Studie: 85 Prozent sorgen sich um Online-Desinformation vor Wahlen
Laut einer von Unesco in Auftrag gegebenen Ipsos-Umfrage unter 8.000 Menschen in 16 Ländern sorgen sich weltweit mehr als 85 Prozent der Befragten um die Auswirkungen von Online-Desinformation. 87 Prozent geben an, dass diese bereits die Politik ihres Landes geschädigt hat.

Die Umfrage erschien, während die Vereinten Nationen einen Governance-Entwurf für Plattformen und Regulierungsbehörden ankündigten. 68 Prozent der Befragten nannten soziale Medien als Ort, an dem Falschmeldungen am weitesten verbreitet sind. Messaging-Apps folgten mit 38 Prozent.
Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay erklärte gegenüber Reportern, dass Falschinformationen und Hassrede online, beschleunigt und verstärkt durch Social-Media-Plattformen, "erhebliche Risiken für den sozialen Zusammenhalt, den Frieden und die Stabilität" darstellten. Sie betonte, dass Regulierung dringend benötigt werde, "um den Zugang zu Informationen zu schützen ... und gleichzeitig die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte zu wahren".
Die Zahlen sind nicht abstrakt. In den 16 befragten Ländern stehen im nächsten Jahr nationale Wahlen an, mit insgesamt 2.500.000.000 Wählern.
Desinformation und reale Gewalt
Wenn falsche Behauptungen aus Feeds auf die Straßen übertreten, ist der Schaden messbar. Nach dem Messerangriff in der britischen Stadt Southport im Juli, bei dem drei junge Mädchen getötet wurden, gewann Falschinformation über den Namen, die Religion und den Migrationsstatus des Angreifers laut CNBC innerhalb weniger Stunden an Traktion. Die Polizei widerlegte die Behauptungen am Tag nach ihrem ersten Auftreten und erklärte, der Verdächtige sei in Großbritannien geboren, doch die Erzählung hatte sich bereits verbreitet.
Hannah Rose, Analystin für Hass und Extremismus am Institute for Strategic Dialogue, sagte gegenüber CNBC, dass ein Post auf X den Täter fälschlicherweise als "Ali al-Shakati" bezeichnete, dem man nachsagte, ein muslimischer Migrant zu sein. Bis 15 Uhr am nächsten Tag hatte der falsche Name allein auf X über 30.000 Erwähnungen. Die Analyse des ISD ergab, dass wenn Nutzer "Southport" auf TikTok suchten, der falsche Name des Angreifers in der Sektion "Auch gesucht" der Plattform beworben wurde, einschließlich acht Stunden nach der Bestätigung der Polizei, dass die Informationen unzutreffend waren.
Rechtsextreme Gruppen organisierten Proteste gegen Migranten und den Islam, die zu mehrtägigen Unruhen eskalierten, mit Angriffen auf Moscheen, Einwanderungszentren und Hotels, in denen Asylbewerber untergebracht waren. Joe Ondrak, Forschungs- und Technikleiter für das Vereinigte Königreich bei Logically, sagte gegenüber CNBC, die falschen Berichte hätten als "eine Möglichkeit gedient, vorhandene Vorurteile, Verzerrungen und Spekulationen zu rationalisieren und zu verstärken, bevor irgendwelche etablierte Wahrheit herauskam".
Telegram bestritt, bei der Verbreitung von Fehlinformationen zu helfen, und erklärte, dass seine Moderatoren die Situation überwachten und Kanäle sowie Posts entfernten, die zu Gewalt aufrufen, was seinen Nutzungsbedingungen widerspreche. TikTok und X reagierten nicht sofort auf die Kommentaranfrage von CNBC. Das Online Safety Act des Vereinigten Königreichs tritt erst Anfang nächsten Jahres in Kraft, und der Medienregulator Ofcom hat Plattformen mitgeteilt, sie sollten nicht auf das Inkrafttreten des neuen Gesetzes warten.
Staatsnahe Netzwerke und Plattformdruck
Staatsnahe Operationen sind ein separates und größeres Problem. Eine CNN-Auswertung von Gerichtsakten und öffentlichen Offenlegungen durch Social-Media-Unternehmen ergab, dass die chinesische Regierung die weltweit größte bekannte Online-Desinformationsoperation aufgebaut hat und diese nutzt, um US-Bürger, Politiker und Unternehmen zu belästigen, wobei Ziele zeitweise mit Gewalt bedroht wurden. Meta erklärte im August, dass man im zweiten Quartal von 2.023 allein ein Cluster von fast 8.000 Konten entfernt habe, die der Gruppe zugeschrieben wurden. Google sagte gegenüber CNN, dass man in den letzten Jahren mehr als 100.000 verbundene Konten geschlossen habe, während X Hunderttausende von China "staatlich unterstützte" oder "staatlich verbundene" Konten blockiert habe, so Unternehmensblogs.
Russland war auch eine langjährige Quelle von Desinformation auf X. The Guardian berichtete, dass ein Video, das offenbar Hamas beim Danksagen an die Ukraine für den Verkauf von Waffen zeigte, von einem X-Konto gepostet wurde, das mit der russischen Söldnergruppe Wagner verbunden war, und seitdem mehr als 300.000 Mal angesehen wurde. Die Europäische Kommission sandte einen Brief an Elon Musk, den Inhaber von X, und warnte ihn wegen angeblicher Desinformation über den Hamas-Angriff auf Israel, einschließlich Falschmeldungen und "wiederverwendeter alter Bilder".
Der Plan von Unesco, der auf sieben Prinzipien basiert, die aus mehr als 10.000 Beiträgen aus 134 Ländern über 18 Monate stammen, fordert unabhängige öffentliche Regulierungsbehörden, wirksame Inhaltsmoderation in allen Sprachen und eine größere Transparenz rund um Algorithmen und politische Werbung während Wahlen und Krisen. Geplant ist die Organisation einer Weltkonferenz der Regulierungsbehörden in 2.024.
Quellen
4- 0185% of people worry about online disinformation, global survey findsEN
- 02Online disinformation sparked a wave of far-right violence in the UKEN
- 03China is using the world's largest online disinformation operation to harass AmericansEN
- 04How Israel-Hamas war disinformation is being spread onlineEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.