BEN
- 04When oil prices spike, where does the money go?EN
- 05Energy Timelines: PhotovoltaicEN
- 06Sustainable Energy Without the Hot AirEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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