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KI spaltet den Arbeitsmarkt: 5,7 Prozent Arbeitslosigkeit bei Absolventen, Boom bei Rechenzentrumsberufen

Hochschulabsolventen zwischen 22 und 27 Jahren hatten im Juni 2026 eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent, meldet die New York Fed. Stellenanzeigen für Schweißer und Rohrschlosser legten im Jahresvergleich um 164 Prozent zu, weil der Bau von Rechenzentren Arbeitskräfte anzieht.

KonjunkturNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 4
KI spaltet den Arbeitsmarkt: 5,7 Prozent Arbeitslosigkeit bei Absolventen, Boom bei Rechenzentrumsberufen

Die Geschichte der KI-Arbeitsplätze ist längst keine einzige Geschichte mehr. Für junge Absolventen liest sie sich wie eine Abkühlung. Für Elektriker, Rohrschlosser und Kältetechniker liest sie sich wie ein Einstellungsboom. Beides taucht in denselben Arbeitsmarktdaten auf.

Zuerst die Zahlen, die Universitäten Sorgen machen. Die Federal Reserve Bank of New York ermittelte für Hochschulabsolventen der Altersgruppe 22 bis 27 Jahre eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent mit Stand Juni 2026, wie CNBC berichtet. Das liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt und einen vollen Prozentpunkt höher als zwei Jahre zuvor für diese Gruppe. Die Arbeitslosenquote aller jungen Arbeitskräfte betrug im Juni 7,2 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote, also der Anteil der Hochschulabsolventen, die in Berufen arbeiten, für die kein Bachelor nötig ist, hat bei Absolventen der jüngeren Jahrgänge 42 Prozent erreicht, gegenüber 33,7 Prozent bei allen Hochschulabsolventen.

Die Vorauswahl läuft inzwischen automatisiert. Sechsundsechzig Prozent der Recruiter gaben Anfang 2026 an, den Einsatz von KI für Vorauswahlgespräche ausweiten zu wollen, wie eine von CNBC zitierte LinkedIn-Untersuchung ergab. Einundachtzig Prozent der Stellensuchenden sagten, sie hätten KI bei ihrer Suche genutzt oder planten dies.

Gemischte Befunde zu Schäden auf Einstiegsebene

Hier ist Vorsicht angebracht. Die Forschung stützt keine saubere Erzählung, wonach KI die Einstiegsarbeit auslöscht. Die New York Fed untersuchte Stellenanzeigen und kam zu dem Schluss, dass KI zwar zu den jüngsten Arbeitsmarktentwicklungen beitragen mag, aber nicht die treibende Kraft der Einstellungsabkühlung ist. Ihre Arbeitgeberumfragen ergaben, dass die Unternehmen KI überwiegend durch Umschulung einführen wollen, mit begrenzten Folgen für die Einstellung.

Die Studierenden sind unterdessen nicht einheitlich davon überzeugt, dass sie diese Fähigkeit brauchen. In der NACE-Studentenumfrage 2026 bezeichneten fast ein Drittel der Abschlussjahrgänge KI-Kenntnisse als wenig oder gar nicht wichtig für ihre künftige Karriere. Über die Hälfte sagte, sie bauten keine KI-Kenntnisse auf und nutzten KI nicht bei der Jobsuche. NACE-Präsident und CEO Shawn VanDerziel nannte das eine auffällige Kluft: Arbeitgeber verlangten von Absolventen KI-Bereitschaft, während ein erheblicher Teil der Studierenden bezweifle, ob KI überhaupt in ihre Arbeit gehört.

Handshake, die Plattform für Berufseinsteiger, meldet die entgegengesetzte Bewegung bei denen, die sich damit befassen. Absolventen des Jahres 2026 erwähnten KI-Kenntnisse doppelt so häufig in ihren Lebensläufen wie der Jahrgang 2022, und 74 Prozent dieser Nennungen waren an echte Projekte gebunden, nicht an Kursarbeit.

Das andere Ende der Leiter

Im Handwerk zeigt sich der KI-Ausbau als Nachfrage, nicht als Verdrängung. Rechenzentren brauchen Kühlung, Umspannwerke, Rohrleitungen und Netzausbau. Aus der Ferne lässt sich das nicht erledigen.

Die Arbeitsmarktökonomin Nicole Bachaud von ZipRecruiter sagte CNBC, das durchschnittliche Mindestgehalt für Rechenzentrumsjobs sei im Jahresvergleich um 125,1 Prozent auf fast 208.000 Dollar gestiegen. Sie führte das allerdings teils auf hoch spezialisierte Ingenieurstellen zurück, die den Durchschnitt nach oben ziehen. Das deutlichste Mengensignal liefern Schweißer und Rohrschlosser: Die Stellenanzeigen für diese Berufe liegen im Jahresvergleich um 164 Prozent höher. Maria Flynn, Präsidentin und CEO von Jobs for the Future, beziffert die Vergütung von Technikern auf Lehrlingsniveau mit 40.000 bis 60.000 Dollar, erfahrene Elektriker verdienen über 100.000 Dollar.

Eine von CNBC zitierte Untersuchung von Cushman & Wakefield schätzt, dass jede 100 MW neuer Rechenzentrumskapazität fast 1.300 lokale Arbeitsplätze schafft, rund 110 Millionen Dollar Jahreslöhne und 187 Millionen Dollar Bruttoregionalprodukt. Justin Sinkovich vom Columbia College Chicago verwies auf Louisiana. Dort hat Amazon nach seinen Angaben 12 Milliarden Dollar in ein Rechenzentrum mit 540 Vor-Ort-Stellen investiert, darunter 1.700 Elektriker, Techniker und Sicherheitskräfte. Metas Projekt Hyperion umfasst 27 Milliarden Dollar.

"Diese Projekte schaffen Nachfrage nach Arbeitskräften vor Ort und können deshalb nicht ins Ausland verlagert oder aus der Ferne erledigt werden, anders als Fertigung und Software", sagte Sinkovich.

Risiko von Gegenwind

Die politische Stimmung wendet sich gegen den Ausbau, der diese Jobs erzeugt. Gallup fand heraus, dass 70 Prozent der Amerikaner gegen ein Rechenzentrum in ihrer Nachbarschaft sind. Eine Umfrage von New York Times und Siena in diesem Monat ergab, dass rund zwei Drittel unabhängig von der Parteizugehörigkeit dagegen sind. Eine Umfrage des Texas Politics Project bezifferte die Ablehnung eines lokalen Rechenzentrums auf 57 Prozent der Wähler. Data Center Watch zählt mindestens 75 Projekte im Wert von rund 130 Milliarden Dollar, die in diesem Jahr blockiert oder verzögert wurden. Der texanische Gouverneur Greg Abbott hat ein Moratorium für die Netzgenehmigung von Rechenzentren erlassen.

Nichts davon geschieht isoliert. Das Bureau of Labor Statistics meldete am 7. August, dass US-Arbeitgeber im Juli 23.000 Stellen abbauten, mit Abwärtskorrekturen für Mai und Juni. Das Gesundheitswesen schuf 22.000 Stellen, der einzige Sektor mit nennenswerten Zuwächsen. ZipRecruiters Bachaud sagte, mehr Arbeitskräfte verließen den Arbeitsmarkt ganz.

Es gibt eine Version der KI-Arbeitsgeschichte, die stattdessen über die türkische Spielebranche verläuft. Windows Central beschrieb unter Berufung auf Berichte von Rest of World mehr als 800 Mobilspiel-Studios auf dem Höhepunkt des Landes und einen Weg, der Absolventen durch Juniorpositionen führte. Ein von Rest of World befragter Entwickler wechselte von einem großen Studio zur Gründung eines eigenen. Mit Claude Code brauchte er zwei Mitarbeiter für eine ähnliche Leistung. Einstiegspositionen verschwinden bei kleineren Studios, und größere zögern, unerfahrene Entwickler einzustellen.

Das ist die Form des Problems. KI beseitigt nicht einfach Arbeitsplätze oder schafft sie. Sie verschiebt, wo die Arbeit sitzt, zieht die Nachfrage zur physischen Infrastruktur und zum spezialisierten Ingenieurwesen und dünnt dabei die erste Sprosse aus, auf die Absolventen früher traten.

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Quellen

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  1. 01How recent grads and college students should be thinking about AI, the CV, and the job marketEN
  2. 02The blue-collar AI job market is booming. Will data center backlash make it go bust?EN
  3. 03US economy loses 23,000 jobs in July as labor market weakensEN
  4. 04Turkey's AI dilemma, the impact on entry level jobs for game developmentEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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