EU-Rat will Massenscanning von Chats kurz vor den Gesprächen am Dienstag legalisieren
Interne Dokumente des Ministerrats, die kurz vor den am Dienstag anstehenden Trilog-Verhandlungen durchsickerten, zeigen laut heise online: Die Mitgliedstaaten wollen umfassende Scans privater Chats und E-Mails dauerhaft festschreiben, unter der Bezeichnung „Suchpläne“.

Interne Dokumente des Ministerrats sind kurz vor den Trilog-Verhandlungen an diesem Dienstag durchgesickert. Bei diesen Gesprächen geht es wahrscheinlich um die entscheidende Runde zur EU-Verordnung gegen sexuellen Kindesmissbrauch. Die Dokumente zeigen, dass die Mitgliedstaaten eine umfassende Überwachung privater Kommunikation festschreiben wollen, über einen neuen Mechanismus namens Suchpläne. heise online berichtete am 29. September über das Leck. Der Plan würde nationalen Justiz- oder unabhängigen Verwaltungsbehörden erlauben, Anbietern von Chats und E-Mails vorübergehende pauschale Genehmigungen zum Scannen von Nachrichteninhalten zu erteilen.
Das ist der Aufhänger. Die Abstimmung ist am Dienstag. Der Text ist nicht final.
Der Rat argumentiert laut heise, ein dauerhaftes Gesetz dürfe nicht hinter bestehenden Scanpraktiken zurückbleiben. Unternehmen wie Facebook und Google suchen bereits freiwillig nach Missbrauchsmaterial. Die Suchpläne würden das derzeitige vorübergehende Regime Chatkontrolle 1.0 in etwas überführen, das einer dauerhaften Rechtsgrundlage ähnelt. Das Wort dauerhaft taucht im Mechanismus nirgends auf. Der ehemalige EU-Abgeordnete Patrick Breyer sagte heise, die erwogenen Suchpläne würden bedeuten, dass weiterhin Millionen unschuldiger Nutzer in Teilen eines Dienstes gescannt werden, ohne dass gegen einen von ihnen ein Verdacht besteht. Er nannte es eine Umbenennung von Massenüberwachung und verglich den Umgang mit Kinderschutz damit, den Boden zu wischen, während der Wasserhahn weiter läuft.
Der Juristische Dienst des Rates selbst warnte laut den durchgesickerten Dokumenten früh vor diesem Kurs. Seine Stellungnahme besagt, das Scannen eines gesamten Dienstes oder von Teilen davon verstoße mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen EU-Recht, weil der Europäische Gerichtshof es als allgemeine und unterschiedslose Überwachung einstufen könnte. Breyer warf den Mitgliedstaaten vor, ein absehbares Scheitern vor den Richtern in Luxemburg bewusst in Kauf zu nehmen. Sollte die Verordnung nach Jahren politischer Debatte gekippt werden, stünden Ermittler mit nichts da, argumentierte er. Kinder und Opfer verdienten rechtlich tragfähige Maßnahmen statt dessen, was er Sicherheitstheater nannte.
Ein Plan B, der das Schlupfloch offen hält
Die durchgesickerten Papiere beschreiben auch eine Rückfallstrategie. Wenn am Verhandlungstisch keine Einigung über das Scannen privater Chats erzielt wird, hat die irische Ratspräsidentschaft einen Plan B: Private Chats würden vollständig aus der Verordnung herausgenommen. Dieses Ergebnis würde das vorübergehende System Chatkontrolle 1.0 als dauerhaftes Schlupfloch für freiwillige Massenscans bestehen lassen, da nichts in der Verordnung es ersetzen würde. Breyer hat das Europäische Parlament aufgefordert, jede dauerhafte Verordnung abzulehnen, solange die Übergangsregelung nicht ersetzt wird.
Die Zahlen im Dossier sprechen gegen die Scanlogik. Rund 75 Prozent der gemeldeten Chats sind laut heise rechtlich irrelevant. In Deutschland richtet sich ein großer Teil der Ermittlungen wegen Kinderpornografie gegen Jugendliche selbst, etwa wegen einvernehmlichen Sextings. Diese Flut falscher Alarme verbraucht die Ermittlungsressourcen der Behörden, denen sie eigentlich helfen soll.
Die Position des Parlaments setzt dagegen auf gezielte Ermittlungen und Prävention. Ihr Mandat umfasst Sicherheitsstandards wie strengere Privatsphäre-Einstellungen, um unerwünschten Kontakt zu blockieren. Hinzu kommen gezielte Anordnungen zur Überwachung privater Kommunikation, die nur unter richterlicher Kontrolle und nur bei konkretem Verdacht gegen bestimmte Personen oder Gruppen ergehen. Ein neues EU-Zentrum würde öffentlich zugängliche Inhalte proaktiv nach bekanntem Missbrauchsmaterial durchsuchen. Die Lücke zwischen diesem Ansatz und den Suchplänen des Rates ist der Kern der Verhandlungen am Dienstag.
Speicherdruck formt Apple um
Unabhängig vom Streit in Brüssel treibt der Mangel an Speicherchips nun Personalentscheidungen bei Apple. Der neue CEO John Ternus plant Berichten zufolge kleinere Entlassungswellen innerhalb großer Teams und streicht Projekte, um das Unternehmen schlanker zu machen. Das geht aus einem Bloomberg-Bericht hervor, den Yahoo Finance am Mittwoch zitierte. Ternus übernahm von Tim Cook, dessen letzte Bilanzkonferenz das Komponentenproblem ungewöhnlich deutlich benannte.
„Was die Preise angeht, haben wir sie widerwillig erhöht, würde ich sagen“, sagte Cook in dieser Konferenz. „Wir haben es getan, weil wir uns in dem befinden, was ich als eine 100-jährige Flut bei den Speicherpreisen bezeichnen würde, mit exponentiellen Anstiegen der Speicherpreise.“
Der Kostendruck wirkt in zwei Richtungen. Darauf weist ein Beitrag des Technikkommentators Rohan Paul auf X hin, der in dem Yahoo-Finance-Artikel zitiert wird: ein Speichermangel, der die Komponentenkosten treibt, und Serviceumsätze, die im Juni erstmals seit 2022 gegenüber dem Vorquartal fielen. Apple gab Ende Juli eine vorsichtige Umsatzprognose für das laufende Quartal ab, vor allem weil es nicht genug Speicherchips beschaffen konnte, um die Nachfrage zu decken. Die Margen standen im jüngsten Quartal im Vergleich zum vorangegangenen unter erheblichem Druck, wegen höherer Speicherpreise. Laut Bloomberg will Apple im Jahr 2027 weitere deutliche Preiserhöhungen vermeiden, sollte der Mangel anhalten.
Der Mangel selbst ist eine Geschichte der KI-Infrastruktur. Die Nachfrage nach Hochbandbreitenspeicher und fortschrittlichem DRAM für KI-Server übersteigt das Angebot weiterhin. Unternehmen wie SK Hynix, Samsung Electronics und Micron haben ihre Premium-KI-Speicherkapazität für weite Teile des Jahres 2026 weitgehend ausverkauft, während Kunden wie Nvidia, Microsoft, Amazon und Meta um den Aufbau von KI-Infrastruktur wetteifern. Das hat den Lieferanten nach mehreren Jahren schwacher Bedingungen mehr Preismacht gegeben, und Experten erwarten, dass das Speicherangebot bis 2027 knapp bleibt. Entlassungen unter Ternus würden nur einen Teil des Preisdrucks ausgleichen, den Apple aufgefangen hat.
Routing, Funk und das Harness
Auf der technischen Seite deuten drei am 29. September veröffentlichte Beiträge in dieselbe Richtung: Die interessante Arbeit wandert in die Schicht zwischen dem Modell und der Welt. Unblocked beschrieb einen adaptiven Router, der LLM-Verkehr beim günstigsten Inferenzanbieter hält, solange dieser schnell und gesund ist, und ihn verlagert, wenn sich das ändert, ohne dass ein Ingenieur eingreift. Das Unternehmen sagt, Baseten, Fireworks und CoreWeave bedienten GLM 5.2 zu unterschiedlichen Preisen und Geschwindigkeiten. Sein früheres Round-Robin-Setup habe 51 Prozent der Aufgaben an Fireworks und 49 Prozent an Baseten geschickt, obwohl Fireworks' Preise 25 Prozent höher lagen und Baseten schneller war. Der Router bewertet Kosten und Geschwindigkeit pro Aufgabe statt pro Modellaufruf, weil eine Aufgabe meist vier bis sechs Aufrufe macht und die Aufgabe das ist, wofür der Kunde zahlt und wartet. Ein Circuit Breaker hatte HTTP-429-Antworten zur Ratenbegrenzung als glatte Fehler gezählt und einen Anbieter nach fünf in einer Minute aus der gesamten Flotte genommen.
Die ESP32-Mikrocontroller von Espressif haben eine undokumentierte Funktion. Mit ihr kann Firmware die fest verdrahteten WLAN- und Bluetooth-Modems umgehen und rohe IQ-Basisbandabtastwerte direkt aus der internen ADC-Signalkette des Modems erfassen. Das berichtet ESPARGOS, das den Fund und eine browserbasierte Demo veröffentlichte. Zusätzliche Hardware ist nicht nötig, und das Projekt sagt, der ESP32-C61 könne Signale bis 2,7 GHz erfassen, was LTE-Band 7 und 5G-NR-Band n7 um 2,6 GHz einschließt. Das 5-GHz-Band gibt es nur beim ESP32-C5. Das Team sagt, es habe die adctrig-Funktion in Espressifs librftest-Bibliothek mit Hilfe von LLMs zurückentwickelt, und geht davon aus, dass Espressif-Ingenieure den IQ-Sampling-Pfad für Modemtests und Debugging im Code gelassen haben.
Und bei der Agentensteuerung veröffentlichte Phil Windley eine OpenClaw-Demo, die für folgenreiche Aktionen einen Menschen über Cedar und einen Yubikey in die Schleife einbindet. Der Policy Enforcement Point, nicht der Agent, entscheidet, wann ein Mensch zustimmen muss, und dieselbe Komponente liefert den Nachweis, dass ein Mensch zugestimmt hat. Wenn der Agent ein simuliertes send_email-Tool aufruft, gibt Cedar ein Deny zurück, weil kein Mensch die Nachricht genehmigt hat. Der PEP deutet dieses Deny als „noch nicht“ und legt die Anfrage zurück, bis jemand einen Yubikey berührt. Stimmt niemand innerhalb von standardmäßig drei Minuten zu, gibt der PEP ein hartes Deny zurück und wartet nicht erneut. Windleys Argument ist, dass eine Anweisung im Prompt eine Empfehlung ist, keine Kontrolle, und dass Autorisierung ins Harness gehört, nicht in den Prompt.
Der Brüsseler Trilog bleibt der Punkt mit dem höchsten Einsatz auf dem Kalender. Die Suchpläne des Rates würden eine dauerhafte Rechtsgrundlage für das Scannen unter einem vorübergehend klingenden Namen schaffen, und die eigenen Juristen des Rates bezweifeln, dass sie eine Gerichtsprüfung übersteht. Die Verhandlung am Dienstag und die Rückfalllösung, die darauf folgt, werden entscheiden, ob das vorläufige Scanregime des Blocks die Untergrenze oder die Obergrenze dessen wird, was Anbieter tun sollen.
Quellen
5- 01Chat control: EU states want to legalize comprehensive mass scans indirectlyEN
- 02New Apple CEO John Ternus is reportedly planning layoffs as he looks to reshape the iPhone makerEN
- 03Routing LLM traffic across inference providers with TCP-style congestion controlEN
- 04Raw IQ Capture with Espressif's ESP32 ChipsEN
- 05Human in the Loop Control for OpenClawEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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