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Europas Industriestrompreise bleiben dicht beieinander, während Rechenzentren die PJM-Kosten um 75% treiben

Die Industriestrompreise in Europa lagen 2023 in einem engen Band, von 0,14 Euro pro kWh in Polen bis 0,21 Euro pro kWh in Schweden. Das geht aus einer statistischen Zusammenstellung von WorldMetrics hervor, die im Februar 2026 veröffentlicht und im Juli aktualisiert wurde.

KonjunkturNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20265 Min. LesezeitQuellen 4
Europas Industriestrompreise bleiben dicht beieinander, während Rechenzentren die PJM-Kosten um 75% treiben

Zwischen dem billigsten und dem teuersten Industriestrommarkt in Europa lagen 2023 sieben Eurocent pro Kilowattstunde. Das ist das zentrale Ergebnis einer Zusammenstellung europäischer Energiepreisstatistiken von WorldMetrics, erstmals veröffentlicht am 12. Februar 2026 und aktualisiert am 17. Juli 2026. Derselbe Datensatz gibt den EU-Durchschnittspreis für Industriestrom 2021 bis 2023 mit 0,16 Euro pro kWh an.

Deutschland lag bei 0,18 Euro pro kWh, Frankreich bei 0,15, Spanien bei 0,16, Italien bei 0,17. Die Niederlande lagen bei 0,19 Euro und damit am höchsten unter den großen Volkswirtschaften des Datensatzes. Polen war mit 0,14 Euro pro kWh für industrielle Verbraucher am billigsten. WorldMetrics merkt an, dass polnische Privatkunden 0,13 Euro und Gewerbekunden 0,15 Euro zahlten. Das ist eine ungewöhnliche Umkehr des üblichen Musters, bei dem Haushalte pro Einheit mehr zahlen als Unternehmen. Die Vorjahresvergleiche fielen schärfer aus, als die absoluten Werte vermuten lassen. Deutschlands Industriestrompreis stieg zwischen 2022 und 2023 um 22%, so der Datensatz. Frankreich lag 18% höher, Spanien 25%, Italien 20% und Polen 28%. Die WorldMetrics-Zahlen sind je nach zugrunde liegenden Daten als verifiziert, richtungsweisend oder Einzelquelle gekennzeichnet. Die Seite erklärt, dass nicht überprüfbare Statistiken ausgeschlossen werden.

Die Kosten bleiben hoch, und die Europäische Kommission sagt das auch

Der sechste Bericht der Europäischen Kommission zu Energiepreisen und -kosten, veröffentlicht im Februar 2025, ordnet denselben Zeitraum anders ein. Er beschreibt eine schwere Krise an den europäischen und globalen Energiemärkten seit 2020. Die Großhandelspreise für Gas und Strom erreichten historische Höchststände, bevor sie 2023 zu fallen begannen. Die Gaspreise blieben bis Ende 2022 sehr hoch und sanken dann allmählich, als regulatorische Maßnahmen, gesunkene Nachfrage und bessere Marktgrundlagen griffen. Die Kommission ist deutlich bei der Folge: Die Preise für Industriegas und Industriestrom sind zwar niedriger als auf dem Höhepunkt der Krise, liegen aber weiterhin zwei- bis viermal höher als bei den wichtigsten Handelspartnern der EU. Der Bericht warnt, dies gefährde die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, und nennt energieintensive Sektoren als am stärksten betroffen. Er merkt zudem an, dass die Energieimportrechnung der EU 2024 auf 427.000.000.000 Euro gefallen ist, nach einem Höchststand von 604.000.000.000 Euro im Jahr 2022. Auch das nennt er noch eine erhebliche Belastung.

Der Bericht warnt vor den Kosten für die EU durch ihre hohe Abhängigkeit von fossilen Importen. Die Energieimportrechnung der EU ging 2024 zwar auf 427.000.000.000 Euro zurück, nachdem sie 2022 den Höchststand von 604.000.000.000 Euro erreicht hatte. Sie ist aber immer noch eine erhebliche Belastung für die europäische Wirtschaft.

Ein Detail in der Darstellung der Kommission ist für jeden wichtig, der die Preistabellen von 2023 liest. Die Endkundenpreise folgten den Großhandelspreisen nach oben, aber nicht einheitlich und nicht im selben Tempo. Der Bericht führt die Abweichung auf nationale Maßnahmen zur Krisenbewältigung zurück, auf Unterschiede in der Laufzeitstruktur von Verträgen und auf die unterschiedlichen Gasbeschaffungsstrategien der Versorger, einschließlich langfristiger Verträge und Absicherungen. Anders gesagt: Zwei industrielle Abnehmer in Nachbarländern können sehr unterschiedliche Rechnungen erhalten, aus Gründen, die wenig mit den Erzeugungskosten zu tun haben.

Volatilität, nicht nur das Niveau

WorldMetrics verfolgt auch, wie stark sich die Preise bewegten. Die Standardabweichung der EU-Industriestrompreise über 2021 bis 2023 betrug 0,08, mit Deutschland bei 0,09 und Frankreich bei 0,07. Erdgas war unruhiger: Der Volatilitätswert für den EU-Industriegaspreis lag bei 0,12, die Niederlande bei 0,10, Frankreich bei 0,10. Spaniens Volatilität des Industriestrompreises für 2020 bis 2023 betrug 0,08, Schwedens 0,07, der Wert für britisches Industrieheizöl 0,11.

Beim Kostenindex auf Basis 2020 gleich 100 stand der EU-Wert 2023 bei 135, mit Polen bei 150 und Frankreich am niedrigsten bei 130. Deutschlands Index stieg im Jahresvergleich um 25%, Frankreich um 20%, der EU-Durchschnitt um 22%. Die Volatilität dieses Index über 2021 bis 2023 war weit geringer als bei den reinen Strompreisen: 0,04 für die EU, 0,05 für Deutschland, 0,06 für Polen.

Die Spotmärkte am 27. September 2026, wie von Energy Prices.eu aufgeführt, zeigen Sizilien in Italien mit einem Durchschnitt von 0,199 Euro pro kWh, dem teuersten Gebiet der Karte, und Finnland mit 0,022 Euro pro kWh, dem billigsten. Österreich, die Schweiz, Slowenien, Kroatien, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Rumänien, Deutschland, Luxemburg, Ungarn, Portugal und Spanien lagen für den Tag alle zwischen rund 0,114 und 0,132 Euro pro kWh. Die Seite erklärt, dass ihre Preise Day-Ahead-Spotpreise ohne lokale Mehrwertsteuer oder andere Zuschläge sind.

Unterdessen im größten US-Markt

The Register berichtete am 15. Mai 2026, dass die Großhandelsstromkosten in der PJM Interconnection von 77,78 Dollar pro MWh im ersten Quartal 2025 auf 136,53 Dollar pro MWh im gleichen Zeitraum 2026 stiegen, ein Plus von 75,5%. PJM versorgt alle oder Teile von 13 Bundesstaaten und den District of Columbia. Monitoring Analytics, der offizielle Marktwächter von PJM, identifizierte das Lastwachstum durch Rechenzentren als Haupttreiber.

Der Bericht des Wächters sagte, ohne das Wachstum der Rechenzentren, tatsächlich und prognostiziert, hätte der Kapazitätsmarkt nicht dieselben angespannten Angebots- und Nachfragebedingungen erlebt. Er fügte hinzu, die Preisauswirkungen auf die Kunden seien sehr groß und nicht umkehrbar. Kurzfristig würden sie noch größer werden, wenn die mit der Rechenzentrumslast verbundenen Probleme nicht rechtzeitig angegangen würden. Monitoring Analytics empfahl, von Rechenzentren zu verlangen, ihre eigene Erzeugung mitzubringen. PJM sagte The Register, man arbeite mit Bundesstaaten und Mitgliedsunternehmen an den Folgen für die Verbraucher, einschließlich der Verlängerung von Marktobergrenzen und der Reform der Großhandelsmarktregeln.

Der Kontrast ist unangenehm für die europäische Industrie. Die europäischen Großhandelspreise haben sich seit der Krise 2021 bis 2023 stabilisiert, so die Kommission, aber auf einem Niveau über den historischen Durchschnitten. Die Weitergabe an die Endkundenrechnungen läuft noch. Die amerikanischen Industriestromkosten, verzerrt durch die Nachfrage der Rechenzentren, bewegen sich in die andere Richtung. Keine der beiden Entwicklungen sieht billig aus.

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Quellen

4
  1. 01Energy Prices Europe Industry Statistics: 2026 Market ReportEN
  2. 02Energy prices and costs in Europe - European CommissionEN
  3. 03Electricity spot prices in Europe today - Energy prices.euEN
  4. 04Datacenters slurping juice help drive 75% jump in PJM power pricesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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