Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Trumps "moralisch bindende" KI-Vereinbarung trifft auf härteren Kartellgriff der Gerichte

Am 29. September sagte Präsident Donald Trump, er habe bei einem Mittagessen im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" KI-Dokument mit Tech-Führungskräften unterzeichnet. Zugleich zeigten getrennte Urteile gegen Microsoft und Google, dass die kartellrechtliche Angriffsfläche wächst statt zu schwinden.

WirtschaftAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 29. September 20267 Min. LesezeitQuellen 7
Trumps "moralisch bindende" KI-Vereinbarung trifft auf härteren Kartellgriff der Gerichte

Präsident Donald Trump sagte am 29. September vor Reportern, er habe nach einem Mittagessen im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" Dokument zur künstlichen Intelligenz mit Führungskräften der Technologiebranche unterzeichnet. Das berichtete CNBC. Repräsentantenhaus-Sprecher Mike Johnson nannte dasselbe Dokument eine Reihe von Grundsätzen, die "freiwillig seitens der Industrie" seien.

Die Gästeliste war ebenso wichtig wie der Wortlaut. Laut einer Sitzordnung, die Trump auf Truth Social veröffentlichte, saßen neben ihm Nvidias Jensen Huang und Teslas Elon Musk, danach Metas Mark Zuckerberg und Googles Sundar Pichai. Dem Präsidenten gegenüber saßen Vizepräsident JD Vance, zwischen Amazon-Gründer Jeff Bezos und Johnson. Anthropic-Chef Dario Amodei, Microsofts Satya Nadella, AMDs Lisa Su und Palantirs Alex Karp waren ebenfalls im Raum, berichtete CNBC.

Selbstkontrolle, ein Ausschuss mit 10 Personen wird diskutiert

Trump sagte, die Regierung erwäge einen Ausschuss mit 10 Personen zur Aufsicht über die KI-Industrie. Er behauptete, er sehe "enorme Selbstkontrolle". Selbstregulierung sei wichtig, weil "wir automatisch Regulierung durch das Justizministerium, das FBI, all das haben".

"Wir alle müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass wir gewinnen können, und wir können sicher gewinnen", sagte Amodei vor dem Weißen Haus, wie CNBC berichtete. Regeln zum Umgang mit KI-Risiken seien "noch in Diskussion".

Die Veranstaltung fiel in dieselbe Woche, in der OpenAI die Veröffentlichung seines neuesten Modells, GPT-6.1 Astra, aus Sicherheitsgründen verschob. CNBC berichtete, das Unternehmen führe eine "umfangreiche" Überprüfung des Modellverhaltens durch. Seit einem Angriff in diesem Sommer, den der Bericht mit Hugging Face in Verbindung bringt, habe OpenAI mehrere Vorfälle unautorisierten Modellverhaltens offengelegt. Der Download-Newsletter von MIT Technology Review zitierte am 29. September einen BBC-Bericht. Darin hieß es, OpenAI habe gesagt, das Modell habe "die Messlatte nicht ganz erreicht".

Das ist der politische Rahmen. Der rechtliche Rahmen bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Er ist älter, langsamer und lässt sich bei einem Mittagessen kaum wegzeichnen.

Microsofts Teilsieg ist auch eine Teilschlappe

Am 28. September entschied die kalifornische Bundesrichterin Jacqueline Chooljian, dass Microsoft die Ansprüche von ChatGPT-Nutzern in ein Schiedsverfahren zwingen kann. Den Kartellrechtsanspruch der Sammelklage gegen das Unternehmen darf Microsoft dagegen nicht blockieren. Das geht aus Guavys Agenturbericht über die Entscheidung hervor. Die vorgeschlagene Klasse hatte Microsoft beschuldigt, OpenAI zur ausschließlichen Nutzung seiner Cloud-Dienste gezwungen zu haben. Nach Ansicht der Kläger untergrabe das den Wettbewerb in der künstlichen Intelligenz.

Der Unterschied ist leicht zu übersehen und teuer, wenn man mit ihm leben muss. Microsoft gelang es, den Kartellrechtsanspruch der vorgeschlagenen Klasse abzuweisen, nicht aber die daran geknüpften Schiedsansprüche. Einzelne Kläger müssen ihre Ansprüche also im Schiedsverfahren verfolgen und nicht als Gruppe. Für ein Unternehmen mit einer riesigen Nutzerbasis können Schiedsklauseln eine Klasse zersplittern, bevor sie sich bildet. Für die Kläger bleibt die Kartellrechtstheorie vor Gericht bestehen, zumindest vorerst.

Es ist eine Entscheidung in einem Bezirk. Sie erinnert auch daran, dass die kommerziellen Arrangements hinter dem aktuellen KI-Boom von Nutzern auf die Probe gestellt werden und nicht von Regulierern. Dazu gehören Cloud-Verträge, Modellzugang und Exklusivität bei Rechenleistung. Das Trump-Mittagessen brachte zu dieser Frage keinen bindenden Text hervor. Der Gerichtssaal brachte einen Aktenvermerk hervor.

Google in Schweden zu rund 1,5 Milliarden Dollar verurteilt

Am Mittwoch verurteilte das schwedische Patent- und Marktgericht Alphabets Google zur Zahlung von rund 1,5 Milliarden Dollar Kartellschadenersatz an PriceRunner, die Preisvergleichsplattform von Klarna. Das geht aus der Darstellung der Conservative Research Group zu dem Urteil hervor. Die Zuerkennung wird dort als Schwedens größter wettbewerbsbezogener Schadenersatz bezeichnet.

Das Gericht stellte fest, Google habe gegen Wettbewerbsrecht verstoßen, indem es seinen eigenen Einkaufsvergleichsdienst in den Suchergebnissen systematisch gegenüber Rivalen bevorzugte. Die Europäische Kommission hatte das Verhalten bereits 2017 in einer Entscheidung verurteilt und eine Geldbuße von 2,42 Milliarden Euro verhängt. Das höchste Gericht der EU bestätigte dieses Urteil im Jahr 2024. Damit hatten private Kläger eine Grundlage, auf der sie aufbauen konnten.

Die Entschädigung umfasst fast fünfzehn Jahre dokumentierten Schadens über drei Jurisdiktionen hinweg, so dieselbe Darstellung: knapp über 1 Milliarde schwedische Kronen in Schweden, 675 Millionen dänische Kronen in Dänemark und 950 Millionen britische Pfund im Vereinigten Königreich. Die Gesamtsumme bleibt unter PriceRunners ursprünglicher Forderung von 2,1 Milliarden Euro.

PriceRunner reichte seine Klage 2022 ein. Das Unternehmen argumentierte, Googles Verhalten habe ihm mehr als ein Jahrzehnt lang Traffic, Sichtbarkeit und Umsatz entzogen. Google hat laut dem Bericht nicht öffentlich gesagt, ob es Berufung einlegen wird. Nach EU-Recht haften Unternehmen, die gegen Wettbewerbsregeln verstoßen haben, gegenüber Regulierern und gegenüber privaten Klägern, die einen Schaden nachweisen können. Diese Struktur hat Folgeklagen auf Schadenersatz noch Jahre nach der ursprünglichen Regulierungsentscheidung am Leben gehalten.

In der Darstellung zitierte Rechtsexperten sagten, das schwedische Urteil könnte ähnliche Klagen anderswo ermutigen. Googles Angriffsfläche könnte sich vervielfachen, während Preisvergleichsdienste Entschädigung suchen. Der Fall ist eine Warnung vor dem langen Schwanz einer Monopolstellung: Eine Geldbuße zu zahlen und das Verhalten zu ändern schließt die Akte nicht.

Die Geldfrage, die niemand beim Mittagessen beantwortete

Während Washington über freiwillige Grundsätze debattierte, veröffentlichte Apollo-Chefökonom Torsten Slok am 29. September eine Notiz. Darin wies er auf ein arithmetisches Problem im KI-Handel hin. Aktienanalysten, die die Techbranche abdecken, erwarten, dass sich der operative Cashflow des Sektors bis 2028 auf rund 2,4 Billionen Dollar mehr als verdoppelt, ein Anstieg um über 1,2 Billionen Dollar. Analysten, die die anderen Sektoren des S&P 500 abdecken, erwarten, dass diese Unternehmen deutlich weniger operativen Cashflow hinzufügen. Slok beschreibt diese Unternehmen als Kunden der Techbranche.

Seine Schlussfolgerung ist unverblümt: Beides kann nicht gleichzeitig richtig sein. Entweder werden die Kunden der Techbranche weit mehr Cash generieren als ihre Analysten erwarten, oder die Cashflow-Prognosen der Techbranche sind zu optimistisch. Das wirft die Frage auf, wer genau die Schecks ausstellen wird, um KI-Dienste zu kaufen.

Diese Spannung liegt unter den Kartellfällen. Microsofts Cloud-Exklusivitätsanspruch, Googles Selbstbevorzugung in der Suche und die breitere Pipeline von Folgeklagen auf Schadenersatz setzen alle voraus, dass die KI- und Suchgeschäfte weiterhin das Cash generieren, das Schadenersatz und Verträge lohnenswert macht. Wenn sich Sloks Widerspruch auf der pessimistischen Seite auflöst, wird die Litigation für Beklagte billiger. Das politische Theater um Selbstregulierung wird dann weniger relevant für die Bilanz.

Was die Autos und Chatbots über die Durchsetzung verraten

Zwei weitere Berichte vom 29. September deuten an, woher die nächsten Auseinandersetzungen kommen könnten. Consumer Reports veröffentlichte Ergebnisse einer Studie der Northeastern University. Das Team testete 21 Fahrzeuge und ihre Begleit-Apps in einem Faraday-Zelt in der Auto-Testanlage von Consumer Reports in Connecticut. Zu den größten Empfängern von Fahrerdaten gehörten Amazon, Google, Meta, Microsoft, Pinterest, Snap und Yahoo.

Fast ein Viertel der Fahrzeug-Apps sendete personenbezogene Daten, darunter Namen der Eigentümer, Fahrzeug-Identifikationsnummern und genaue geografische Standorte, so die Studie. General Motors, Honda, Nissan und Stellantis sagten gegenüber Consumer Reports, dass einige Empfänger daran gehindert werden, die Daten unabhängig zu nutzen oder zu verkaufen. Die Forscher fanden heraus, dass diese Beschränkungen nicht unbedingt wirksam waren. Nachdem Honda die Ergebnisse gesehen hatte, wies das Unternehmen den Anbieter Amplitude an, alle erhaltenen Standortdaten zu löschen, und stellte das Senden ein. Ein Tesla-Eigentümer, der die Datenfreigabevereinbarung ablehnt, erhält eine Warnung, dass das Fahrzeug "eingeschränkte Funktionalität, schweren Schaden oder Betriebsunfähigkeit" erleiden könne, heißt es in dem Bericht.

Unterdessen berichtete 404 Media am 29. September, dass drei Tech-Arbeiter aus der Bay Area, die als DrivingBench auftreten, GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1, Grok 4.6 und GPT-5.6 Sol an einen gemieteten Toyota Corolla anschlossen. Sie forderten die Chatbots auf, einen Pylonenparcours auf einem öffentlichen Parkplatz zu navigieren. Grok, Sol und Fable fuhren nur wenige Meter und beendeten den Parcours nicht. GPT-6 Astra absolvierte den Parcours schließlich nach Fehlersuche.

Das Team nutzte Comma, ein handelsübliches Fahrerassistenzsystem, um das Auto mit einem Laptop zu verbinden, auf dem die Modelle liefen. Dabei war ein Fuß einer Person über der Bremse. Die National Highway Traffic Safety Administration kündigte letzte Woche eine Untersuchung von Comma an, nachdem zwei Unfälle mit dem System drei Menschen getötet hatten, berichtete 404 Media. DrivingBench-Mitglied Aditya Ramabadran sagte gegenüber 404 Media, es gehe nicht um Praktikabilität, sondern um einen neuen Maßstab für Modelle, die in der realen Welt handeln.

Nichts davon ist ein Kartellfall. Es ist das Rohmaterial für die nächste Runde: Datenflüsse, für die Regulierer Autohersteller bereits mit Geldbußen belegt haben, und physische Systeme, bei denen die Haftung ungeklärt ist.

Das Muster über den 28. und 29. September ist, dass Gerichte und Forscher konkrete Ergebnisse liefern, während das Weiße Haus eine freiwillige Grundsatzerklärung liefert. Trump sagte, er plane, innerhalb von drei bis vier Tagen einen neuen KI-Zaren zu ernennen, so CNBC. Wer auch immer den Job übernimmt, erbt eine Politik der Selbstregulierung und ein Verfahren, das sich keineswegs selbst reguliert.

Kommentare 0

Quellen

7
  1. 01Trump says he and tech leaders signed AI agreement that is 'morally binding'EN
  2. 02Microsoft Wins Partial Arbitration Ruling in ChatGPT Antitrust SuitEN
  3. 03Swedish Court Orders Google to Pay $1.5 Billion in Landmark Antitrust RulingEN
  4. 04Tech's Trillion-Dollar Internal InconsistencyEN
  5. 05Your Car Is Sharing Data With Big Tech Companies, Study FindsEN
  6. 06These Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
  7. 07The Download: climate tech companies to watch and AI's discovery problemEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.